Folgt auf Facebook Diaspora?

Schon anfangs dieser Woche habe ich darüber berichtet, dass Facebook wohl von einer grossen Löschwelle befallen werden wird. Ein guter Zeitpunkt also, um etwas Neues zu starten. Und diese Chance haben vier New Yorker Studenten genutzt.

Sie haben über die Crowd-Funding-Site „Kickstarter“ Geld gesammelt, um Usern eine Alternative zu Facebook zu bieten. Dem Projekt mit Namen „Diaspora“ haben bis am Dienstagmittag schon über 5000 Personen ihre Unterstützung zugesagt.

Die vier Jünglinge sind überwältigt und wollen erstmal warten, bis sich der Sturm gelegt hat. Auch Programmierer, Designer und Rechtsanwälte, die mithelfen wollen, die neue Plattform zu entwickeln, hätten sich zuhauf gemeldet. Diaspora soll im Sommer entwickelt werden und ab Herbst zugänglich sein.

Das Diaspora-Team ging erst Ende April online, um 10’000 Dollar zu sammeln. So das Ziel – vorerst. Denn mehr als das 15-fache kam zusammen (aktuell 172’000 Dollar). Dezentralisierung der Information und eine Infrastruktur, die von den Usern selbst weiterentwickelt werden kann, sind die wichtigsten Anliegen von Diaspora. Dieses Netzwerk-Modell soll den Usern die Kontrolle über die Daten zurückgeben, die sie zwar mit ihren Friends, aber nicht mit dem Betreiber teilen wollen. Besondere Ironie: Auf Facebook gibt es schon erste Gruppen, die zum Wechsel auf Diaspora aufrufen.

Ein spannendes Projekt. Doch eines dürfen wir nicht vergessen. 172’000 Dollar und ein Sommer Arbeit sind keine Erfolgsgarantie. Was es braucht ist Geduld. Facebook bietet so viel und viele denken bestimmt, jetzt ist es eh schon zu spät. Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Projekt im Herbst (noch) nicht online gehen wird…

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10 Kommentare

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  1. Sascha Krähenbühl | 30.08.2010 13:03

    Am 15. September geht das Projekt online.

  2. Oliver | 27.08.2010 11:15

    Aber Wettbewerb ist immer gut

  3. Wolfgang Neuhaus | 23.05.2010 10:13

    Ob ein Peer-To-Peer-System facebook oder andere Community-Systeme verdrängen wird, ist für mich eine zweitrangige Frage. Wichtig ist mir, dass ich mit den 50 bis 100 Kontakten, die ich in der Lage bin zu handeln in einem Rahmen agiere, der vertrauenswürdig ist und ich sicher bin, dass meine Daten in diesem Kontext nicht zweckentfremdet werden. Dafür bietet mir facebook keine Garantie, weil der Verkauf unserer Daten bei facebook offensichtlich zum Geschäftsmodell gehört.

  4. Thomas Hutter | 23.05.2010 08:40

    Jegliche Alternative zu Facebook wird es schwierig haben – Facebook ist so verbreitet, dass eine Aufholjagd mehr oder weniger unmöglich ist. Von den „Löschbereiten“ ist in den Statistiken nichts zu bemerken – auf der Seite von QuitFacebookDay.com haben sich bis jetzt rund 13’240 Löschwillige eingefunden – wenn ich richtig rechne, entspricht dies 0.003% der FB-Gemeinde.
    Interessant ist, dass in den Holz-Medien Facebook für fast alles als Sündenbock hinhalten muss – bei Facebook stelle ich als Benutzer die Daten ein, die ich freigeben möchte – Google lässt mir dagegen keine Wahl …

  5. Wolfgang Neuhaus | 21.05.2010 20:49

    @Krani
    Du schreibst: „Aber das würde ja eigentlich auf einen Konflikt mit der Ideologie hinter diesem Projekt hinauslaufen, oder?“
    Das sehe ich gar nicht so. Ich denke das wesentlich neue an Diaspora gegenüber herkömmlichen Community-Systemen wie facebook undCo ist die Dezentralisierung. Da spricht eigentlich nichts dagegen, dass sich jeder User seinen Provider aussucht. Er kann ihn ja auch jederzeit wechseln, wenn er schlechte Erfahrungen mit einem Hosting-Service macht. Wenn man bei Facebook aussteigt verliert man gleich auch seine ganzen dort gepflegten Kontakte, wenn ich mit meinen Diaspora-Daten nur den Provider wechsele, kann ich meine Kontakte komplett mitnehmen (so interpretiere ich jedenfalls ihr Konzept der „Freedom Box“). Natürlich vorausgesetzt, die Jungs schaffen es, das Projekt professionell umzusetzen. Ich finde, bis zum Jahresende sollten wir Ihnen schon Zeit geben, etwas vernünftiges auf die Beine zu stellen …

  6. Cookie | 21.05.2010 10:25

    Kann mir kaum vorstellen, dass die Entwicklung und Erstellung bis Herbst fertig sein wird. Bin gespannt, sehr spannendes Thema.

  7. Krani | 20.05.2010 22:22

    Ich begrüße das Vorhaben sehr und hoffe auf einen Erfolg!

    Das Problem, das ich jedoch sehe ist, dass die wenigsten ihren eigenen Server aufsetzen werden, um sich dem Netzwerk anzuschließen. Es werden also Betreiber gebraucht, die das für die Benutzer übernehmen. Im großen Stil kann das nur von kommerziellen Betreibern übernommen werden. Aber das würde ja eigentlich auf einen Konflikt mit der Ideologie hinter diesem Projekt hinauslaufen, oder?

    Naja ich bin gespannt was die Jungs sich einfallen lassen…

  8. Wolfgang Neuhaus | 20.05.2010 20:19

    Eine sichere und demokratische Alternative zu den ganzen zentralistisch organisierten Community-Portalen ist einfach überfällig. Eine Peer-To-Peer Lösung ist technisch gesehen die einzig vernünftige Variante. Wenn diese auch noch so nutzerfreundlich bereitgestellt wird wie heute Twitter oder facebook, dann wäre das genau das, was derzeit weltweit gefragt ist. In der Facebook-Gruppe „Facebook User emigrieren zu Diaspora“ begleiten wir die Entwicklung von Diaspora kritisch, in der Hoffnung gegen Ende des Jahres umsteigen zu können und tauschen auch KnowHow über mögliche Alternativen aus. Interessierte können hier dazu stoßen: http://www.facebook.com/#!/group.php?gid=113065042068230

  9. antoine | 20.05.2010 13:30

    Facebook ist zu einem Politikum geworden. Entscheidend für die Zukunft von Facebook sind nicht nur die User, sondern die politischen Behörden.
    Zu Facebook gibt es viele sichere Alternativen, die im Entstehen begriffen sind.
    Das erste Applikation, die sicher ist und die gleiche Funktionalität, wie Facebook bietet, wird auch von staatlicher Seite her gefördert werden.
    Nicht nur mit Geld, sondern auch mit Empfehlungen und die Verwendung in Bildungseinrichtungen.
    Ob Diaspora oder ein andere Applikation das Rennen macht, ist heute noch offen. Sicher ist, dass die erste brauchbare Alternative den Durchbruch schaffen wird und Facebook arg in Bedrängnis bringen wird.

  10. Falk Ebert | 20.05.2010 11:03

    Große Löschwelle? Wo sind die Zahlen, die das auch nur im geringsten andeuten?

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