Green IT – Mehr als nur ein Modewort?

Green ITWas gibt es umweltfreundlicheres als das Herunterladen einer elektronischen Zeitung? Keine abgerodeten Wälder, keine Abgase, kein Abfall…
Doch der Schein trügt: Der Download eines E-Papers verbraucht in etwa gleich viel Strom, wie ein einzelner Waschmaschinen-
gang, eine einzige Suchanfrage bei Google ebenso viel wie eine 11-Watt-Energiesparlampe in einer einzigen Stunde. Ein kleiner Server entwickelt rund eine Tonne CO2 und das gesamte Internet soll gar so viel Kohlendioxid in die Luft puffen wie der weltweite Flugverkehr.

Ist unsere Lieblings-Technologie am Ende der schlimmere Umweltverschmutzer als alle Off-Roader zusammen?
Wie viel Energie das Internet tatsächlich schluckt, lässt sich nur schwer in Zahlen ausdrücken. So lässt sich zum einen der Stromverbrauch von privaten Computern kaum messen und die richtig grossen Betreiber stellen ihre Stromrechnungen nicht online. Zum andern, spart das Internet ja auch eine Menge Energie ein. Man stelle sich nur mal vor, wie Video-Konferenzen Reisen ersetzten, eine E-Mail die Herstellung von Papier und Tinte erübrigt oder die Informations-Fülle im Netz eine Autofahrt zur Quelle überflüssig macht.
Fest steht, dass der Energiebedarf ständig wächst. So hat sich zwischen 2000 und 2005 der Stromhunger des WWW verdoppelt.

Über 40% der europäischen Unternehmen sehen Verbesserungspotential im Grünen-Bereich
Der Speichernetz-Spezialist Brodcade hat kürzlich in einer Untersuchung aufgezeigt, dass über 40% der europäischen Unternehmen ihren Betrieb nicht wirklich als „Green“ einstufen und trotzdem kaum bemüht sind, diesen Umstand zu verbessern. Und dies obwohl 60% der Befragten der Meinung sind, dass die Ausgaben für Energie viel zu hoch sind. Zwei Drittel der europäischen Unternehmen sind bereits auf der Suche nach Möglichkeiten, den Energieverbrauch zu senken. Ein Drittel bleibt weiterhin inaktiv. Nur 38% aller Befragten gaben an, dass sie über den derzeitigen Energieverbrauch und die Umweltbelastung durch Kohlendioxid und weitere Treibhausgase besorgt sind. Und weniger als ein Fünftel denken aktiv über die Anschaffung von umweltfreundlicheren IT-Produkten nach. Immerhin mehr als 75% der Befragten gaben an, dass sie im Büro ebenso bemüht sind Energie einzusparen, wie Zuhause.

Mit gutem Beispiel voran
Schön vorbildlich präsentiert sich das neue Rechenzentrum des TV-Kabelanbieters GBI-Solution im zürcherischen Uitikon. Sämtliche Daten des Unternehmens lagern in einem ehemaligen Militärbunker, mehrere Meter unter der Erde. Die Abwärme der Server wird in das nahegelegene Hallenbad überführt und sorgt dort für angenehme Wasser- temperaturen.
Auch Chiphersteller entwickeln zunehmend stromsparende Prozessoren, Rechner werden intelligenter gekühlt und durch die Virtualisierung werden einzelne Server vermehrt durch einen Grossrechner ersetzt, der die Kapazität auf genau die virtuelle Maschine verteilt, die sie gerade braucht.

Wird das Internet also zunehmend grün? Und welchen Beitrag kann der Normalverbraucher leisten?

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10 Kommentare

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  1. Daniel Fuhrmannek | 21.07.2008 10:56

    Aus meiner Sich ist Green-IT nicht nur ein Hype.

    Wichtig ist, dass nicht nur die Verbraucher, sondern vor allem die Industrie erkennt, dass Strom sparende Technologien eine Investition in die Zukunft sind. Wer weniger Energie verschwendet spart langfristig Geld. Schon alleine aus diesem Ansatz heraus wird sich umweltfreundliche Technik immer mehr durchsetzen.

