Wahlkampf 2011 im Social Media-Zeitalter?

Facebook-Page der CVP

Aktuell verfolgt uns Wahlpropaganda auf Schritt und Tritt. Enorme Mittel werden im laufenden Wahlkampf eingesetzt. Aber wie wirkungsvoll ist dieser Mitteleinsatz, und wie ernst nehmen die Kandidaten und Parteien die heutigen Möglichkeiten der digitalen Kommunikation?

Man muss dort kommunizieren wo man die Kunden, resp. in diesem Falle die Wähler erreicht. Klar, und wir alle wissen ob der statistisch belegten Durchdringung des Internets durch alle Alters- und Einkommensschichten. Man will vor allem auch junge Stimmbürger erreichen? Dann sollten verstärkt auch Social Media-Portale genutzt werden, denn Plakate, Flyer und Prospekte werden immer weniger wahrgenommen. Man will den Dialog pflegen mit der Wählerschaft? Ein weiteres Argument für Blogs, Facebook, Twitter, Youtube etc.. Barack Obama hats vorgemacht auf seinem Weg zum US-Präsidenten, aber wie sieht die politische Praxis in der Schweiz aus?

Gleich vorweg: gute Beispiele sind in der Minderheit, aber einige politische Vertreter setzen  Communities doch proaktiv ein. Ein Beispiel: Thomas Heiniger bewirtschaftet u.a. Facebook und Twitter intensiv. Etliche Parteien führen einen Facebook-Account (Bsp. BDP, SP) oder platzieren Clips auf Youtube (Bsp. SVP), meist dienen diese Massnahmen aber als zusätzliches Absendermedium. Beispiele, bei welchem nur schon die Website starkes Verbesserungspotential ausweist und Social Media oder gar Blogs gar nicht stattfinden stellen nach wie vor einen stattlichen Anteil aller Online-Auftritte. Fazit: Es ist immer mehr Bewegung spürbar, aber richtig angekommen im heutigen Kommunikationszeitalter scheinen die Schweizer Politik und deren Vertreter noch nicht zu sein.

Bereits vor einem Jahr hat Philipp Sauber zu diesem Thema berichtet, sehr viel verändert hat sich aber zwischenzeitlich nicht. Es gibt zwar einige gute Beispiele aus dem aktuellen Wahlkampf, aber die grosse Masse, und zwar von links bis rechts, ist nach wie vor eher klassisch (sprich absenderorientiert) aufgestellt. Welche guten Ausnahmen kennt ihr welche die Regel bestätigen? Sollte die Politik nicht langsam die inhaltlichen Diskussion auch in den Social Communities noch stärker mitgestalten?

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6 Kommentare

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  1. Stefan Rupp | 29.03.2011 13:30

    Finde ich ein spannendes Beispiel, vielen Dank. Ich glaube man kann hier auch die eine oder andere Parallele zu Beispielen aus der Schweiz sehen. Ein Kanal den man nicht richtig einsetzt, hier bestenfalls zu Absenden, wird seine gewünschte Wirkung kaum entfalten. Und der Aufbau solcher Kanäle braucht natürlich auch seine Zeit, kurz vor dem Wahlkampf damit loszulegen wird also nicht so viel nützen. Oder um ein Zitat zu missbrauchen: Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf!

  2. Quellenbeck | 29.03.2011 13:10

    Gerade am letzten sonntag war landtagswahl in Rheinland Pfalz. Gut das hat nichts mit dem Wahlkampf in der Schweiz zu tun, zeigt aber sicherlich parallelen.
    Als aktiver nutzer von faacebook, ist mir lediglich eine ganz triviale kampagne eines einzelnen kandidaten vom lande aufgefallen. Dieser hat ganz simpel werbeanzeigen geschaltet und selbstverständlich habe ich mich dazu veranlasst gesehen mal zu schauen was der man denn online so zu bieten hat.
    Es handelte sich um eine unspektakuläre webseite im alten stil. Aber es war die einzige seite die ich im ganzen wahlkampf zu gesicht bekam. Alle anderen parteien und kandidaten beschäftigten sich mit twitter und konsorten. Vergaßen aber, dass man die leute überall einsammeln muss um sie auf das eigene angebot aufmerksam zu machen. Von sich aus werden wohl nur politisch interessierte auf die wahlkampfangebote der parteien gelagen. Die potenziellen neuwähler erreicht man mit sowas aber auf keinen fall.

