Zählt bald nur noch das Wo?

kompassMobile Social Networks wie Gowalla und Foursquare boomen. Apple lässt Google Latitude nicht in den iTunes App Store – wohl mit Absicht. Location Based Services scheinen das nächste grosse Ding im Internet zu werden.

Seit Mitte 2009 beisst sich Google regelmässig am Aufnahmeverfahren für den iTunes App Store die Zähne aus. Weder die Telefonieanwendung Google Voice noch Google Latitude fanden Gnade vor den kritischen Augen der Prüfer.

Bei Google Voice ist das nachvollziehbar: iPhone-User müssen über ihren Netzanbieter telefonieren, sonst ist das Geschäftsmodell von Apple in Gefahr. Ziemlich an den Haaren herbeigezogen erscheint jedoch das Argument, der Positionierungsdienst Google Latitude sei der Standard-Kartenanwendung auf dem iPhone zu ähnlich und verwirre die User.

Und tatsächlich scheinen Hintergedanken im Spiel zu sein. Wie ein aktueller Patentantrag zeigt, werkelt Apple an einem eigenen Location Based Service, der Google Latitude sehr nahe kommt. „Apple Maps“, mit dem sich iPhone-User gegenseitig ihren Standort bekanntgeben können, soll Google Maps auf dem iPhone über kurz oder lang ablösen. In dieses Bild passt auch, dass Apple bereits vor ein paar Monaten PlaceBase übernommen hat – einen kleinen, aber feinen Konkurrenten von Google Maps.

Der Markt für Location Based Services ist also in Bewegung. Ob aus diesem Trend ein dauerhaftes und nachhaltiges Geschäft ensteht, wird sich aber dieses Jahr noch zeigen.

Wo liegt für dich der Nutzern von Location Based Services? Welche Dienste nutzst du? Welchem gibst du die besten Chancen?

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15 Kommentare

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  1. Philipp Sauber | 6.01.2010 17:29

    Das Problem bei den Tools ist, dass jeder weiss wo ich mich aktuell aufhalte. Also auch der, der am Inhalt meiner Wohnung interessiert ist und das wenn ich eben nicht zu Hause bin.

  2. Peter | 5.01.2010 13:14

    Mich nimmt ja Wunder, ob Apple unsere App (Private World) überhaupt noch in den App Store reinlässt (Im Grunde sind es Kurznachrichten kombiniert mit dem eigenen Standort):

    http://www.vimeo.com/8012872

  3. qris | 5.01.2010 11:31

    Die Privacy-Frage steht immer im direkten Zusammenhang mit dem konkreten Nutzen für das Individuum. Jeder Handybenutzer kann von den Telcos recht genau geortet werden – immer wenn das Ding eingeschaltet ist. Trotzdem nehmen wir das seit Jahren in Kauf. Warum? Weil der Nutzen überwiegt (zumindest glauben das die meisten).

    Bei Local based Services/Apps dürfte es auch nicht anders sein. Wenn der Nutzen überwiegt (und das Vertrauen in den entsprechenden Anbieter da ist), werden wir local based Services einsetzen. Gowalla und Co. sind erst der Anfang.

  4. Christina Schmid | 5.01.2010 11:27

    @joker3347 Ich warte ja schon lange, dass mich die Stadt Zürich per Tweet erinnert, wann ich jeweils das Altpapier rausstellen muss… 😉

  5. Mmmatze | 5.01.2010 11:27

    Rundum guter Einwurf, Joker. Du hast Recht, ich bin sehr webaffin und daher wohl eher geübt im Umgang mit Identität im virtuellen Raum. Und ich sehe wie du in ortsbasierten Angeboten höchstens einen Nutzen, wenn es mir meinen Alltag erleichtert (da kommt ja auch noch der ganze Augmented-Reality-Kram ins Spiel).

    Aber ich bin ähnlich wie du skeptisch, ob die breite Masse in der Lage ist, das „richtig“ zu nutzen. Das soll jetzt nicht arrogant klingen, aber hier sind wir wieder beim alten, leidigen Thema der Digital Literacy, bzw. eigentlich ja der Privacy Literacy. Weiss der ungeübte User, was er da tut? Ich bin skeptisch.

  6. joker3347 | 5.01.2010 11:25

    Vielleicht noch als „Worst Case“ Beispiel 🙂
    http://www.udongtan.or.kr/english/cyber/cyb_01_1.aspx

  7. joker3347 | 5.01.2010 11:13

    Gratuliere Mmmatze, ich ziehe meinen Hut vor dir. Mit mehreren Identitäten über einen solchen Zeitraum unterwegs zu sein ist eine beachtliche Leistung!

    Wenn ich den Umgang der Allgemeinheit mit persönlichen Daten anschaue, bin ich der Meinung dass du einer Minderheit angehörst. Du hast offensichtlich auch das notwendige Hintergrundwissen und steuerst gezielt was du nutzen möchtest und entscheidest aufgrund möglicher Vorteile was du wie nutzen möchtest.

    Ich denke, die grosse Mehrheit wird Dienste nutzen wenn sie einfach zu bedienen sind, sprich so vollautomatisch wie möglich sind, und ihnen einen direkten Nutzen bieten können.
    Wenn ich bspw. jeden Tag von Luzern nach Zürich pendle, wäre es doch nett wenn mich der Wecker bei Problemen mit der Bahnverbindung früher wecken würde, wenn ich einen Termin um 8 Uhr in ZH habe.

