Social Media’s kleine Welt – Six degrees of separation

sixdegrees Die Welt ist so klein geworden, jeder ist mit jedem vernetzt und über ein paar Ecken kann man eigentlich schnellstmöglich jeden Kontakt herstellen. Soweit die Theorie. Jedenfalls die Theorie der „kleinen Welt“ oder die Six degrees of separation. Was ist wirklich dran an dieser Idee?

Das wir immer enger vernetzt werden, dass die Welt zusammenwächst ist kein Geheimnis. Das „Six degrees of separation“ die grösste Social Media Gruppe (5,8 von über 350 Millionen Mitgliedern) der Welt werden will, scheint auch nicht verrückt. Aber man fragt sich, sind wir wirklich so eng zusammengerückt? Kann man innerhalb einer so kurzen Kette Verbindungen zwischen jedem Menschen auf der Erde herstellen?

Denn das ist der Gedanke hinter der „kleinen Welt“ Theorie oder den Six degrees of separation. Innerhalb einer Kette von sechs Kontakten soll jeder Mensch mit jedem bekannt sein. Schaut man sich zum Beispiel mal auf dem Portal Xing um, scheint das wirklich zu funktionieren. Gebe ich dort testhalber „Springer & Jacobi“ ein (ich kenne keinen der dort momentan arbeitet, keinen der Inhaber und niemand in meinem Freundeskreis kennt jemanden der momentan dort arbeitet) und klicke auf den ersten Namen der in der Suche erscheint, dann trennen mich nur 4 Kontakte von diesem Menschen. Der erste Kontakt ist eine ehemalige Auszubildende von mir, dann jemand den ich nicht kenne und dann der Herr den ich angeklickt hatte. Scheint also fast plausibel.

xing

Aber eigentlich ist das kleine Welt Phänomen ein alter Hut. Denn schon 1961 startete Michael Gurevich ein Experiment um diese kurze Kette zu erforschen und seine Idee der kleinen Welt zu untermauern. Er probierte es damals noch ganz 1.0 mit „snail mail“ Post. Und das Ergebnis war bescheiden – er fand es toll, doch es wird bis heute stark in Frage gestellt. Auch in späteren Jahren wurde diese Idee immer wieder auf die Probe gestellt, die Ergebnisse variierten jedoch je nach der Anforderung des Expermientes. Die Skepsis bleibt.

Rein rechnerisch ist es ziemlich simpel. Gemessen an der Weltbevölkerung müsste jeder ganz einfach ungefähr 50 Menschen kennen – neben dem Ausgangskontakt. Kling gar nicht so viel. Und ist es auch nicht. Dennn 50 Menschen kennen tut jeder. Ausnahmen bestätigen die Regel. Doch es gibt ein grosses Problem, eine Falltür in die, die Theorie leider stürzt.

Denn es geht ja darum, dass über nur wenige Kontakte in einer Kette jeder Mensch mit jedem auf der ganzen Erde in Verbindung stehen soll. Das fuktioniert bei Menschen die gut vernetzt sind sogar sehr gut. Und bei Otto Normalverbraucher in der ersten Welt noch recht gut. Aber diese Theorie findet ihr Ende. Und zwar ganz einfach bei Menschen die Teil eines Stammes im Amazonas sind und abgeschieden Leben, bei Inuit in den unwirtlichsten Eiswüsten. Es gibt sie noch, die Bollwerke gegen den Spruch „No man is an Island“.

Tatsache ist aber, nicht nur die sogenannt erste Welt, sondern auch Drittweltstaaten und entlegene Orte dieser Welt wachsen schneller zusammen in der Kommunikation als die Hochhäuser in Shanghai oder Abu Dabi in die Höhe schnellen. Somit ist es zumindest im Ansatz wahr, die Kilometer werden „virtuell“ kürzer die uns trennen.

Die Frage aber bleibt, ob es irgendwann so weit sein wird, dass wirklich jeder mit jedem über diese kurze Kette in Verbindung stehen wird. Mag sein, diese einsamen Inseln von Menschengruppen verschwinden, mag sein es geht in 50 Jahren wieder in die genau entgegengetzte Richtung. Was denkt ihr?

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4 Kommentare

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  1. Peter Ralf Lipka | 12.05.2010 21:11

    Interessanterweise – aber auch logischerweise – stammen derartige Untersuchungen ausnahmslos von Menschen oder Unternehmen, deren Interesse an einer (beinahe) totalen Vernetzung besonders hoch ist. Hier gilt bei der Beurteilung die alte Regel, man solle nie einer Statistik trauen, die man selbst gefälscht (oder beeinflusst) hat.

