Banner-Werbung, lässt sich damit Geld verdienen?

Die Diskussion in unserem Blog zum Thema Tamedia kauft 75% von search.ch zwischen Hugo und HU hat mich dazu animiert, ein paar Gedanken und Studien zum Thema Online- & Banner-Werbung niederzuschreiben.
Lässt sich mit Banner-Werbung im Internet noch richtig Geld verdienen oder sind die Zeiten vorbei?

Kurzer Rückblick zum Thema Online-Werbung.
Am 25. Oktober 1994, also nur rund ein Jahr nachdem im CERN das Internet erfunden wurde, schaltet HotWired für AT&T das erste Werbebanner im Internet. Und so schaute das damals vor ziemlich genau 14 Jahren aus (wahrlich keine graphische Meisterleistung):

Wie hoch die Klickraten zu der Zeit bei Bannern war, konnte ich mehr nachvollziehen. Was man aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass die Klickraten im Laufe der Jahre stetig gesunken sind.
Schon um die Jahrtausendwende sanken die Klickraten (= wie viele der Besucher, die das Banner „sehen“ klicken schlussendlich darauf) unter 1%. Eine Studie von ADTECH im letzten Jahr zeigt auf, dass im Jahre 2004 die Klickrate im Schnitt über alle Werbemittel noch bei 0,33% lag und Mitte des letzten Jahres auf 0,18% sank. D.h. die Rate halbiert sich innerhalb von drei Jahren. Da war also Hugo gar nicht so weit weg mit seinen 0,1%.
Am beste wurden Video Ads geklickt, gefolgt von den zum Teil lästigen Pop-ups oder Layer Ads, welche man nur anklickt, weil man das Kreuz zum schliessen des Banners nicht finden kann.

Nun soll man aber nicht nur den Klick sondern auch den Branding-Effekt betrachten. Erinnert sich den überhaupt jemand an die Werbung auf den Bannern, auch wenn sie weniger als 0,18% der Besucher sehen wollen? Hierzu folgendes:
Eine Studie von ARD im Jahr 2007 spricht von knapp 5% Werbeerinnerung, je nachdem wo sich der Banner befindet. Interessant ist, dass bei der jungen Zielgruppe von 14-29 Jährig die Werbeerinnerung ca. 2 Prozent tiefer liegt. Dies könnte daran liegen, dass das jüngere Publikum „effektivere“ Strategien besitzt solche Banner in der Wahrnehmung auszuschalten. Also gibt’s die Bannerblindness doch.

Zurück zur ursprünglichen Story mit search.ch und Tamedia.
Warum bezahlt Tamedia über CHF30Mio (Schätzung), wenn die Online-Werbung auf dem Absteigenden Ast ist?
Warum kauft Microsoft einen Bruchteil von Facebook, auch wenn Facebook mit Online-Werbung viel weniger verdient als erhoft, da diese in Communities nicht funktioniert?
Sind AdSense die Lösung, wobei auch dort die Klickraten nicht viel höher sind?
Oder müssen sich die Portalbetreiber etwas Neues im Bereich Social Media einfallen lassen?
Was denkt Ihr?

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12 Kommentare

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  1. Enrico | 22.07.2010 13:13

    „Die Bannerwerbung kann man leider zu wenig personalisieren, weil die Portalbetreiber nichts über den individuellen User wissen. Da müsste die ganze Online-Industrie mal ansetzen.“ —-> Also, bei Ebay wird doch jetzt schon cookie basiert gearbeitet, d.h. wenn ich mich für eine bestimmtes Produkt interessiere, dann taucht das produkt in manchen bannern auf anderen von mir besuchten seiten wieder auf. Wohl die geschickteste art der bannerwerbung.

  2. Fabienne Rubolino | 8.10.2009 19:44

    Wir werben bei Facebook und anfangs lief es sensationell, leider nun immer weniger. Das Problem liegt daran, dass wenn man eine neue Anzeige aufschaltet klicken zwar wieder viele – jedoch ziemlich sicher die Selben Frauen…!