    Welche Informationen benötigt werden um solche Dienste anbieten zu können, dürfte den Meisten nicht wirklich klar sein. Wir sehen in den asiatischen Ländern in welche Richtung sich das Ganze entwickeln könnte. Auch klar, die Asiaten haben ein deutlich anderes Verhalten wenn es um persönliche Daten geht, wie wir Europäer.

    Lass uns mal annehmen, dass die meisten Menschen die Linie nicht so ziehen können, wie du das schaffst. So wie ich uns Europäer einschätze, werden wir die Linie also eher über die Gesetzgebung zu ziehen versuchen um die Bürger vor sich selber zu schützen.

    Andernfalls werden wir, auch hier, die 2Klassengesellschaft sehen. Diejenigen welche mit den neuen Möglichkeiten ihr Leben vereinfachen, unter Berücksichtigung der Konsequenzen, und die andere Gruppe welche die Dienste einfach konsumiert ohne sich um die Details zu kümmern.

    Ich würde mir wünschen dass die Voraussetzungen geschaffen werden, so dass jeder Nutzer die Linie bewusst ziehen kann. Da wo er die Grenze ziehen will. Das dürfte eine ziemliche Herausforderung werden, und da stehen wir, meiner Meinung nach, noch ziemlich am Anfang der ganzen Geschichte.

  8. Tom | 5.01.2010 11:04

    Ich denke der größte Nutzen liegt in der optimierung der Verkehrssteuerung wenn z.B bemerkt wird das viele Nutzer sich nur langsam bewegen also in einem Stau stehen kann das in die anderen Dienste wie Routenplaner einfließen. Ansonsten sehe ich momentan für mich nicht viel Sinn im bekanntgeben meiner Position. Wer leben onehin schon in einem quasi Überwachungsstaat und ich will nicht das mein Arbeitgeber od. meine Verwanten, Bekannten etc. immer wissen wo ich bin.
    Aber das kann ja bei den Services noch jeder selber entscheiden.

  9. Mmmatze | 5.01.2010 10:02

    Ich möchte da widersprechen, Joker. Ich schaffe es seit etwas über zwölf Jahren, mich mit zwei Identitäten (oder vielmehr Identitätssträngen) im Web zu bewegen – man muss sie nur sauber getrennt halten.

    Und ich denke, dass es sehr wohl Schattierungen gibt zwischen totaler Unsichtbarkeit und voller Transparenz. Ich bin in vielen Bereichen sehr transparent (man kann sich leicht von einer Anknüpfstelle zur nächsten Schwingen, was mich angeht), aber es gibt trotzdem Dinge, die ich nicht mitmachen möchte (eben bestimmte location-basierte Angebote), and that’s where I draw the line.

  10. joker3347 | 5.01.2010 09:24

    Aktuell spiele ich ein bisschem mit Gowalla & Twitter & Facebook rum.
    Meiner Meinung nach werden wir nicht darum herum kommen uns zu entscheiden. Entweder ich verweigere mich komplett und versuche mich so unsichtbar wie möglich zu machen, oder aber ich gehe in Richtung volle Transparenz und versuche die neuen Möglichkeiten zu nutzen.
    Meine pragmatische Haltung begründet sich in der Erkenntnis, dass es auf Dauer unmöglich ist mit mehreren Identitäten unterwegs zu sein und nur spezifische Informationen zu veröffentlichen. Für eine kurze Zeit mag das funktionieren, wenn wir aber über einen Zeitraum von nur schon 2-3 Jahre sprechen, wird das extrem schwierig.
    Erschwerend kommt dazu, dass ich nicht kontrollieren kann wer alles Informationen über mich verbreitet. Bilder im Facebook als Beispiel.

  11. Christina Schmid | 5.01.2010 09:14

    Ja habe dazu ja auch schon einen Artikel verfasst. Das man im Web ja ehrlicher ist als sonst… Aber eben bei solchen Apps ist ja auch noch ein spielerischer Gedanke dahinter…

  12. Mmmatze | 5.01.2010 09:07

    Richtig, man kann das Ganze auch ad absurdum führen, aber dann hebelt man Sinn und Zweck solcher Apps aus … Ich dachte doch, das neue Web wäre eines von Offenheit, oder?

  13. Christina Schmid | 5.01.2010 09:03

    Sali Mmmatze

    Da bin ich ja auch einverstanden. Aber – man kann ja mit solchen Apps ein bisschen spielen. Wer weiss schon, wo wir uns wirklich rumtreiben?

  14. Mmmatze | 5.01.2010 08:52

    Ich habe vor einigen Jahren mal Plazes getestet und dann mal kurz Brightkite und was weiss ich noch alles (man verliert ja den Überblick). Ich denke allerdings nicht, dass location-basierte Networks einen wirklich breiten Massenmarkt erreichen können. Zu gross sind m.E. die Vorbehalte gegen das Öffentlichmachen von derartigen Informationen.

    Ich kenne nach wie vor viele Menschen, die nicht so webaffin sind wie du und ich, die ihre Probleme bspw. mit der Privacy bei Facebook haben. Diese Menschen werden sich nicht dafür erwärmen können, preiszugeben, wo sie sich grade befinden. Und ich kann es offen gestanden auch nicht. Deswegen setze ich bei Gowalla und 4Square aus.

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