  2. Alessandra Klose | 17.07.2008 11:10

    Ich freue mich über die vielen Kommentare und Meinungen zum Thema. Es scheint, als hätte die grüne Welle ihre Spuren hinterlassen. Und sei es nun ein Hype, eine Verlagerung oder tatsächlich der Beginn einer neuen Bewegung, entscheidend ist, dass die Menschen sich mit dem Thema auseinander setzen!

    Und hier noch zwei „grüne“ Tipps von mir:

    Wer als Normalverbraucher etwas Gutes für die Umwelt tun möchte, kann seine nächste Web-Suche beispielsweise über die erste grüne Suchmaschine http://www.ecocho.com starten. Der Grossteil der erwirtschafteten Einnahmen wird nämlich in den Kauf von Emissionszertifikaten der offiziellen australischen CO2-Ausgleichsbehörde „Greenhouse Gas Abatement Scheme“ (GGAS) investiert, welche dann im Zuge eines speziellen CO2-Ausgleichsprogramms pro 1’000 Suchanfragen zwei Bäume pflanzt, die zur Reduktion der Treibhausgase beitragen sollen. Das Portal setzt auf die bewährte Technik von Google und Yahoo und soll folglich ähnlich zuverlässige Ergebnisse liefern.

    Für alle Unternehmer führt sieber&partners aktuell eine Studie zur Wahrnehmung und Umsetzung von «Green IT» in Schweizer Unternehmen durch. Ziel der Studie ist es, herausfinden, wo Schweizer Unternehmen betreffend Green IT stehen und wohin sie streben. Analysiert werden dazu die verschiedensten Massnahmen und deren erfolgreiche Umsetzung. Als kleines Dankeschön erhalten die an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen die Studienresultate kostenlos zugestellt. Den Link zur Studie findet man unter: http://www.sieberpartners.ch

  3. Elisabetta | 16.07.2008 23:13

    Das Problem scheint sich also nur zu verlagern. Ehrlich gesagt sehe ich in nächster Zeit kein Vorankommen in eine grünere Zukunft in der virtuellen Welt. Wie auch, heutzutage spart man generell soviel Zeit und Kosten mit der IT dass wohl kein Unternehmen nur im geringsten daran interessiert ist etwas dagegen zu unternehmen. Das Motto unserer Wirtschaft ist doch: noch schneller, noch mehr und VORALLEM noch günstiger zu Geschäften. Den Gebrauch im Privaten Rahmen kann man vorallem grüner gestalten in dem man nach jeder Session mal den PC vom Strom nimmt bzw. die Stromleiste off switched. – Wie im Übrigen alle anderen elektronischen Geräte auch…Und sich nach diesen Erkenntnissen zum obigen Thema mal überlegt ob sich jede Suchanfrage die man startet wirklich lohnt. Kenne zu viele Leute die nach allem möglichen Sachen/Personen stalken (nachstellen)…

  4. Urs | 15.07.2008 14:42

    Green ist hype, also sprechen jetzt alle von Green-IT. Wirklich spannend wird’s wenn in einigen Jahren die ersten Auswertungen aus der Prxis bekannt werden. Ob sich dann allerdings noch jemand dafür interessiert ist ein anderes Thema.
    Ein interessanter Beitrag war vor einiger Zeit mal, wenn Google den Hintergrund von weiss auf schwarz ändern würde. Dies würde im Jahr 750 Megawattstunden Strom sparen….
    Quelle: http://fudder.de/artikel/2007/08/29/schwarz-googeln-und-strom-sparen/

  5. Sam | 15.07.2008 11:43

    Ich bin für grün, absolut. Aber sinnvoll. Stromsparen beim Heim-PC bringt nur im Sommer was – im Winter will man ja eben genau Wärme in der Wohnung, da ist der PC kein ineffizientes Heizsystem. Gilt zumindest für Wohnungen, die mit Öl oder Gas geheizt werden – in Minergiebauten mag das wieder anders sein.

