Tchibo Ideas – so funktioniert Zielgruppe einbinden im Web 2.0

tchiboideasDerer guten Ratschläge gibt es viele für Aktionen im Web und besonders im Social Media Bereich. Attention, Involvement, Fans, … Doch wie solche Lösungen handfest funktionieren, da ist oft Schweigen im Walde. Deshalb stelle ich hier ein Projekt vor, das nicht ur von A bis Z durchdacht und erfolgreich ist, sondern das Thema „in die Zielgruppe reinhören“ zur Perfektion bringt.

Denn was der Tchibo Konzern mit „Ideas“ aufgesetzt hat, ist nicht nur Mitmachweb par excellence, sondern auch ein Geniestreich mit grossem Vorbild.

Tchibo Ideas – ein Konzept wie aus einem neuen Lehrbuch
www.tchibo-ideas.de ist eine Seite die sich mit Alltagsproblemen und deren Lösungen beschäftigt. Nicht etwa als Angebot, sondern als Erfinder Plattform. Und das funktioniert so:
Jeder kann seine kleinen oder grossen Wehwehchen aus dem täglichen Leben als zu lösendes Problem einstellen. Meist sind es Umstände die uns allen bekannt sind und unsere Nerven strapazieren.
Alle diese Wünsche nach Lösungen für derartige Probleme werde gesammelt und auf der Seite vorgestellt. Und die User können entscheiden, wer in die Topliga der dringend zu lösenden Probleme kommt.

Shritt 2: Die Gewinnerprobleme
– werden nun ausgeschrieben, damit jeder Erfinder oder der, der sich zu einem solchen mit oder ohne Talent dazu berufen fühlt, im stillen Kämmerlein eine geniale Lösung dazu aushecken kann. Da werden Skizzen gezeichnet, Prototypen gebaut und stolz präsentiert auf der Website. Und wieder voted und entscheidet die Zielgruppe, wer das Rennen macht und die ihrer Meinung nach beste Lösung präsentiert.

Schritt 3: Wir verkaufen Dir was Du willst
Und dann kommt meines Erachtens nach der echte Clou an der Geschichte. Tchibo lässt die von den Usern als beste Lösung auf die Alltagsnerver gewählten Produkte herstellen und in die Regale stellen. Man leistet sich also einfach keine Flops mehr. Man lässt die Käufer über Probleme reden, Lösungen dafür finden und produziert nur noch auf Kundenwunsch. Sag mir was du kaufen willst und ich lass es für dich herstellen.

Kennt man das nicht irgendwoher?
dsds4_motto1_003Doch, kennt man. Vom Engländer Simon Fuller, dem Erfinder von Pop Idol, auch bekannt als lizensierte Version Deutschland sucht den Superstar oder Superstars von 3+ in der Schweiz. Alle Kids wollen Superstar werden, man kreiert einen riesen Hype, bekommt Unsummen an Werbeeinnahmen mit der Show und lässt den Konsumenten entscheiden was er denn morgen im CD Regal kaufen will. Und ich will weder Fuller noch Tchibo in ein schlechtes Licht stellen. Beide Konzepte bedeuten eine echte Win-Win Situation. Nämlich der Kunde bekommt was er will und der Produzent setzt kein Geld mehr mit Ladenhütern in den Sand. Nicht uneigennützig von den Herstellern, aber effektiv.

Seid Ihr mit mir einer Meinung? Oder denkt Ihr das ist trotzdem nur beschönigte Abzocke? Ist das System genial oder müsste man noch einige Schritte weiter gehen und wenn ja, welche fehlen Euch?

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11 Kommentare

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  1. Yannig | 18.02.2011 16:17

    @Dirk Vielen Dank für den Artikel. Ich bin nur vom Titel des Eintrages etwas verwirrt… glaubst du wirklich, dass es unbedingt die Zielgruppe ist, die eingebunden werden muss ? Ich arbeite bei einer vergleichbaren Community, eYeka, (wenn auch etwas unterschiedlich, aber die Details lasse ich raus!) und wir sagen unseren Kunden immer wieder, dass gute Ideen von überall kommen – und dass sie Ihre Ideenwettbewerbe so weit wie möglich öffnen sollten.
    @Oli Da bin ich nur zum Teil einverstanden, denn jeder hat nicht das Know-How, um ein „Milliardenseller-Produkt“ zu entwickeln und an den Markt zu bringen, oder?

  2. Viva | 28.11.2009 11:08

    Meiner Meinung nach kann doch jeder selber entscheiden. Klar ist das wohl durchdachtes Marketing, aber niemand wird gezwungen, bei Tchibo einzukaufen oder den Superstar zusehen, oder gar die CD zu kaufen. Wenn man aber findet, das ist für beide Parteien eine Win-Win Situation, dann ist es doch perfekt oder? Jede Firma oder jeder, der was verkauft, versucht doch in diese Situation zu kommen.
    Tolle Website! Weiter so!