  3. Anton | 3.10.2009 14:10

    Social Media Seiten werden nur gekauft, um Informationen über Nutzer zu bekommen, die so blöd sind, private Dinge und Mails z.B. bei facebook auszutauschen. Hinzu kommt, dass Facebook z.T. vom SIE-EI-EY gesponsoert wird… wer es nicht glaubt, einfach bei YouTjub die echte Abkürzung der Zentralen Sicherheits Agentur eingeben und die Filme dazu sehen…

  4. Philipp Sauber | 6.10.2008 22:32

    Ich seh’s doch eher wie Micha. Wenn man heute, und vor allem in der Zukunft, mit Banner noch Geld verdienen will, muss man sich etwas Ausgefallenes einfallen lassen. Zudem muss die Menge der Banner reduziert werden, so wie das Jeremy macht.
    Sicherlich müssen aber für die Portale neue Werbeformen her, die früher oder später das 14 Jahre alte Banner ablösen. Man kann gespannt sein was das sein wird.
    Dass der Kauf von Tamedia rein strategisch war, darüber sind wir uns wohl alle einig.

  5. Micha | 6.10.2008 21:01

    Online-Werbung muss sich immer wieder neu erfinden um weiterhin beachtet zu werden oder Webseiten-Besuchern zumindest einen erkennbaren Zusatznutzen bieten. Ein Standartbanner 468*60 lockt doch niemanden mehr hinterm Ofen vor, aber Gewinnspiele, neutrale Formulare (z.B. für Vergleichsrechner), Video-Ads, Page-Peels und andere interaktive Werbemittel sind da schon interessanter. Nicht zu unterschätzen ist auch der gute alte Textlink, wenn man ihn richtig einsetzt.

  6. John | 6.10.2008 15:14

    Verallgemeinern darf man die Aussage „Banner bringen nicht mehr“ nicht. Es mag Seiten geben, bei denen Banner noch sehr gut funktionieren. Das liegt dann aber daran, dass der Banner zu den Interessen der Besucher passt. Bei Nischen mag das funktionieren.

    Doch bei grossen Portalen wie search.ch und 20min.ch hat man so viele unterschiedliche Besucher mit völlig verschiedenen Interessen, da wird nun einmal viel weniger geklickt.

    Die Kunst ist es, den richtigen Banner auf der richtigen Webseite zu platzieren!

    Ob sicher der Aufwand jedoch lohnt und ob man da nicht besser auf eine andere Werbeform setzt ist wieder eine andere Frage.

  7. Jeremy | 6.10.2008 14:47

    Also bei mir funktioniert Banner Werbung bestens.
    Ich habe einen Exklusivvertrag mit meinem Sponsoren und habe einen Banner in der Sidebar, dafür keine Banner/Werbung/Verlinkung in Einträgen.
    Aber ich denke mit Google Werbebannern lässt sich nicht wirklich Geld verdienen, ausgenommen Blogs mit unheimlich hoher Besucherzahl.

  8. Andreas | 6.10.2008 11:27

    Naja, ich denke, dass das Werbemodell auch online absolut seine Berechtigung hat. Auch wenn die TKPs sicher bei ungetargetem Traffic im Rappenbereich liegen (und die Clickrate ebenso sehr niedrig ist), lassen sich insbesondere bei qualitativ hochwertigem Content und einem guten Targeting weiterhin TKPs im zweistelligen Frankenbereich erzielen

  9. Luk | 6.10.2008 10:48

    Wieso soll ich Werbung beachten, die überhaupt nicht relevant ist für mich? Je häufiger Werbung geschaltet wird, die für mich nicht passend ist, desto weniger werde ich die Werbung beachten.

    Die Bannerwerbung kann man leider zu wenig personalisieren, weil die Portalbetreiber nichts über den individuellen User wissen. Da müsste die ganze Online-Industrie mal ansetzen.

  10. Martin Hunkeler | 6.10.2008 10:03

    Warum Tamedia search.ch kauft ist mir auch ein Rätsel. Etwa das gleiche Rätsel, wie als die Post search.ch kaufte. Mit dem Bannergeschäft kann das angesichts des geschätzten Kaufpreises nichts zu tun haben. Ich denke der Deal beruht rein auf strategischen Überlegungen. Genaugleich wie MS und Facebook. MS hat die Anteile an Facebook nur aus Imagegründen gekauft um ein Bein in den Social Medias zu haben. Mit Werbeeinnahmen hat dies nichts zu tun.
    Klar werden Banner wenig beachtet. Klar gibt es bessere Werbeformen. Die Tamedia hat aber nun, wie auf ihrer Site zu sehen, die Banner durch Links zu Publireportagen abgelöst. Dies finde ich eine gute Lösung um der Bannerblindness entgegenzuwirken. Ich bin sicher, dass die Klickrate so um einiges höher ist.

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