  6. Claudio | 15.07.2008 08:25

    @Rick: Wenn eine einzige Suchabfrage bei Google den Stromverbrauch einer Lampe hat, wenn sie eine Stunde brennt, sollte man die IT- und vor allem Internet-Branche nicht erst zu einem späten Zeitpunkt berücksichtigen. Es werden nämlich sehr viele Suchabfragen gestartet.

    Allgemein bei der Elektronik sollte wohl der Grundsatz gelten, dass man sie so viel wie nötig und so wenig wie möglich einsetzt. Bevor man einen neuen Computer kauft wäre es wahrscheinlich nicht nur vom ökologischen, sondern auch vom ökonomischen Aspekt her gesehen gut, wenn man den bestehenden Computer so lange wie möglich nutzt, auch wenn die neue Version des Betriebssystems doch so viel schönere Farben hat oder tolle Animationen Grafikkarten-Saft benötigen…

    Dass die Hersteller die Daten über die Produktion offenlegen wäre ein guter Schritt, aber kaum zu realisieren. Wie viel Energie hat denn der Computer zur Herstellung gebraucht, den der Nachbar zusammengebastelt hat? Wie viel Energie hat der Flug von China nach Europa gebraucht? Und dann noch der Transport vom Flughafen nach Hause?

  7. Rick | 15.07.2008 07:55

    @Hugo: Das ist so, wobei der Betrieb mit Benzin auch nichts ändern würde. Wenn ich so schaue, was für Autos auf der Strasse unterwegs sind, muss ich sagen, dass der Benzinpreis noch immer viel zu tief ist.Bei den Autos ist es das gleiche, wie bei der Elektronik. Auch hier wird viel Leistung gekauft, die schlussendlich doch niemand braucht.
    Anderes Beispiel ist der Hype um das IPhone. Wieviel von den Käufern, die Stundenlang angestanden sind brauchen nur die Hälfte der Funktionen, die das Telefon bietet? Und wenn man mal 4 Stunden damit im Web gesurft ist, muss es wieder an die Steckdose.

  8. Hugo | 14.07.2008 18:11

    Der Grund, weshalb es keinen Mensch interessiert, wie viel Strom sein Computer oder gar die Herstellung desselben verschlungen hat liegt da, dass die KWh (Kilo Watt Stunde) viel zu günstig ist.
    Würden Kühlschränke, PCs oder Handies mit Benzin betrieben sähe das ganz anders aus. Und solange sich an dem Strompreis nichts ändert, wird das auch so bleiben.

  9. Rick | 14.07.2008 15:31

    Es wird höchste Zeit, dass sich auch die IT-Branche Gedanken über den Umweltschutz macht und auch umsetzt. Ich denke im Serverbereich ist das Umweltbewusstsein eher geschärft als beim Anwender zu Hause. Was sicherlich vieles ausmacht ist der Umstand, dass viele Heimanwender stehts die neuesten PC’s brauchen um im Internet rumzusurfen oder ihre Briefe zu schreiben. Dies ist auf einem alten Pentium Rechner genau so gut möglich, wie auf einem stromfressenden QuadProzessor. Der Unterschied im Verbrauch wird frappant sein.
    Was beim Umweltschutz aber gerne vergessen geht, weil es nicht den eigenen Geldbeutel betrift, ist die Tatsache, dass die meisten Umweltimmissionen bei der Herstellung und auf dem Weg zum Kunden entstehen. Desgleichen dann wieder bei der Entsorgung. Ich schätze mal, dass ein Computer bei der Herstellung mehr Energie benötigt, als später in seiner aktiven „Lebensphase“.

  10. Tom | 14.07.2008 15:09

    Ich finde es gut, dass das Internet immer grüner wird. Doch der Hebel muss zuerst bei anderen Dingen angesetzt werden. Was da sonst alles in die Luft gelassen wird ist sicher um ein x-Faches schädlicher als der Stromverbrauch vom Internet.

    Bei den Herstellern liegt sicher ein grosses Potential. Die können bestimmt Geräte herstellen, die weniger Strom sparen.

    Und der Normalverbraucher? Sicher. Stromleiste mit Schalter, damit nichts mehr im Standby-Modus ist oder anstelle von einem Home Entertainment System ein Mac Mini anschaffen. 😉 Andere Vorschläge?

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