Die Social Media Diät

Kaum klingelt der Wecker, werfe ich einen kurzen Blick auf Facebook. Es könnte über Nacht ja etwas Spannendes passiert sein. Auf dem Weg zur Arbeit checke ich alle zwei Minuten meine Mails, ohne die Augen von Twitter zu lassen. So zieht sich das den ganzen Tag durch, bis abends spät kurz vor dem Einschlafen noch ein letzter Tweet in die Nacht hinausgeht.

Kommt dir das bekannt vor? Fakt ist: Wir konsumieren zu viele Informationen aus zu vielen verschiedenen Medien. Überall sind sie, diese bösen Informationen – und wollen verarbeitet werden. Kann man von zu viel Medienkonsum geistig dick werden?

Erst wenn einem alles über den Kopf wächst oder die Waage zu viel anzeigt, unternimmt man etwas. Meist radikal. Doch die Abstinenz für einen bestimmten Zeitraum bringt auf die Dauer nichts. Zu schnell ist man wieder drin und kommt nicht mehr weg.

Mal kurz bei Twitter reinschauen – ist fast wie ein Riegel Schokolade zwischendurch. Beides dehnt sich nämlich aus. Noch viel schlimmer wird es dann, wenn man sagt: „So, ich surfe jetzt mal ein bisschen“. Denn wir wissen ganz genau, ein bisschen geht nicht. Meist hängt man dann eine Stunde fest. Ist wie mit einer Tüte Chips. Einmal angefangen, muss sie geleert werden.

Wer beruflich viel mit dem Web zu tun hat, muss sich in beiden Welten, der digitalen und der realen, behaupten. Der Tag hat nur 24 Stunden. Verbringt man einen grossen Teil dieser Stunden online, bleibt am Ende keine Zeit mehr für einen selbst.

Wenn man zu schwer wird, sollte man weniger essen und sich sportlich betätigen – doch wenn die Zeit für das reale Leben aufgrund von Online-Aktivitäten zu knapp wird, muss man dafür sorgen, den Social Media Konsum zu optimieren.

Ich behaupte: Mit einem Diätplan kann man sein Essverhalten kontrollieren – mit einem Nutzungsplan kann man den Social Media Überkonsum in den Griff bekommen.

Doch wie könnte so ein Social Media Diät-Plan aussehen?

Ist es zwischendurch nicht einmal schön zu wissen, dass iPhone und Computer ausgeschaltet sind und man sich einfach den schönen Dingen in der echten Welt widmen kann?

Weiterempfehlen

image description

Kommentieren

10 Kommentare

image description
  1. blogstone | 17.03.2010 17:01

    Sehr schöner Beitrag, genau das Problem habe ich auch. Allerdings bekomme ich momentan laufend neue Schokolade. Sollte ich vielleicht noch mehr Zeit in der Social Media Welt verbringen?

  2. LD | 16.03.2010 23:06

    Zu Facebook habe ich übrigens erst letzthin ein kleines Experiment durchgeführt. Meine Ergebnisse und Erkenntnisse habe ich im Beitrag „Das Facebook-Experiment“ dokumentiert. Jedes soziale Netzwerk ist letztendlich nur ein Spiegel unserer Gesellschaft …

  3. Talia | 16.03.2010 12:16

    Ein kluger Kopf hat mal gesagt, man soll erst mal schreiben, bevor man liest. Wer schreibt, bleibt bei sich selbst und setzt sich aus seiner Perspektive, mit seiner Persönlichkeit und mit seinem Talent mit der Welt um ihn herum auseinander.

    Social Media ist meiner Meinung nach Massenverblödung.

    Was kann man aus 140 Zeichen Text schon lernen? Hätte Napoleon Bonaparte morgens erst mal seinen Twitter Account gecheckt? Hätte Einstein sich von „heute geht’s in die DomRep“-Statusmeldungen auf Facebook zur Relativitätstheorie inspirieren lassen?

    Wie verständlich und doch schade ist es doch, dass die Leute, die wirklich Interessantes zu berichten hätten, eben NICHT in Social Media Plattformen auftauchen.

    Ich bin für mehr Qualität. Cut the crap.

  4. Feuerspucker | 16.03.2010 09:25

    Super Beitrag der das Problem genau tifft. Ich persönlich habe wir einfach verboten mehr als ca. 1 Stunde am Tag die „Neuen Medien“ zu nutzen. Kostet einfach zuviel Zeit und bringt meist nichts. Morgens 30 Min. und abends 30 Min muss reichen.

