Datenschutz in Sozialen Netzwerken – Was weiss das Internet wirklich über mich?

Social Networks boomen. Facebook, Xing oder studiVZ bieten ihren Usern die Möglichkeit im Internet Freunde zu finden und virtuelle Cliquen zu bilden. Millionen von Nutzern tauschen auf den Plattformen regelmässig ihre Fotos, E-Mails oder gar intimste Geheimnisse aus. Eine tolle Sache doch eigentlich! Doch durchaus problematisch, bedenkt man, dass Facebook & Co. offen für die ganze Welt sind und beinahe jeder (auch der Personalchef, der Vermieter oder gar Kriminelle) die persönlichen Daten einsehen kann.

Deutliche Sicherheitslücken in Sozialen Netzwerken
Das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) hat sechs der beliebtesten Social Networks auf ihre Datensicherheit hin überprüft. Bewertet wurden Zugriffskontrolle und Steuerungsmöglichkeit, Standardkonfiguration und Verschlüsselungsmöglichkeiten. Das Resultat der Studie ist ernüchternd: Durch unzureichende Verschlüsselung der Kommunikation zum Server werden sämtliche Daten, die zur Anmeldung erforderlich sind, unzureichend geschützt und bei einer Abmeldung nicht vollständig gelöscht. Selbst reine Business-Netzwerke weisen erhebliche Mängel auf.
So weist das Frauenhofer-Institut darauf hin, dass Soziale Netzwerke im Sinne des Schutzes privater Informationen keinesfalls sicher sind. Andreas Poller, der die Forschungen zur Studie zusammenfasste, rät gar von der Nutzung mancher Dienstfunktionen ab und betont, dass jeder Service mindestens eine Sicherheits-Lücke aufweist. Ebenfalls überprüft wurde, ob Dritten der Zugriff auf geschützte Daten gelingt. Das Ergebnis: Selbst die als geschützt gekennzeichneten Daten oder Bilder werden von Suchmaschinen gefunden.

Die neuen Super-Suchmaschinen
Laut einer Managementbefragung nutzen bereist 28 Prozent aller Personalberater das Internet, um sich ein Bild von ihren Bewerbern zu machen. Unterstütz werden sie dabei von diversen Personensuchdiensten (wie 123people.de, Spock.com, Yasni.de, Zoominfo.com oder Pipl.com), welche Soziale Netzwerke, Blogs und Foren durchforsten und ganze Personendossiers ausspucken. Sie liefern E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Fotos und Videos und greifen sogar auf uralte Bestell-Listen zu.

Wer also Fotos seines letzten Trinkgelages in Netz stellt, muss damit rechnen, dass auch der Chef diese sieht. Wer seine nächste Ferienreise im Web ankündigt, muss im schlimmsten Falle damit rechnen, dass ihm während seiner Abwesenheit die Wohnung ausgeräumt wird. Und selbst Werbefirmen hatten es noch nie so leicht, Adressen, Hobbies und persönliche Vorlieben auszuspähen.

Fazit
Im Internet stehen mehr Informationen über uns, als wir ahnen. Während viele User ziemlich unbedarft relativ viel Persönliches auf Social Networks preis geben, sind die Anbieter kaum bemüht, diese Daten vor dem Zugriff Dritter zu schützen. Sicher währt sich, wer seine Identität mit einem Nicknamen oder Pseudonym schützt, die wahre Identität von derjenigen im Web trennt und sich der möglichen Konzequenzen seines Handelns bewusst ist.

Ich persönlich bin überrascht und auch ein wenig schockiert über die Sicherheitslücken und die neuesten Profiler-Methoden im Web. Wie geht es Euch dabei? Hat schon jemand negative Erfahrungen in diesem Bereich gemacht?

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6 Kommentare

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  1. ymo | 1.10.2008 22:59

    Ich halte es wie Sam. Wenn ich auf dem Internet was publiziere, kann ich auch dazu stehen. Wenn ich mich auf der Strasse bewege, kann es auch sein, dass ich gesehen werde. Was ist wenn ich mich nächste Woche genau bei dem Herrn für einen Job vorstelle, bei dem ich letzte Woche fast eine Schlägerei anzettelte?
    Was ist mit all den Handy-Telefonaten die man im Zug mithören darf? Habe schon die schönsten medizinischen Details einer Dame erfahren, die gerade mit ihrer Freundin telefonierte.
    Es liegt bei einem persönlich, was man von sich preisgibt!

  2. Sam | 1.10.2008 22:44

    Allerdings bin ich jetzt gerade etwas erschrocken. Hier gibt’s eine Pressemeldung „von mir“, ohne dass ich jemals den Text gesehen habe, bis ich ihn via Google gefunden hatte:

    http://www.spreadshirt.net/de/DE/Ueber-uns/2008-4124/newsId/657

    Ist aber durchaus werbend und in dem Sinne positiv, aber ein kleiner Schock ist das dann doch.

  3. Sam | 1.10.2008 22:40

    Und zu viele Leute sind paranoid 🙂

    Ich werde immer noch lieber im Internet gefunden anhand von Daten, die ich selbst eingespeist habe, als aufgrund von Daten, die andere über mich geschrieben haben.

    Insofern könnt ihr gerne nach Sam Steiner suchen. Man findet mich in XING, in Facebook und ein kleines Grafiktool (hatte ich selbst vergessen).

    Die Suche über 123people.de hat mir also sogar geholfen, mich an kleine vergessene Projekte zu erinnern – ganz OK so 🙂

  4. Flo | 1.10.2008 13:00

    Dass es überall Sicherheitslecks hat überrascht mich nicht. Doch die meisten wissen sowieso nicht, wie man diese Lücken ausnützt. Deshalb mache ich mir persönlich nicht so viel Gedanken drum. Schlussendlich stehe ich hinter dem was ich im Internet schreibe oder veröffentliche. Wenn ich das nicht kann, dann publiziere ich das auch nicht.

  5. René | 1.10.2008 12:54

    Noch sehr viele User gehen sehr sorglos mit ihren Daten um und geben im Internet enorm viel Preis von sich. Über die Folgen sind sich wahrscheinlich die wenigsten bewusst. Erst wenn man mal nach seinem Namen googelt kommt die Überraschung. Ich selbst bin immer wieder erstaunt was mein Name hergibt.

    Was die Personalberater angeht gebe ich Elisabetta recht. Das Internet gibt nur ein Teil von einer Person wieder. Und aufgrund dieser Infos jemanden ganz zu beurteilen ist schlichtweg nicht möglich. Dazu hat jeder neben der Arbeit noch einer Freizeit wo er tun und machen kann was er will. Vorausgesetzt die Leistung am Arbeitsplatz leidet nicht darunter.

  6. Elisabetta | 1.10.2008 12:25

    ich persönlich machte noch keine negativen erfahrungen diesbezüglich. mir kam aber auch zu ohren, wie du erwähntest, dass personalberater diese plattformen nutzen um sich ein „besseres“ bild der bewerber machen zu können. für mich persönlich ist dieser weg ein absoluter „bünzlischritt“. denn wenn man aufgrund irgendwelcher bilder jemanden beurteilt und vielleicht sogar ein bild als kriterium der nichtanstellung nimmt, ja dann gute nacht! abgesehen davon, würde mich ein lustiges bild mehr ansprechen als ein superfoto einer selbstverliebten person.
    finde es aber ebenfalls beängstigend, dass diese neuen super-suchmaschinen soviel infos über die personen auffindet! – sind die anbieter solcher plattformen überhaupt bestrebt diese sicherheitslücken zu schliessen??

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