Voll an der Zielgruppe vorbei

Yves Moret, 25.06.2010 4 Kommentare

Mit Werbung soll immer eine bestimmte Zielgruppe angesprochen werden. Die Firma Eppendorf lässt eine Boy-Group ein Pipettier-Gerät besingen. Zielgruppe: Laboranten. Na ja.

Das Ziel ist relativ simpel: mit Werbung soll Absatzförderung erreicht werden. Und so ist die Werbung – in diesem Fall die Wirtschaftswerbung – ein Instrument der betrieblichen Absatzpolitik. Soweit so gut. Damit diese Absatzförderung auch erreicht wird, muss aber so einiges beachtet werden.

Werbung muss immer Aufmerksamkeit erregen. Soviel ist klar. Und dies dann idealerweise bei der zuvor definierten Zielgruppe. Kommt es nicht zur gewünschten Aufmerksamkeit, so hat die Werbung auf allen Ebenen versagt. Denn nur durch besagte Aufmerksamkeit, kann die Zielgruppe letztlich zur Kaufentscheidung motiviert werden.

Und so existiert in der Werbung ein breites Spektrum an Strategien und Inszenierungen, um das an die Zielgruppe zu bringende Produkt anzupreisen. Vor allem auch im Online-Bereich.

Von Boygroups und Pipettier-Systemen
Einen Versuch, ihr Produkt an den Mann – oder in diesem Fall an die Frau – zu bringen, hat die Firma Eppendorf gemacht. Eppendorf ist ein Unternehmen der Biotechnologie und entwickelt, produziert und vertreibt Systeme für die Life-Science-Forschung für den Einsatz in Laboren weltweit. Eine etwas trockene Materie, um diese zu bewerben. Sollte man meinen. Nun Eppendorf macht das Beste daraus. Nebst einem ansprechenden Internetauftritt, Online-Spielen und –Wettbewerben, ist die Unternehmung auch bei Facebook, Twitter und Youtube vertreten.

Und: um die jüngste Pipettier-System anzupreisen, liess sich Eppendorf etwas Ungewöhnliches einfallen. Fünf mehr oder weniger knackige Jungs besingen als klassische Boygroup in einem Musikvideo eine junge Laborantin. Gesungen wird von einem neuartigen, vollautomatischen Pipettier-System, mit dem natürlich alles besser wird. Kein mühsames Pipettieren mehr bis in die Nacht hinein. Die besungene holde Blonde hätte wieder mehr Freizeit. Weiter singen die fünf dann auch im Refrain von DNA, RNA, Proteinen und Zellkulturen.

Nebst dem Musikvideo kann auf der Internetseite der Soundtrack als MP3 oder als Ringtone fürs Handy herunter geladen werden. Der Songtext steht als PDF zur Verfügung. Und es existieren sowohl eine umfassende Wallpaper-Gallery mit Bildern der Boygroup sowie eine Making of-Gallery zum Video. Weiter kann bei Gefallen das Video direkt an Freunde weiter empfohlen werden.

Sicher mal eine witzige und ungewöhnliche Werbe-Idee für ein solches Produkt. Doch natürlich drängt sich hier ganz schnell die Frage auf, ob Eppendorf damit die Zielgruppe auch erreicht. Denn es ist schon fraglich, ob sich Menschen, die in einem Labor beschäftigt sind, von einer Boy-Group angesprochen fühlen. Denn das Konzept einer solchen zielt ja in erster Linie auf die Teenie-Generation ab. Von daher bleibt hier nur als abschliessendes Urteil: zwar mal etwas anderes, aber eben voll an der Zielgruppe vorbei.

Und was glaubt Ihr, erreicht  Eppendorf damit die Menschen, die mit dieser Werbung hätten angesprochen werden sollen?

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4 Kommentare

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  1. Thomas Hutter | 25.06.2010 13:53

    Naja, vielleicht kommt es bei den Laborantinnen besser an 😉

  2. Baden | 25.06.2010 13:49

    „…and it’s called EpMotion…“ – Super, jetzt habe ich ein boyband ohrwurm… und Lust auf medizinische Laborgeräte. Klingt wie ein spass wochende.

  3. sprain | 25.06.2010 08:53

    Ich denke, das klappt. Der Clip hat die richtige Mischung zwischen professionell (Sound) und Ironie (Bild). In der Zielgruppe wird bestimmt über diese Firma gesprochen – vielleicht nicht bei den alten Professoren, aber bei den jungen Studenten am College und der Uni, die in der Branche einsteigen werden.

  4. massimo | 24.06.2010 17:15

    hier findest du noch weiter Corporate Anthem http://www.podpimp.de/

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