Social Media Newsroom: Pressemitteilung 1.0 ade?

Yves Moret, 30.04.2010 3 Kommentare

Noch haben die wenigsten Unternehmungen in der Schweiz einen. Noch. Denn bald wird der Social Media Newsroom den klassischen News- und Pressebereich auf den Firmen-Websites ablösen. Hoffentlich.

Journalisten filtern und selektionieren täglich aus einem schier endlosen Fluss an Informationen. Ihre ureigenste Aufgabe: für die Rezipienten die Infos aufzubereiten und nach deren Relevanz zu gewichten. Bis anhin hat der Journi entschieden, welche Kriterien ein Ereignis erfüllen muss, damit es zur Nachricht wird. Der Distributionsweg war klar: Die Informationen fliessen unilateral oft vom PR-Verantwortlichen einer Unternehmung zum Journalisten, der sie dann im Idealfall weiter verbreitet. So war es bis anhin.

Und auch so gut wie alle Medienbereiche auf den Websites von renommierten Unternehmen präsentieren sich meist noch immer klassisch: Pressemitteilung-Archiv. Bilddatenbank. Vielleicht noch ein paar Image-Filmchen. So war es bis anhin.

Realität 2.0
Die Zeiten, in denen sich die Medienkonsumenten nur noch über klassische Medienkanäle informieren, sind vorbei. Aber so richtig. Und: der sich in der Realität 2.0 bewegende Rezipient akzeptiert kaum noch das Rollenselbstverständnis des Journalisten in seiner „Gatekeeper-Funktion“. Die neue Medienwelt ist interaktiv und kollaborativ. Der Informationsfluss wird multilateral. Die User erschliessen sich die Informationen heutzutage selbständig beispielsweise über Suchmaschinen. Die so genannten nutzergenerierten Inhalte von Bloggern, Fotografen und Co. haben extrem an Gewicht dazu gewonnen. Zudem sorgen diese vernetzten Inhalte für eine rapide Verbreitung ausserhalb der journalistischen Mainstream-Medien. Dementsprechend ist es nun dringend an der Zeit, auf diese Entwicklungen zu reagieren. Der Social Media Newsroom ist das Wort der Stunde.

Multi Media und Social Media
Erfunden wurde der Social Media Newsroom vom Amerikaner Todd Defren. Er ist PR-Berater bei Shift-Communications. Defren beschreibt die aktuellen Veränderungen wie folgt:
„Bevor es das Internet gab, hatten PR-Verantwortliche 50 Medienkontakte, die sie regelmässig mit journalistisch aufbereiteten Informationen versorgten. Seit Social Media und Web 2.0 müssen PR-Verantwortliche zusätzlich eine direkte Beziehung zu den Medienkonsumenten aufbauen und sie mit Informationen ansprechen, weil diese jetzt selbst mediale Inhalte herstellen und publizieren“.

Wie wahr. Wie wahr. Doch welche Faktoren kennzeichnen denn nun einen Social Media Newsroom?
Also: Ein Social Media Newsroom richtet sich nicht nur an Journalisten. Er ist offen für alle. Die Informationen stehen folglich allen Multiplikatoren zur freien Verfügung. Sperrfristen von internen Meldungen gehören der Vergangenheit an. Die Ansprechpartner der Unternehmung sind leicht und jederzeit unkompliziert erreichbar. Will heissen: per E-Mail, Facebook, Twitter, Telefon oder Skype. Als Plattformen werden im Social Media Newsroom grundsätzlich Weblogs, Podcasts, Twitter, Facebook, LinkedIn, Xing, Flickr, Youtube, Scribd oder Slideshare benutzt.