  5. Sarah | 15.03.2010 16:38

    Hi ich habe angefangen die menschen die mich in den Netzwerken kontaktieren können auf realaktive zulimitieren, das heisst nur wer mich auch im echten leben ftrifft und wen es auch dort interesiert habe ich in meinen kontakten. So halte ich die Sozialmedia wirklich so schlank das es als Ergänzung zu alten medien wie Telefon und Brief ist. Somit halte ich einfach durch weitere Medien Kontakt zu den Menschen die mir wichtig sind.

  6. Chris W. | 12.03.2010 09:49

    Also ich würde zuerstmal genau schauen, was Diät überhaupt bedeutet. Es kommt, glaube ich, aus dem griechischen und hat etwas mit der Lebensart zu tun. Es ist also falsch zu denken, dass Diät sich nur auf das Essen bezieht.

    Anyway. Ich hab meinen Social-Media-Lebenswandel vollzogen, da ich viel zu viel Zeit in einem ganz bestimmten Netzwerk verbracht habe. Man sollte einfach mal das iPhone weglegen, bzw. ausschalten und sich einen gemütlichen Abend zu Zweit gönnen oder mit Freunden weggehen.

    Wenn man sich dann mal mit einem anderen Social-Media-Mensch trifft, dann kann man ja treffen und soziale Medien verbinden und das kann recht lustig werden 🙂

  7. LD | 11.03.2010 22:08

    Wer sich von Social Media und der Onlinewelt abhängig macht, macht sich selber zur Manipuliermasse dieser Medien. Fremd- oder Selbstbestimmtheit? Opfer oder Täter? Jeder muss selber wissen, von wem oder was er sich knechten und versklaven lassen will. Ich werde manchmal das Gefühl nicht los, dass ein Grossteil der Menschen zu Selbstversklavung und Masochismus neigt.

    Klar, ist die Onlinewelt schon lange – online sind bereits 5 Jahre eine Ewigkeit – fester Bestandteil der realen Welt. Und auch in ihr kann man quasi-anonym, d.h. ohne einen echten zwischenmenschlichen Kontakt leben, obwohl man sich ständig in und mit der Masse bewegt. Die Onlinewelt ist lediglich eine „Verlängerung“ der realen Welt. Wer es im real life nicht schafft, echte Freunde zu finden, dem wird es auch online nicht anders ergehen. Informationen nur zu konsumieren und nicht von Mensch auszutauschen, ist wie Zeitung zu lesen und in die Glotze zu starren. Wir ändern unsere Lebensgewohnheiten wegen einer neuen Technologie nicht grundsätzlich, wir benutzen nur andere Mittel und Werkzeuge.

  8. Pascal | 11.03.2010 16:12

    Ich warte auf die App, welche genau weiss was ich im Moment wirklich wissen muss und den Rest aus Facebook/Twitter/eMail und Co. raus filtert. Mein Problem sind die Infos die ich nicht wirklich brauche. Ich glaube da ist irgendwer schon dran?

  9. marcel bernet | 11.03.2010 12:05

    Seit ich mehr Social Media konsumiere, esse ich weniger Schoggi (-: Du hast total recht – Menschen lieben Reize. Dauernd haben wir irgendein Bedürfnis, wollen nach etwas greifen. Heute halt eben zum Handy in der Tasche, früher für einen Anruf, jetzt für einen Post. Bald wirds ein eBalance-Programm für Social Media Junkies geben.

    (PS: Bald werden Menschen mehr Zeit auf Social Media als woanders verbringen, wenn das so weiter geht: http://bernetblog.ch/2010/03/10/verweildauer-in-sozialen-netzwerken-steigt-massiv/)

  10. Bianca | 11.03.2010 09:03

    Letzten Endes ist ja auch die online Welt eine reale Welt – zumindest ist sie so mittlerweile für mich geworden. Ich persönlich muss mir auch klar meine Grenzen setzen: Das geschieht damit, dass ich mir für die verschiedenen Netzwerkaktivitäten klare Zeiten setze (wann genau und wieviel), Blogbeiträge lese ich nur, wenn sie in den Themenbereich fallen, der mich interessiert und für mich klar definiert ist. Normalerweise nicht mehr als 15 Stück am Tag (da muss sortiert werden). Private E-Mails werden nur gelesen, wenn Zeit ist auch zu antworten. Und grundsätzlich gilt bei mir: Offline-Treffen gehen vor Online-Treffen. Das heißt: Kein Netzwerk der Welt „darf“ mich davon abhalten mich mit Freunden und Bekannten zu treffen.

Kommentar schreiben

Please copy the string lVETiy to the field below: