Vom gemeinen Twitterer zum Prof. Dr. Social Media

Yves Moret, 12.02.2010 6 Kommentare

hörsaalIhr Wachstum ist rasant. Ihre Bedeutung nimmt ständig zu. Und ihre Nutzer verbreiten sich wahrscheinlich schneller als die Schweinegrippe. Soziale Netzwerke boomen. Und: in England können sich seit vergangenem Herbst Studierende gar einen Master für soziale Medien holen.

Facebook. Twitter. StudiVZ. Soziale Netzwerke sind beliebt. Und der Vernetzungswahn nimmt kein Ende. Denn: innerhalb des letzten Jahres hat sich beispielsweise die Zahl der Facebook-Mitglieder verzehnfacht. Und so sind die sozialen Netzwerke längst integrativer Bestandteil der individuellen Kommunikationswelt eines jeden geworden. Zumindest von denjenigen, die regelmässig online sind.
Auf diesen exorbitanten Boom hat nun auch die Wissenschaft reagiert. Als eine der ersten bietet die Universität von Birmingham nun einen Studiengang für Soziale Netzwerke an. Ausgezeichnet werden die Studis nach erfolgreichem Abschluss mit einem «Master of Arts in Social Media».

Am Anfang nur belächelt
Ganz einfach hatten es die Initianten des zukunftsweisenden Studiengangs zu Beginn aber nicht. Bereits vor der Lancierung meldeten sich viele kritische Stimmen zu Wort – vor allem von Studierenden anderer Fachgebiete. Sie klassifizierten das Studium gar als «Verschwendung von akademischen Ressourcen». Denn schliesslich könnten die meisten User das Facebook auch ohne Studium bedienen. Zwischenzeitlich sind wohl auch diese Kritiker verstummt. Denn die grosse Nachfrage nach dieser Ausbildung gibt den Machern Recht.

Wissenschaftliche Fragen zur virtuellen Welt im realen Alltag
Denn natürlich geht es in Birmingham künftig nicht in erster Linie um eine adäquate Bedienung sozialer Medien. Das wäre wohl zu einfach. Viel mehr geht es darum, Social Media und deren Entwicklung wissenschaftlich zu begleiten und zu hinterfragen: «Ist das Netz demokratischer als andere Medienformen»? «Haben Power-User mehr soziales Kapital als andere»? «Führt dies zu einer Hierarchie unter den Nutzern»? «Wie können diese neuen Vernetzungen auch ökonomisch genutzt werden»?
Ein weiteres Argument, warum es diese Ausbildung sicherlich braucht: Das Phänomen der Social Media wird die Kommunikation in Unternehmen vollkommen revolutionieren. Findet ein Unternehmen die richtige Vernetzung zu einer Zielgruppe, ist der Erfolg im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert. Denn der sozial vernetzte Verbraucher wird sich bei seinen Konsumentscheidungen künftig stärker auf seine Freunde im Netz verlassen als auf die konventionelle Werbung. Und an genau diesem Punkt kommen die Absolventen des neuen Studienganges in ihrem späteren Arbeitsfeld zum Einsatz. Alles andere als überflüssig also – diese künftigen MA of Social Media.

Und was glaubt ihr? Macht ein solcher Studiengang überhaupt Sinn oder ist er total überflüssig? Und wie werden die sozialen Medien künftig unsere Zukunft prägen?

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6 Kommentare

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  1. Stefan Martens | 22.02.2010 13:03

    Mario Carla,

    ich stimme dir vollkommen zu, dass Social Media wesentlich mehr als „ein paar Tools“ beinhaltet.

    Dafür kann man ja auch diversen “Social Media Experten” 500 Euro pro Tag zahlen, damit es mit der Tool-Bedienung klappt *mit dem Zaunpfahl wink*.

    Seriously:

    Ich kenne die Social Media Szene in UK und ich gehe stark davon aus, dass es dort wissenschaftlich zugehen wird.

    Man kann super viel machen in diesem Bereich – von Literatur über CSCW / CSCL bis zu soziologischen Themen wie Granovetters Strength of Weak ties. Von Howard Rheingold über Charles Leadbeater hin zu Clay Shirky.

    Auch im Bereich Change Management speziell was Enterprise 2.0 angeht, gibt es super viel Literatur.

    Das “Problem” würde ich eher darin sehen, dass die Studien-Inhalte in UK im Vergleich zu Deutschland eher “lax” sind und man eigentlich nur bestehen kann, wenn man nicht den ganzen Tag im Pub abhängt.

    Würde mich über Diskussion freuen. Jetzt aber nicht mit Klaus Eck oder so, sondern mit Leuten, die sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinandersetzen und nicht dauernd Blog Posts schreiben, die mit “Die 10 Dinge, die Sie beachten müssen…” anfangen

  2. mcarla | 15.02.2010 11:53

    Social Media hat schon längst in die Welt der Wissenschaft Einzug gehalten. Auf 93 Seiten berichtet der GESIS Report von Arbeiten rund um die Web 2.0 Welt. Hier der Link:
    http://www.gesis.org/forschung-lehre/gesis-publikationen/servicepublikationen/recherche-spezial/

    Nach meiner Meinung ist Social Media wesentlich mehr als „ein paar Tools“. Für das Fach Entrepreneurship gibt es schon viele Studiengänge. Warum also nicht für Social Media?

    Gruß Mario Carla

  3. Alexander Cyliax | 15.02.2010 11:40

    Das ist ja als ob man „Hammer“, „Schubkarre“ oder sonstwas studieren kann. Für mich bedeutet Social Media einen Haufen an schnelllebigen Tools, welche die Kommunikation vereinfachen, verbessern, aber auch ein gesteigertes Maß an Medienkompetenz erfordern.

    Da ich selber das letzte Jahr meines BA-Studiums in England verbracht habe, stehe ich dem Studiengang zusätzlich noch kritischer gegenüber, da viele meiner Kommilitonen (ob aus UK oder dem Rest von Europa) sowie viele Dozenten massive Lücken in Sachen Social Media aufwiesen. Und das nicht in einem Studiengang wie Architektur, sondern PR…

  4. Claudio | 12.02.2010 15:41

    @Christina: Das Phänomen Social Networks kann man sicher studieren, das ist bestimmt in verschiedenen Disziplinen interessant.

    @Ich frage mich allerdings, ob die Praxisorientierung, die ja weiter oben im Artikel als Legitimation für den Studiengang angeführt wurde, so auch umgesetzt werden kann. Ich frage mich ausserdem, ob sich die Social Media tatsächlich so stark als Marketingmittel einsetzen lassen. Wenn ich bei mir persönlich schaue, ist ein enthusiastischer Berater im Laden sehr viel verkaufsfördernder.

  5. Christina Schmid | 12.02.2010 13:52

    Ich habe letzten Herbst auch schon darüber gelesen und als erstes gedacht: He – das muss ich machen!

    Aber ob man Social Media wirklich studieren kann – weiss ich nicht. Social Media ist mehr Praxis als Theorie und sehr schnell lebig. Morgen kann schon alles anders sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in diesem Studiengang mehr drum geht, um Erfahrungen auszutauschen und Projekte auf die Beine aufzustellen.

    A

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