Auch die Medienmitteilung 2.0 ist nicht mehr nach journalistischen Kriterien verfasst. Zwar bleiben Merkmale wie Titel oder Lead bestehen. Der Text aber setzt sich aus reduzierten und knappen Fakten zusammen. Analog dazu werden dem User Bilder, Audio-Dateien, Videos, PowerPoint-Präsis oder Info-Grafiken zur Verfügung gestellt. Zudem sollte eine so genannte Tag-Cloud die Stickwortsuche im Social Media Newsroom vereinfachen. Trotzdem sollte an dieser Stelle unbedingt festgehalten werden, dass die Pressemitteilung 2.0 die Pressemitteilung 1.0 keinesfalls ersetzen, sondern künftig lediglich ergänzen sollte. (vgl: www.krusenstern.ch)

Ein musterhaftes und nachahmungswürdiges Beispiel ist zudem der Media News Room der Website www.maiak.info. Noch sind die Social Media Newsrooms von Schweizer Unternehmungen an einer Hand abzählbar. Noch. Wie viel Zeit effektiv ins Land streichen wird, bis die Kommunikationsabteilungen hierzulande von 1.0 auf 2.0 umgedacht haben, wird sich zeigen.

Und was glaubt ihr, wird sich der Social Media Newsroom auch in der Schweiz durchsetzen? Und macht er aus Eurer Sicht auch Sinn?

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3 Kommentare

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  1. Patrick | 5.05.2010 16:33

    Mit Verlaub, aber die meisten Firmen – insbesondere im KMU-Bereich – wissen noch nicht mal wie man Social Media buchstabiert, geschweige denn CMS, SEO etc.
    Das Problem der Zukunft – bei all diesen wunderbaren und selbstgenerierten Inhalten – wird sein, qualitativ hochstehende Informationen mit Echtheitsgarantie zu erhalten. Mittlerweile winken aber auch gestandene Medien wie die NZZ Agenturmeldungen ungefiltert durch, wenn diese der Effekthascherei und Quoten nützen (von 20min & co. gar nicht zu sprechen). Eine gefährliche Entwicklung für die öffentliche Meinungsbildung, besonders wenn dann noch Krethi und Plethi ihren Senf im Netz ungefiltert loswerden wollen.

  2. Mario Grobholz, myON-ID Media GmbH | 1.05.2010 16:55

    Der Social Media Newsroom wird sich bei Unternehmen, jeder Größe in absehbarer Zeit durchsetzen. Sehr viele Unternehmen sind gerade dabei bzw. haben die ersten Schritte bereits unternommen, das Social Web als neues Instrument für das Marketing, den Kundenservice, aber natürlich auch für die Unternehmenskommunikation und Pressearbeit zu verstehen.

    Hier stehen aktuell sehr viele Projekte an, bei denen es darum geht die bestehenden Internetaktivitäten und damit auch die eigene Unternehmenswebseite mit dem Social Web „zu verbinden“. Dafür ist ein professioneller Social Media Newsroom ideal geeignet.

    Als Bindeglied zwischen Unternehmen und Social Web spielt der Newsroom seine Vorteile vor allem durch die Aggregation der bestehenden Inhalte aus. Mehr dazu habe ich jüngst in einem Blogpost geschrieben („Der Social Media Newsroom. Bindeglied zwischen dem Unternehmensauftritt und dem Social Web.“, http://blog.myonid.de/2010/04/der-social-media-newsroom-bindeglied-zwischen-dem-unternehmensauftritt-und-dem-social-web).

  3. Jürg Vollmer | 30.04.2010 14:34

    Der Social Media Newsroom wird sich in den deutschsprachigen Ländern genau so etablieren, wie er es in den USA schon ist.

    Bei den hiesigen Journalisten hat er aber immer noch Exoten-Status. Als Betreiber eines Social Media Newsroom muss man zwischendurch immer wieder stehen bleiben und zurückschauen, ob die (anderen) Journalisten auch mitkommen.

    Wenn mich dann die Kollegen fragen, ob „dieses ganze Internet-Zeugs“ denn wirklich nötig sei, antwortete ich jeweils mit einem Zitat von Peter Horrocks, Chef von BBC Global News: „I’m afraid you’re not doing your job if you can’t do those things. It’s not discretionary.“

    By the way:

    Wenn Ihr mal eine Zusammenfassung unserer ersten Erfahrungen wollt, E-Mail oder Tweet oder Facebook-Meldung genügt…

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