Social Media – geht alles zu schnell?

social media - alles zu schnell?Das wir in einer Zeit der Reizüberflutung und immer schneller werdenden Informationskanälen stehen ist wohl für niemanden eine Überraschung. Wer allerdings wie wir Online Marketer ständig den Finger am Puls der Zeit haben muss, der fragt sich schon ob das Tempo noch zu halten ist, in dem neue Ideen und Kanäle aus dem Boden schiessen – und oft genauso schnell wieder verschwinden. Zwei Beispiele:

Zunächst jedoch sei gesagt, es besteht kein Grund zur Panik. Nur weil viele Unternehmer und Marketingleiter nicht so richtig wissen wie sie mit dem Thema Social Media in der Unternehmenskommunikation umgehen sollen, muss man sich keine Sorgen machen, dass das Thema eine reine Blase ist und wieder verschwunden, sobald man grosse Summen des Werbe Etats dort versenkt hat. Kanäle wie Facebook, Youtube, Twitter laufen schon seit Jahren stabil. Und sie werden auch nicht über Nacht abgelöst. Doch bei neuen Ideen sollte man Unterscheidungsvermögen an den Tag legen.


gowalla

Kaum ein halbes ist es her, da sorgte die iPhone App Gowalla für Furore in der Szene. Mittels GPS Signal kann die Applikation den persönlichen Standort ermitteln und zeigt entweder von anderen Nutzern erstellte Ortsmarkierungen an oder man hat die Möglichkeit selber einen Landmarke zu erstellen. Markiert wird so ziemlich alles. Von Sehenswürdigkeiten über Bahnhöfe, Firmenadressen und der eigenen Wohnung. Ist ein Ort erstellt, kann man immer wieder einchecken, sobald man in direkter Nähe ist. Und in kürzester Zeit waren alle Geeks dabei, zu Stosszeiten bekam ich im Minutentakt Nachrichten wer gerade wo eingechekt hat. Doch so schnell wie es kam, wurden die Nutzer auch schon wieder gelangweilt. Ein klassisches Beispiel dafür wie schnell dieser Prozess ablaufen kann, bevor die grosse Masse der normalen Internetnutzer überhaupt bemerkt hat, dass es Gowalla überhaupt gibt. R.I.P.

google_wave
Dieses Schicksal ereilt nicht nur kleine Start Ups, denen es an ausreichend Budget für langem Atem und grosse Werbekampagnen fehlt. Google Wave, das so verstandene Cockpit für alle etablierte Kommunikation im Web (Chat, Mail, Datenaustausch, in die sich alle einklinken können), wurde von Google in einem Stundenvortrag vor dem Launch lauthals beworben. Das an sich ist schon erstaunlich, denn Google entwickelt normalerweise im dunklen Kämmerlein und stellt neue Anwendungen ohne Mitteilungen einfach bereit. Wird schon einer finden.
Zunächst verteilte Google nur einige tausend Zugangscodes zur Betaversion – und wer über Twitter ein Ticket in die Welle anbot wurde heiss umworben. Alle wollte endlich sehen was Google hier versprochen hatte. Jedoch kämpfte das System – ebenfalls ungewöhnlich für Google – mit vielen Systemfehler, war extrem langsam, viele Features waren nur als funktionslose Buttons integriert und ein paar tausend User reichten nicht aus um eine Welle zu erzeugen. Es blieb bei ein paar Wasserring als hätte man einen kleinen Kiesel in einem trüben Tümpel geworfen. Wer heute twitter, er hätte noch einen Zugang für die Wave, der erntet nur noch gähnen. R.I.P.

Ob Wave nun tatsächlich den Grabstein von Google auf den Kopf gestellt bekommt, oder sich nochmals wie Phoenix aus der Asche erhebt bleibt abzuwarten. Denn der Grundgedanke ist gut, aber es braucht noch viel Nachbesserung.
Auch wenn wir uns täglich mit der Materia beschäftigen, es bleibt eine echte Herausforderung zu entscheiden, in welchen neuen Hype man seine Zeit und Energie investiert, in Zeiten in denen Top und Flop so eng beieinanderliegen.

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5 Kommentare

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  1. Chris | 25.02.2010 08:37

    Google hat ja bereits mit Buzz ein Nachfolgeprodukt zu Google Wave lanciert. Aber ob das Twitter und Co. ersetzen kann, bezweifle ich. Google müsste schon Twitter und Facebook aufkaufen und sich einverleiben um eine Vorherrschaft erringen zu können.

  2. webSimon | 24.02.2010 11:11

    Um Chris Kommentar fortzusetzen:

    Bei Buzz hat Google dazugelernt und immerhin schon Aggregationsfunktionen hinzugefügt. Allerdings ist es auch hier sehr schlecht umgesetzt. Twitter Updates brauchen Stuuuuunden, bis sich Buzz erbarmt und das Profil updatet.

    Scheint neben dem Datenschutz eine Google Krankheit zu sein. Die Internetimperialisten sollten einmal von ihrem Thron steigen und nachschauen, was der gemeine Pöbel eigentlich braucht.

  3. Lack Robi | 24.02.2010 10:34

    Die Idee von Google Wave ist schon gut. Allerdings muss das System natürlich ausgereift sein und vor allem auch stabil laufen.

    Bin aber auch der Meinung, dass Google das Projekt nicht einfach so fallen lassen wird. Da kommt schon noch etwas.

  4. Dirk Worring-Ramstoeck | 24.02.2010 10:28

    @Chris: Bei Google Wave wird sicherlich nochmal etwas kommen. Um es einfach sterben zu lassen, hat Google a) zu viel Ressourcen um nachzubessern und b) zu viel tam tam gemacht, als dass sie es nun in der Versenkung verschwinden lassen. Momentan allerdings geht es vielen so wie Dir: zu viel Bugs, keine Schnittstellen zu anderen Systemen, nicht mal annähernd fertig beim Beta launch.

  5. Chris | 24.02.2010 10:07

    Bei Gowalla war mir das klar. Deswegen hab ich es auch nicht wirklich verwendet 🙂
    Google Wave ist ganz klar zu unausgereift gewesen und wollte die komplette Mailkommunikation in ein System ziehen. Wäre es Möglich von anderen E-Mail zu emfpangen, wären vermutlich viele auf Google Wave umgestiegen.

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