Verbindlichkeit 2.0

Seit wir alle mit unseren Smartphones durchs Leben rennen, verabreden wir uns auch ganz anders. Kaum noch ein Treffen kommt beim ersten Versuch zustande.

Weil die schnelle und kurze Kommunikation immer mehr zu einem festen Bestandteil in unseren Leben wird, nehmen wir es auch mit den Verabredungen nicht mehr so genau. Sachen wie: „Komm – entscheiden wir doch spontan“ oder „ich rufe dich an, wenn ich einen freien Slot finde“ verlassen täglich unser Sprechorgan. Heute gilt nur noch als unhöflich, wer sich gar nicht meldet.

Gut – sie bietet sich ja auch geradezu an, diese Unverbindlichkeit. Wenn man sich den traurigen Augen des Gegenübers nicht mehr stellen muss, sinkt die Hemmschwelle. Und doch ist die Verbindlichkeit ist wichtig, vor allem unter Freunden.

Früher – als wir noch keine Handys hatten – haben wir uns darauf verlassen, dass der Andere pünktlich zu einem Treffen erscheint. Wenn man dann nicht kam oder zu spät erschien, hat man jemanden enttäuscht oder zumindest seine Zeit vergeudet.

Heute ist es anders. Wenn alle davon ausgehen, dass man immer eine SMS oder einen Tweet schreiben kann, dass man erst eine halbe Stunde später kommt, dann ist das nicht weiter schlimm. Weil es dann alle machen. Aber solange das noch nicht fix in unseren Köpfen ist, funktioniert es einfach noch nicht.

Wie alles andere mit der Zeit geht, so ist es auch mit dem Verständnis für die Verbindlichkeit. Es hat sich mittlerweile schon an die aktuelle technische Kommunikation angepasst. Der Mensch ist heutzutage mit den Mitteln ausgestattet, um seinen Tag ganz flexibel zu gestalten. Der Umbruch ist schon passiert – und noch nicht alle verstehen die Verbindlichkeit bereits auf die neue Art und Weise. Etwas hat noch einen höheren Stellenwert als sonst eingenommen: Der Respekt. Er drückt sich nämlich darin aus, zu erkennen, ob der andere Mensch schon für die neue Art der Terminvereinbarung ist, oder eben noch nicht.

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6 Kommentare

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  1. Annubis | 14.06.2010 14:04

    @thomas: ich sagte ja wenn die öv spinnt – und man wirklich alles tat um sowas zu verhindern – kann ja mal passieren – das versteht jeder…

    aber ja 2h kann zu kurz sein wen jemand von weit weg kommt – das sollte man schon in die berechnung einbeziehen. ich bezieh mich hier jetzt auf lokale treffen oä – da hast du recht

  2. ThomasD | 14.06.2010 13:36

    @Christina: Ich weiss noch, wie ich mich letztes Jahr für ein Tweetgrillen angemeldet hatte, und mich dann wieder abmelden musste. Ich hab mich noch gefragt, ob ich wohl der einzige bin der auf die Idee kommt, sich bei so einer Veranstaltung abzumelden wenn er nicht kommen kann. Scheinbar lag ich also doch nicht so daneben damit 🙂

    @Annubis: Ich kam mal deutlich zu spät zu einem Vorstelungsgespräch. Schuld war aber der ÖV, von daher hatte es für mich keinen negativen Einfluss. Ich hätte den Job wohl sogar bekommen (hätte ich ihn den auch haben wollen 😉 ) Ich kann und will deine Ausführung aber gerne unterschreiben. Wobei ich die grenzen nicht so klar bei 2h / 15min setzen würde. Die Überlegung ob der andere auch bereits unterwegs ist etc., sollte auch mit einbezogen werden. Da können 2h schon zu spät sein.

  3. Annubis | 14.06.2010 13:03

    also im geschäftlichen ist es immernoch ein absolutes nogo wenn man verspätet ankommt – das hinterlässt immer ein ziemlich schlechten eindruck (ausser es war ein unabsichtes verspäten wegen zug/öv oä)

    ich persönlich finde leute die dauernd unpünktlich sind total mühsam. wenn man auf nen bestimmten zeitpunkt abgemacht hat – dann hat man genau dann dort zu sein. ich finde es aber ok wenn man bis so spätestens 2h vorm treffen absagt/verschiebt. aber die berühmten 15min verspätung und so – finde ich sehr primitiv

  4. Christina Schmid | 14.06.2010 10:13

    @thomasd da hast du recht. aber wenn wir mal von einem tweetup ausgehen ist es immer so, dass sich leute anmelden und dann nicht erscheinen. übel nimmt ihnen das aber niemand. weils halt ist wie es ist. 😉

  5. ThomasD | 14.06.2010 09:53

    Das ist leider der Lauf der Zeit… Aber auch trotz Gadgets und Web2.0 und allem, eine gewisse verbindlichkeit istimmer noch da. Ich zumindest versuche pünktlich zu Abmachungen zu erscheinen.

    Wenn eine Verabredung nicht beim ersten Versuch klappt, liegt das auch meist nicht an fehlender Verbindlichkeit, sondern an zwei jeweils sehr vollen Agendas. Aber nichts desto trotz, auch dann kann es im ersten Anlauf funktionieren. Sonst wäre ich gestern nicht auf dem Üetliberg gewesen 😀

  6. Dani | 14.06.2010 09:25

    Dem stimme ich voll zu!
    Schaade, aber leider gehört es zum Laufe der Zeit.

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