    Privatpersonen werden über kurz oder lang sich auf ihre engsten Kontakte konzentrieren müssen, da die Freizeit und Lebenszeit begrenzt ist. Dies engt die Möglichkeit einer Vernetzung auch in Zukunft ein. Dann gilt es zu beachten, dass die sozialen und kulturellen Fokussierungen tatsächlich ebenfalls einschränken.
    Unternehmer hingegen haben deutlich mehr Interesse und Möglichkeiten, an einer extremen Vernetzung zu arbeiten, da diese diese Aufgabe auf viele Mitarbeiter verteilen können und die Lebenszeit eines Unternehmens nicht zwangsläufig begrenzt ist. Aber soziale und kulturelle Fokussierungen begrenzen die Vernetzung auch hier. Hat jeder Unternehmer Interesse an Kontakten zu afrikanischen Buschmännern? Das Beispiel ist weit her geholt, doch blicken wir auf einen der größten Märkte der Welt: China!

    Noch ist die Vernetzung in China zensiert und es ist ohne Zweifel die größte Menge Menschen auf der Erde, die davon betroffen ist. Wenn ein Drittel der Weltbevölkerung nicht an der Vernetzung teilnehmen kann, wie eng sollen denn dann die hiesigen Kontakte sein, wenn es zu einer behaupteten Dichte an Kontakten weltweit kommen soll?
    Ob die Zukunft hier etwas ändert, ist wahrscheinlich. Dass Statistiken nur einen Teil der Realität darstellen, wird aber immer gültig sein.

    Langsam wird vielen Nutzern des Internets bewusst, dass Informationen wertvoll sind. Leider erfahren viele, dass sich der Wert durch den persönlichen Verlust an Geld bemessen lässt. Datenschutz und Sicherheit der eigenen Identität sind heute bei den meisten Nutzern des Internets ein Fremdwort. Besonders die letzten Generationen sind damit aufgewachsen, dass der Zuwachs an Vernetzung etwas Neues ist, bei dem man persönlich Teil der Geschichte des Internets ist.
    Eine Aufklärung hat bislang viel zu verhalten und mit sehr geringer Autorität dazu geführt, dass man nach wie vor die guten Ratschläge ignoriert. Dass es nicht ohne Grund Verschlüsselungsmechanismen gibt, die besonders Kommunikation und persönliche Daten sichern, wird nur sehr langsam den Nutzern des Internets bewusst. Von seiner Hausbank fordert man die Sicherheit als Standard, doch selbst geht man mit seiner Identität geradezu hausieren. Komisch, oder?!
    Die Konsequenz wird vermutlich sein, dass man zukünftig seine Spuren im Internet verwischen will. Einige Unternehmen verdienen schon jetzt viel Geld damit. So kann man vorsichtig prognostizieren, dass auch die Bestrebungen zu einer extremen Vernetzung rückläufig werden. Zumindest im Bereich der persönlichen Aktivitäten, denn inzwischen wurde schon der Stein ins Rollen gebracht, dass Roboter mit dem Austausch und der Veröffentlichung von Daten beginnen…

  2. SallyO | 14.01.2010 10:32

    Ich hatte das bei xing auch vor einer Weile mal ausprobiert. Die Vernetzungen sind zum Teil wirklich sehr erstaunlich. Aber, ganz ehrlich, mit wie vielen (oder besser: wenigen) dieser Online-Kontakte schafft man es tatsächlich in aktiver Verbindung zu sein? Klar, viele finden es unglaublich prima, eine ellenlange Freundesliste zu haben, aber am Ende schreibt man doch nur mit den engsten Kontakten, so wie man es auch ohne xing, twitter, facebook usw machen würde.

  3. Dirk Worring-Ramstoeck | 13.01.2010 15:38

    eben, das ist ja der punkt. die social medians wie wir sind weitaus besser vernetzt, doch ein grosser teil ist es noch nicht. und nur über sechs ecken mit jemandem in irgendeiner verbindung zu stehen bedeutet allein ja noch nichts. man muss diese kontakte ja dann auch direkt herstellen und nutzen, damit es etwas bringt.

  4. marc bürgin | 13.01.2010 10:36

    ist eigentlich ilusorisch… die meisten auf facebook haben zwischen 100-300 freunde. ich selber pflege den kontakt vielleicht mit 10-20 über facebook. ich denke die mischung aus networking offline wird bleiben, aber das online networking sollten viele in betracht ziehen, welche bislang noch nicht angefangen haben.

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