  3. Chris W. | 26.11.2009 08:44

    Das Konzept ist ja mittlerweile Allgegenwärtig. Das mit den Erfindung hat zuerst ja Sat.1 gemacht. Nur, dass hier eine Jury von „Profis“ mitbestimmt hat.

    Im grossen Ganzen finde ich die Idee gut, wenn es ehrlich bleibt. Aber übers Fernsehen werden die Zuschauer soweit manipuliert, dass es zum Wohl des Senders kommt.

    Wenn Tschibo so eine breite Masse ansprechen kann, wie es das Fernsehen schafft, würden solche Projekte viel öfter gemacht werden!

  4. Dirk Worring | 25.11.2009 15:50

    Vielen Dank für Eure Kommentare bisher. Wie ich sehe, kommt das Thema bei Euch genauso gut an, wie bei den entsprechenden Zielgruppen – und auch bei mir. Unternehmen wollen und müssen Geld verdienen, Konsumenten wollen Produkte. Diese beiden Anforderungen nahezu „einvernehmlich“ zusammenzubringen ist wirklich genial.

  5. Terry Walter Kensington | 25.11.2009 15:43

    ich finde das generell eine geniale idee. ich selber bin mitglied auf dem open innovation portal von brainfloor.com und hab schon mehrmals abkassiert mit meinen beiträgen zu den einzelnen fragestellungen.
    nicht nur, dass ich meine ideen einbringen kann, ich kann auch nebenbei immer wieder etwas an kohle zusätzlich verdienen. das macht richtig spaß!!!!

  6. Cronos | 25.11.2009 15:38

    das Konzept gefällt mir und ist mir seit längerem zb aus den USA bekannt. User wählen des Design von T-Shirts, diese werden dann bedruckt mit dem Design, das am meisten gewählt wurde: http://www.threadless.com/
    Hier in Europa kenne ich Starmind: http://www.starmind.com, zur Zeit wird gerade diskutiert, ob man Passagierflugzeuge mit Schleudersitzen ausrüsten sollte oder nicht: http://www.starmind.com/question/1598
    Dort kann man direkt Geld verdienen, allerdings solltest Du ziemlich smart sein.

  7. Tina_widjet | 25.11.2009 13:17

    Eine sehr gute Idee, die sich jegliche Marktforschung spart. Es wird spannend zu sehen, ob daraus neue innovative Produkte entstehen.

    Sehr gut in das Konzept gepasst hätte noch ein Widget, dass den User tagesaktuell spannende Informationen übermittelt und so immer up-to-date hält.

  8. Oli | 25.11.2009 12:50

    Im B2B-Bereich funktioniert dieses Konzept ja durch die 1:1-Kommunikation seit hunderten von Jahren bestens; es endet dann halt meist im „Prototypenbau“ (sprich Erstellung einer Lösung nach Kundenbedarf) und nicht in der Massenproduktion.

    Durch die mittlerweile intensive Nutzung der eMedien durch die potentiellen Kunden (i.d.R. Konsumenten) ist nun die Kommunikation 1:n und zurück ebenfalls möglich, was die Suche nach neuen Nischenprodukten vereinfacht und verbilligt, weil keine Spezialisten (Marktforscher etc.) beauftragt werden müssen. Falls dann das Potential gross genug erscheint, wird die Massenproduktion angeworfen…

    Letztendlich ist praktisch alles „beschönigte Abzocke“ – schliesslich wollen wir alle (und vor allem die Shareholder) ja eine möglichst hohe Gewinnmarge erzielen. Das einzige, was deshalb an diesem Konzept (wie auch an atizo.com) stören könnte, ist, dass der potentielle Erfinder eines Milliardenseller-Produktes wohl nie am Gewinn beteiligt werden wird. Aber mitmachen ist ja freiwillig…

  9. Yves | 25.11.2009 12:47

    Der Grundgedanke finde ich zukunftsweisend. Wie du geschrieben hast, kann nur so wirklich eine Win-Win Situation für alle Konsumenten erreicht werden. In der Art ist mir noch Atizo.com bekannt. Dort kann im Prinzip jeder eine ähnliche Aktion starten, ohne dass er den Aufwand von Tschibo hat.

  10. Sebi | 25.11.2009 08:04

    Ich stimme dir zu, Dirk.

    Tchibo fährt eine ähnliche Schiene hier wie P&G mit beinggirl.com, wo Mädchen im Alter 12 bis 18 im Rahmen von „feminine care“ angesprochen werden. Auch hier mit Erfolg!

    Ich denke nicht, dass es eine Abzocke ist wenn es einen Mehrwert für die User hat. Wie du schreibst, die Konzepte bedeuten eine Win-Win Situation. Und wenn jemand das Gefühl hat es wäre reine Abzocke, dann muss sie oder er gar nicht teilnehmen.

    Guter Artikel!

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