Der Web 2.0 Rockstar – Trent Reznor

Wie kein anderer beweist Trent Reznor, Mastermind hinter Nine Inch Nails, dass man auch als Musiker auch in Zeiten des kostenlosen Filesharings Geld verdienen kann. Und wie man die Mechanismen des Web 2.0 als perfekte Marketing Plattform nutzt. Ein Musterbeispiel.

Er war der erste Rockstar, der einen Webbyaward, den Oscar des Internets verliehen bekam. 2008 war er ganz vorne mit dabei und veröffentlichte ein Album online zum kostenlosen Download. Binnen sechs Wochen würde „The Slip“ 1,4 Millionen mal heruntergeladen. Doch wie verdient der gute Mann Geld? Und deckt die Kosten für den online Service?
Nun, Reznor ist zwar kein Digital Native, aber ein Webfreak und weiss wie man die digitale Welt nutzt. „Mir ist es lieber, wenn zehn Millionen mein Album umsonst herunterladen als 500,000 das Album für 15 Dollar kaufen. Ich will, dass so viele Leute wie möglich meine Musik hören“. Daher gab es eine Limited Edition von „The Slip“ als CD, 250,000 Stück, nummeriert und für 10 Dollar zu kaufen. Da er das Album komplett selbst im eigenen Studio innerhalb von drei Wochen produziert hatte, waren 2,5 Mio Dollar genug an CD Verkäufen.
Damit er für die Kostenlosen Donwloads nicht noch draufzahlen muss für Server und Traffic, nutzt er Filesharing Netzwerke, „…eine revolutionäre Vertreibsart, die man nutzen statt bekämpfen sollte.“.

Doch beim Verteilen der kostenlosen Musik hört Reznor nicht auf. Er will das Internet so bedienen, wie es die Nutzer wollen. Seine Website ist nicht eine Promoaktion für Selbstdarsteller, sondern ein ausgewachsenes Social Network. In Foren können sich Fans aus aller Welt austauschen, das eigene Profil lässt sich mit allen erdenklichen anderen Networks und Diensten verbinden, jeder ist herzlich eingeladen seine Bilder und Videos zu NIN hochzuladen, um einen lückenlose Dokumentaion der Band seit 1992 zusammenzufügen.

Reicht das? Trent Reznor noch lange nicht. Auf der Seite können eine ganze Reihe von Songs als Rohmaterial heruntergeladen werden zum Remixen – und jeder kann seinen Remix auch wieder zurückgeben in die Community. Und für Unterwegs, für die immer mehr Mobile Internet nutzende Generation hat NIN auch schon was parat. Eine App für iPhone und iPad, über die man News, Bilder, Videos, Wallpaper, usw bekommt. Und man kann über Geo Location auch sehen wo es in meiner direkten Umgebung Nine Inch Nails Fans gibt, mit Ihnen chatten und gleich für ein reales Treffen verabreden.

Als ich 1992 das erste Album „Pretty Hate Machine“ hörte, war mir klar, dass dort ein Genie am Werk ist. Das der Mann aber so viel verstanden hat konnte ich nicht ahnen. Ganz im Gegensatz zur Musikindustrie. Reznor selbst sagt: „Die Plattenfirmen haben keine Ahnung wie das Internet funktioniert und wie es genutzt wird. Sie können und wollen nicht verstehen, dass Musik heute kostenlos ist. Ob man will oder nicht, die Ära der CD ist Vorbei. Statt Alternativen zu entwickeln, setzen sie die Preise für Tonträger absurd hoch und versuchen, die Treue eingeschworener Fans auszunutzen.“
„Dank des Internets kann man heute alles alleine machen. Die Produktion, das Marketing, den Vertrieb. Wer braucht da noch Plattenfirmen?“

Danke Trent, Du sprichst mir aus der Seele.
Gerne postet weitere Beispiele von Künstlern, die es wirklich geschnallt haben.

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1 Kommentar

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  1. Patrick Matsumura | 29.04.2010 17:00

    Man könnte dieser „Technik“ einen schönen Namen verpassen: OpenSourceAudio 🙂

    Was uns Trent vormacht, lässt sich auch auf viele andere Märkte anwenden. Bin ich bspw. Webdesigner, dann könnte ich mein Wissen verschenken. Bin ich Blogger, kann ich meine Erfahrung verschenken. Bin ich Programmierer, kann ich meine Tools verschenken, usw.

    Ihr macht es als INM doch vor: ihr verschenkt mit diesem Blog „Insiderwissen“. Das ändert aber sicherlich nichts an eurer Auftragslage. Eher hebt es euren Expertenstatus nach oben und positioniert euch im Segment „Denen-kann-man-es-wohl-glauben“ und verschafft euch sogar mehr.

    Viele Firmen haben es aber noch nicht „geschnallt“ und glauben, dass man mit guten Suchmaschinenrankings automatisch auch gute Kunden gewinnt. Das stimmt nur teilweise. Es gehört dazu, ist aber noch lange nicht alles. Da man von seinen Kunden etwas will (Geld), sollte man dem Kunden auch etwas zurückgeben (Leistung, Produkt, Freude usw.). Kann man schon vorab etwas geben, dann ist der Kunde umso „bereiter“ seinen Teil zu erfüllen.

    Mein Fazit: Glückliche Kunden müssen nicht zwangsweise immer zahlende Kunden sein. 😉

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