Web-Ethik – Status Quo im Internet

Unternehmen, Organisationen und sogar ganze Staaten üben sich im Social Media – Verhalten, versuchen sich der Entwicklung anzupassen, Guidelines zu verfassen und Rahmenbedingungen zu schaffen. Woran orientieren sich aber die User als Individuen, als Menschen?

Wenige würden an einer Betriebsversammlung öffentlich den Vorgesetzten denunzieren, im Internet geht das viel einfacher und effektvoller. Wirkungsvoll können aber auch die Konsequenzen sein, wie u.a. Focus Online berichtet. In Frankeich haben kürzlich zwei Mitarbeiter Ihren Job verloren wegen Lästerei über Ihren Arbeitgeber auf Facebook.

Seit 1998 streiten Juristen und Praktiker darüber , ob es weitere Gesetze fürs Internet braucht. 2008 entschied der Bundesrat, dass die strafrechtliche Verantwortlichkeit im Internet jedoch nicht neu geregelt werden muss, nachzulesen im Bericht vom Februar 2008.  Speziell die Rolle der Provider und deren Verantwortung wird immer wieder neu diskutiert und führt laufend zu neuen Auflagen und noch längeren Nutzungsbedingungen, die vermutlich kaum jemand liest. Auch betreffend Web-Ethik und Verhaltensregeln innerhalb von Social Networks herrscht Uneinigkeit, wie das Beispiel einer Podiumsdiskussion an der Fachhochschule Köln zeigt:

Stellt das Internet nun eine Parallelwelt dar welche eigene Gesetze braucht? Sind die üblichen Regeln und Gesetze des Alltages ausreichend? Tatsache ist, und das ist auch einer der Vorteile der heutigen Kommunikation, dass die User durch Ihre Mitsprache auch eine Mitverantwortung bei der Gestaltung von Regeln und Rahmenbedingungen in der Community übernommen haben. Es wurden und werden laufend Spielregeln oder auch der Begriff Netiquette definiert, welche sogenannte Trolle outet und disqualifiziert.  Nicht verwechseln sollte man natürlich Verhaltensregeln oder einen Kodex mit strafbaren Handlungen. Das Strafrecht findet zu 100% auch im Internet Anwendung, wie in einem Beispiel von Educaguides beschrieben wird. Viel zu reden gab kürzlich das Urteil im Fall einer jungen St. Gallerin, welche Ihre Meinung einem Mann nicht ins Gesicht gesagt sondern auf Facebook gepostet hat, wie u.a. auch NZZ Online berichtete.

Sind neue Gesetze die Lösung oder braucht es einfach mehr Eigenverantwortung? Sehen wir einer neuen Ära entgegen, in welcher persönliche Angriffe und Mobbing über Social Networks an der Tagesordnung sein werden oder regelt die Community das Nötige von alleine? Persönlich vertrete ich die Meinung, dass es keine zusätzlichen Gesetze braucht. Ich appelliere eher  an den gesunden Menschenverstand und den Grundsatz „Verhalte dich im Internet so, wie du es auch von Anderen erwartest und wünschst“.

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6 Kommentare

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  1. Stefan Rupp | 31.01.2011 08:29

    Interessant, vielen Dank für den hint. Macht auf mich aber auch etwas den Eindruck dass man sich als user etwas in der Opfer-Rolle sieht. Persönlich vertrete ich den Ansatz, dass jeder selber entscheiden kann ob, wie und was er im Internet über sich darlegen möchte und auch das Web eine grosse Reihe von Vorteilen hat (aber auch einige Nachteile, wie bei allem). Der Staat übrigens hatte schon vor dem Internet-Zeitalter immer wieder die Hand an Personendaten.

  2. Hans Merker | 30.01.2011 21:40

    Im Grunde sind die sozialen Netzwerke an sich doch schon reines Mobbing. Also im Zusammenhang zwischen Datenoffenlegung, Werbung und gläsern werden. Doch Web 2.0 ist ja was gaaanz tolles – da spart der Staat doch einiges an Profilern… Einen schönen Artikel dazu habe ich hier gesehen:

    Guckst du…

    Befasst sich mit den Sozialnetzwerken und dem gesellschaftlichen Wandel.

  3. Stefan Rupp | 6.01.2011 16:02

    Sicherlich werden Trolle, welche sich nicht an die von dir erwähnten Konventionen halten, ausgeschlossen oder ignoriet. So passiert es ja auch im wahren Leben. Diese Konventionen, Masstäbe oder wie immer man sie benennen will werden aber durch die User mindestens teilweise neu bestimmt oder definiert werden, so wie sich auch der reale Umgang der Menschen miteinander immer weiterentwickelt und verändert hat.
    Die Meinung, dass Facebook ein überschätztes Social Media-Portal ist teile ich weniger. Entscheidend ist dabei einfach wie man das Portal nutzt: wer gut zuhört hat damit enorme Möglichkeiten, vor allem auch als Unternehmen wie etliche Beispiele zeigen, Tendenz stark steigend. Wichtigste Konvention hier: die user ernst nehmen, zuhören und ehrlich kommunizieren.

  4. Webgewandt | 6.01.2011 12:07

    Ich hoffe, dass verträgliche Existenzen auch bei der elektronischen Kommunikation die im echten Leben üblichen Konventionen pflegen. Warum sollte man ‚die Verbalsau raus lassen‘ nur weil man nicht direkt gesehen wird? Menschen mit (Selbst-)Verantwortungsgefühl werden hoffentlich beim Kanalwechsel nicht plötzlich auf Rüpelmodus umschalten…die anderen interessieren mich auch im realen Leben weniger.

    Als Unternehmerin meide ich schlicht Facebook und andere überschätzte Social-Media-Portale. Viel hilft nicht viel. Arno Schmidts Zettelkasten wird ja auch selten ganz gelesen – und Heuhaufen durchsuche ich lieber in der freien Natur als im Internet. Außerdem sind mir Halbsätze und Stummelkommunikation sowie Emoticons ein Gräuel.

  5. Stefan Rupp | 5.01.2011 11:40

    Teile deinen Standpunkt zu 100%, im globalen Kontext nützen neue Gesetze und Verordnungen wenig. Zudem wären Sie in der Regel verspätet/veraltet bei der Einführung angesichts des Entwicklungstempos und somit wenig nachhaltig.

  6. Yves Moret | 5.01.2011 10:19

    Ich habe vollstest Vertrauen darin, dass sich das Internet selber reguliert. Gesetze und Verordnungen können sowieso nur national erlassen werden. Wenn sich die „Internetgesetze“ in der Schweiz und in Nordkorea unterscheiden bringt dies in einem weltweiten Datennetz so gut wie nichts.
    Die im Video geforderten Ethikmassstäbe können nicht einfach erlassen werden. Ethik muss sich immer entwickeln und dies dauert. Es gibt auf lange Sicht nur eines, dass im Web zählt. Authentizität heisst das Zauberwort. Trolle ändern sich von alleine, wenn sie mit ihrem Verhalten nicht gehört werden und etwas erreichen wollen.
    Für die Gesellschaft bringt gerade Web2.0 natürlich gewaltige Umwälzungen mit sich. Vor allem der Umstand, dass jemand praktisch aus dem Stand heraus tausende von Leuten mit seiner Meinung erreichen kann, stellt natürlich vieles auf den Kopf. Die Gesellschaft muss lernen, damit umzugehen. Dies geht nicht mit noch mehr Gesetzen, die ja schlussendlich auch wieder durchgesetzt werden sollten.

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