Social Media Revolution

Für Ägypten hat sich innerhalb von 18 Tagen die Welt verändert, und dies durch weitgehend gewaltfreie Bewegungen. Doch wie war es möglich, den Sicherheitsapparat in so kurzer Zeit zu stürzen?

„Man nehme soziale Netzwerke wie Facebook, kombiniere sie mit der Disziplin religiöser Bewegungen und der Energie von Fussballfans und reichere sie an mit chirurgischer Präzision und Taktiken des gewaltlosen Widerstands. Hinzu noch ein Schuss modernes Marketing, und fertig ist die Revolution 2.0″

So beschreibt mindestens 20min.ch das „Rezept für einen erfolgreichen Aufstand“. Und es scheint im Fall Ägypten wirklich, als hätten die politischen Veränderungen im Internet ihren Ursprung gehabt.

Bereits im Jahr 2005 versuchte die Bewegung „Kefaja“ (Genug) einen Regimewechsel zu erreichen, scheiterte jedoch und zog sich daraufhin ins World Wide Web zurück. Bald begann ein reger Online-Austausch unter den Gesinnungsgenossen über Blogs. Mit dem Einstieg des Google-Marketingchefs Wael Ghonim begann dann die Verlagerung des Protests auf Social Media Plattformen. Er initialisierte eine Facebook-Seite, welche er gezielt als Marke aufbaute. Über die Seite wurden „Fans“ mobilisiert, um auf der  Strasse, sprich in der „richtigen Welt“ zu protestieren.

Bei den Protesten in Kairo versammelten sich daraufhin über 100’000 Personen. Nicht nur hatten sie ihre Interessen online geteilt und dadurch eine grosse Anzahl an Personen mobilisiert, sie hatten sich im Vorfeld auch konkret vorbereitet und Tipps ausgetauscht, wie man sich am besten verteidigt.

Die Euphorie bezüglich der Macht von Social Media verbreitete sich darauf wie ein Lauffeuer in den Medien. Doch Social Media Netzwerke waren in diesem Fall nichts anderes als der Kommunikationskanal. Sie boten dem Volk eine Plattform, welche nicht nur den „Mächtigen“ zur Verfügung stand und somit jedem die Möglichkeit bot, sich an der Diskussion zu beteiligen.

So utopisch diese Machtverlagerung an jeden einzelnen Bürger auch scheint, lauern hier neue Gefahren: Auch korrupte oder autoritäre Systeme können sich in Zukunft solchen Netzwerken zunutze machen. Zudem finden Regierungen und Geheimdienste auf einfache Weise eine geballte Sammlung von Privatdaten, wodurch sie auf eine aufkeimende Oppositionsbewegung auch schneller reagieren können.

„Ägypten gibt den Anstoss für die Welt“ – Welche Veränderungen noch auf uns zukommen, und in wie fern Social Media dabei eine Rolle spielen wird, werden wir auf jeden Fall in den nächsten Monaten gespannt mitverfolgen.

Was hältst du von der „Macht von Social Media“? Glaubst du, dass Social Media langfristig die Welt verändern könnte? Wie und wo siehst du Social Media bei uns?

Quellen:

New York Times – A Tunisian-Egyptian Link That Shook Arab Hitory

20 Minuten – Revolution mit Facebook, Gandhi und Cola

The European – Schattenseiten von Social Media

Bild: johnvasko.com

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7 Kommentare

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  1. Jenny Peier | 15.04.2011 08:15

    @Rosmarie: Es gibt immer wieder neue Trends. Dass Social Media jedoch ganz „verschwindet“, denke ich nicht. Jedoch gebe ich dir durchaus Recht, dass Facebook und co. wahrscheinlich eines schönen Tages durch neue, bessere Angebote ersetzt werden, wie es auch Netlog ergangen ist. Ich bin mal gespannt…

  2. Rosmarie | 14.04.2011 14:48

    Es könnte allerdings durchaus auch sein, dass die ganze Social Media-Welle nur ein vorübergehender Trend ist wie so vieles andere auch war. Zum Beispiel MSN oder Netlog waren auch mal grosse Hits, unterdessen benützt aber fast keiner mehr diese Programme / Dienste.

  3. Jenny Peier | 22.02.2011 11:20

    @Yves: Es wäre sehr spannend, so ein Szenario zu erarbeiten. Weisst du, ob es Ansätze dazu gibt?

    @Kai: Danke für den Link, sehr interessant!

  4. Kai | 19.02.2011 05:36

    Sie sollten sich unbedingt diese Analyse anschauen. “ Die Analyse der Social Media Revolution in der Arabischen Welt. (Ägypten, Tunesien, Web 2.0) http://bit.ly/fHwHo7 . Sehr interessante Ergebnisse.

  5. Yves Moret | 18.02.2011 09:46

    Social Media wird unser Leben ganz sicher verändern. Der Punkt ist der, dass der Zugang zu Informationen jeglicher Art einfacher und unkomplizierter geworden ist. Dies vor allem in der Geschwindigkeit der Verbreitung. Die Regierungen auf der ganzen Welt stehen nun vor dem Problem, dass sie die Verbreitung von Informationen immer schlechter kontrollieren können. Gleichzeitig werden Informationen, die die Regierungen verbreiten „verwässert“ in dem sie in Null Komma Nichts vom Volk richtig gestellt wäre.
    In den letzten paar Tagen habe ich mir ein paar mal vorgestellt, wie die Welt heute aussehen würde, wenn das Medium Web vor 100 Jahren schon die Verbreitung gefunden hätte, die sie heute hat. Ich denke vieles wäre in der Geschichte anders gelaufen.

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