Facebook – letzter Wille 2.0

ripDas Internet wächst schneller als Shanghai, bringt uns ungeahnte Fortschritte und zeigt auch immer wieder seine Tücken. Glücklicherweise schaffen diese mitunter auch neue Dienstleistungzweige und damit Arbeitsplätze – selbst in grössten Krisenzeiten. In diesem Beispiel sogar für Kunden die nicht mehr in den Genuss der Services kommen.

Oft wird gerätselt wieviel der bei Social Networks registrierten User auch aktiv sind. Mit diesen Zahlen gehen die Betreiber nicht gerne an die Öffentlichkeit, weil die Userzahlen Garanten für Werbebuchungen sind. Eine Frage die mittlerweile die Runde macht ist, wieviele der regisrierten Nutzer leben eigentlich noch? Denn im Falle des Ablebens kann man sein Profil nicht mehr löschen, es sei denn man hat seine Zugangsdaten für die Hinterbliebenen irgendwo zugänglich abgelegt.

So kann es sein, dass man zwar im realen Leben „offline“ gegangen ist, post mortem aber immer noch Energy Packs von Mafia Wars bekommt (die leider niemanden zurück bringen), anderen bei Farmville aushilft und neuen Usern als Freund vorgeschlagen wird. Und sollte man niemandem seine Zugansdaten gegeben haben, kann es durchaus ein Kampf mit dem Betreiber werden, bis die Hinterbliebenen das Profil des schmerzlich Vermissten löschen lassen können.
Um diesem Problem frühzeitig entgegen zu Wirken, haben ein paar findige Schweden die digitale Nachlassverwaltung mywebwill.com gestartet. Nach dem Ableben werden Emails an Freunde und Verwandte versendet, Profile gelöscht, Newsletter abbestellt und das digitale Leben in den offline Modus gestellt.

ableben

Ich warte schon gespannt darauf, wann die ersten Polemiker schreien, es sei abstruse Geldmacherei mit dem Leid der Menschen. Das halte ich allerdings für totalen Unsinn, denn der Notar, der einen „realen“ Nachlass regelt wird ja auch nicht beschimpft für seine Arbeit. Einer muss den Job schliesslich machen.

Wie findet Ihr diesen Service des digitalen letzten Willens? Makaber oder einfach eine konsequente Zeiterscheinung unseres Lebens im Web 2.0?

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10 Kommentare

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  1. Robert | 30.12.2009 22:10

    Klasse Idee, warum ist das mir nicht eingefallen…. Auch wenn dieses Konzept krass klingen mag, so werden auch alle Web Bekanntschaften informiert und nicht nur die Verwandschaft.

  2. Chris W. | 16.12.2009 14:45

    @capo

    Krasse sache… 🙁

  3. capo | 16.12.2009 14:00

    Mir gefällt die idee..
    Als ein guter Freund vor 7 Jahren bei uns in der Firma gestorben ist und ich an seinem PC noch daten sichern musste mit seinem Login. Hat mich eine bekannte von ihm per ICQ angeschrieben im gedanken das sie mit dem Freund redet. Als ich klar machen wollte das er gestorben ist wollte sie mir das nicht glauben.

    Ich denke ich werde das Analog organisieren.

  4. Dirk Worring-Ramstoeck | 16.12.2009 12:29

    Lieber Thomas,
    danke für den Hinweis!

  5. Thomas Hutter | 16.12.2009 12:17

    Bei Facebook gibt es eine Möglichkeit für Hinterbliebene verstorbene Personen zu melden. Mehr dazu in meinem Blogbeitrag vom 27. Juli – http://www.thomashutter.com/index.php/2009/07/facebook-freundesempfehlung-aus-dem-grab/

  6. Dirk Worring-Ramstoeck | 16.12.2009 12:08

    @Chris: einen „In loving Memory“ Status fände ich auch noch gut. Dann ist nicht alles verschwunden, sondern man hätte auch noch einen „online Grabstein“ den Freunde besuchen könnten.

  7. Dirk Worring-Ramstoeck | 16.12.2009 12:06

    Ein sicher unangenehmes Thema, aber wie ihr auch sagt, es ist eines mit dem man sich auseinander setzen muss – auch im Web2.0 will der Nachlass organisiert sein.

  8. Chris W. | 16.12.2009 09:36

    Ich find’s gut. Aber ist halt schade, wenn der Freund nicht mehr unter einem weilt und man ihn nicht mal mehr im Facebook hat. Vielleicht sollte es eher die Möglichkeit geben ihn als „verstorben“ zu markieren…

  9. Steffen | 16.12.2009 09:34

    Es klingt erstmal merkwürdig, aber genauer darüber nachgedacht macht so etwas durchaus Sinn.
    Ich habe jetzt schon keinen direkten Überblick bei welchen Diensten ich angemeldet bin. Teils bestehen Anmeldungen nur, weil es z.B. für die Bestellung in einem Onlineshop erforderlich war und und und. Dies alles nach dem eigenen Ableben geregelt zu wissen fände ich persönlich gut und eine konsequente Fortführung der Nachlassregelung in’s Onlineleben.

  10. Dani | 16.12.2009 09:27

    Spannends Thema
    Noch heute blickt micht unter Freunde im Facebook ein gut gelaunter Vereinskamerad entgegen. Doch leider ist er vor gut 3 Monaten gestorben.

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