  3. Stefan Rupp | 17.03.2011 12:03

    Eben: sich nicht mehr nur auf Wahlversprechen und Schlagworte einzulassen, sondern wirklich wissen wollen um wen oder was es wirklich geht, Meinungen einholen und austauschen. Ein Bild machen kann man sich z.B. beim aufgeführten Beispiel (obwohl ich diese Politik nicht vertrete) mittels Dialog via Twitter und Facebook, via welche auch persönliche Meetings wie z.B. Politspaziergang am See kommuniziert und angeboten werden. Finde ich einen interessanten Ansatz, es gäbe aber auch etliche andere Möglichkeiten.

  4. Yves Moret | 17.03.2011 10:07

    Das Problem ist, dass sich die Wähler in der Schweiz gewohnt sind, irgendwelche Köpfe zu wählen, die sie gar nicht kennen. Vielfach wird einfach der Vorschlag einer Partei gefolgt, wobei wir wieder bei den Schafen wären. 😉
    So lange dies so funktioniert, haben doch die Politiker gar kein Interesse, mehr zu machen. Ich, für mich persönlich, habe beschlossen, nur noch Leute zu wählen, die ich auch einschätzen kann. Dazu gehört, das ich mir ein Bild von ihnen machen kann. Wenn dies nicht geht, dann lasse ich das Wählen sein. Ich wähle keine Hülse mehr, die dann im Amt alle anderen Interessen vertritt, als jene, die ich mir vorgestellt hatte.

  5. Stefan Rupp | 17.03.2011 05:58

    Danke für deinen Standpunkt. Dass der Online-Wahlkampf in der Schweiz seit Jahren nur vereinzelt stattfindet ist gerade der Punkt: erstens ist die Disziplin ja noch verhältnismässig neu, und es ist an der Zeit sich dem heutigen Kommunikationszeitalter zu stellen. Und wer sich als Politiker am Samstagmorgen vor der Migros (die meisten machen ja bei solchen Aktionen einen weiten Bogen) noch entscheidende Impulse zu setzen versucht hat im Vorfeld die Leute nicht erreicht oder nicht überzeugt, und er wird auf der Strasse nur ein paar erreichen. Der bessere Weg als „einer spricht mit ein paar wenigen“ wäre „Einer spricht mit Vielen, und Viele sprechen mit Vielen“. Flankierende Massnahmen mögen nach wie vor angebracht sein, aber der Wahlkampf der Zukunft oder Abstimmungen werden zunehmend online ausgefochten. Also wird auch hier der Lösungs-Ansatz „das machen wir bei uns seit vielen Jahren so“ wie so oft dort zu Misserfolgen führen, wo man sich dem Wandel der Zeit und der Gesellschaft nicht versucht hat anzupassen.

  6. Matthias | 16.03.2011 09:56

    Die Schweiz funktioniert einfach anders als die USA, deshalb ist der Vergleich nicht besonders hilfreich. Es ist in der Schweiz schon seit vielen Jahren so, dass Online-Wahlkampf nur vereinzelt stattfindet. Die Gründe sind IMHO klar: Etablierte Politiker haben längst ihre effizienten Kommunikationskanäle (nicht zuletzt in den Massenmedien), und nichtetablierte Politiker erreichen an einem Samstagmorgen vor der Migros viel mehr Wähler als mit irgendwelchen Aktionen im Internet. Das ist heute nicht anders als bei den letzten Wahlen vor vier Jahren.

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