Ich bin wer ich bin – auch online

spiegelshibbyWer nur noch vor dem Computer sitzt, vereinsamt. Im Internet sind nur Masken unterwegs, die nichts mit den Menschen dahinter zu tun haben. Kritiker werden nicht müde, mit diesen Vorurteilen gegenüber sozialen Medien zu hausieren.

Dumm nur: Sie stimmen nicht. Alles erstunken und erlogen. Psychologen haben mal wieder richtig tief im Sand gewühlt und dabei folgenden Schatz gefunden: In Web-Profilen zeigen wir, wie wir tatsächlich sind – und nicht, wie wir gerne wären. Selbst die Forscher waren von Ergebnis einigermassen überrascht.
Sie liessen Online-Profile von Fachpersonen beurteilen. Bestimmte Eigenschaften kann man durch einen kurzen Einblick in ein fremdes Profil sofort erkennen: Wie kommunikativ jemand ist etwa, oder wie sehr er oder sie seine Online-Kontakte mag. Auch die musischen Begabungen und allgemeinen Interessen liegen mehr oder weniger offen. Ob die Webfreaks anfällig auf Sorgen, Nervosität und Stress sind, bleibt hingegen schon eher verborgen.

Dennoch: So wie die Profis eine Person rein aufgrund des Online-Profils einschätzten, war sie dann erstaunlicherweise meistens auch. Der Drang zur Person, die man ist, ist also stärker als der Wunsch, sich eine andere Maske aufzusetzen.  Das tragen einer Maske ist im Internet ja sowieso nicht so einfach, da auf das Tun und Sein im Web oft eine Reaktion aus der Community oder dem Freundeskreis kommt. Und wer will schon seine Freunde für dumm verkaufen?

Auf Web-Profile ist, laut der Zeitschrift „Psychological Sience“, also Verlass. Sehe ich auch so. Aber so ganz eng dann irgendwie doch wieder nicht.

Ein bisschen darf auch bei Online-Profilen geflunkert werden. Und wenn es zu viel ist, dann berichtigt das die Community ganz von alleine.

Wie schaut es bei euch aus? Seid ihr im Web die Person, die ihr auch im realen Leben auslebt?

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8 Kommentare

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  1. Annubis | 24.11.2009 13:18

    ich bin seit ’95 im web aktiv. ich war in dieser zeit in vielen communitys unterwegs auch heute noch – kennt man mich. ja es ist sehr wichtig, seinen ruf zu pflegen. egal ob man mutter theresa sein möchte oder so böse wie ichs bin. ich denke ich bin im web genauso wie ichs auch im rl bin – das können aber andere besser sagen als ich. es ist aber nunmal so – ne show kann man ned auf ehwig aufrecht halten. irgendwann wird man entarnt und abgespempelt.
    es ist einfach wichtig, dass man so ist wie man ist auch im web. personal branding wird immer wichtiger egal ob man auf jobsuche is, chef oder einfacher büezer

  2. Luzius Müller | 20.11.2009 14:56

    ich bin auch der Meinung: Je persönlicher, desto ehrlicher sind die Profiles. Sprich Chats und Co weniger, SN mehr. Ich gebe da Yves vollkommen Recht.

    Aber trotzdem ist Missbrauch, gerade auf FB immer ein aktuelles Thema. aktuellstes Beispiel: Jennifer Ann Gerber (SonntagsZeitung , 18.Okt 2009, Seite 9). Als jemand mit einem FakeProfile unter Ihrem Namen gechattet hat und Dates verabredet usw.
    Ich denke aber dass sich dieser Missbracuh am grossteils auf Personen im Öffentlichen Leben beschränkt. Denn bei den „kleinen Fischen“ wie uns, ist das Interesse eines Missbrauchs ja auch deutlich kleiner. Und: Man kann ja aktiv gegen Missbracuh wirken, indem man kontrolliert.

    In diesem Sinne: get Public! 😉

  3. Florian Schütz | 20.11.2009 13:22

    Online Reputation Management ist wirklich ein spannendes Thema!

    Den eigenen Online-Ruf zu kennen und zu pflegen gewinnt immer mehr an Bedeutung! Leider ist der Begriff „Online Reputation Management“ noch nicht bei allen Teilen der Bevölkerung angekommen…

    Mit Yasni Premium bieten wir eine zusätzliche Möglichkeit, sein Profil auf bestimmte Begriffe zu optmieren…dies ist besonders wichtig für Bewerber und Freelancer, die im Netz besser gefunden werden wollen und denen wichtig ist, wie sie im Netz wahrgenommen werden.

  4. markusschmid | 20.11.2009 11:05

    Ich hab mich auch schon versteckt und gebe es gerne zu, wer tat dies auch schon?

  5. Yves | 20.11.2009 09:57

    Ich denke das liegt vor allem daran, dass sich in den Social Medias vor allem User darstellen, die auch bereit sind, Einsichten in ihr Leben zu teilen. Die einen mehr, die anderen weniger. Leute, die ihr Leben nicht öffentlich machen wollen, sind auch entsprechend in den sozialen Netzwerken wenig vertreten, für was auch.

    Das in den sozialen Netzwerken geschwindelt wird, ist sicher so. Allerdings auch nicht mehr, als sonst im sozialen Zusammenleben. Ich vergleiche das ganze immer mit einem Dorftreffpunkt. Hier wie dort wird in der Regel auf die Reputation geachtet.

  6. franzi | 20.11.2009 09:37

    ich denke auch, dass es einen unterschied macht, ob man sich total anonym im netz bewegt (foren, chats) oder ob man auf z.B. facebook ist und mit leuten aus dem RL in kontakt ist. auf anonymen plattformen geben sich leute nicht immer, wie sie wirklich sind, bzw. leben eine seite von sich aus, die sie im RL nicht zeigen. sobald aber der eigene name danebensteht, ist es natürlich etwas anderes, genauso in foren, wo sich eine langjährige community aufgebaut hat. da ist sich verstellen zu gefährlich/zu anstrengend.

  7. Christina Schmid | 20.11.2009 09:27

    sali mmmatze
    ich glaube, dass sich das mit der online-identiät auch in den letzten jahren sehr verändert hat. als die „chats“ noch angesagt waren, schlüpfte man viel eher in eine andere rolle. heute möchte man ja online etwas erreichen, da wäre das „maske aufsetzen“ nur ein schuss ins eigene knie.

  8. Mmmatze | 20.11.2009 08:47

    Also, ich bewege mich ja seit rund zwölf Jahren im Netz, und ich habe mich lustigerweise gerade in den letzten Monaten vermehrt mit Online Reputation und Online Identity auseinandergesetzt (deswegen: http://science.amazee.com/). Aus meiner Erfahrung und aus dem, was ich an Wissenschaftlichem gelesen habe, kann ich sagen: Es kommt auf die Phase unserer Beschäftigung mit dem Internet und das Alter an. Je jünger man ist, desto mehr möchte man sich ausprobieren, desto mehr spielt man mit verschiedenen Identitäten – online wie offline. Daraus destilliert sich irgendwann im Laufe des Reifens (die andauernde Beschäftigung mit dem Internet kann man ja auch als Altern bzw. Reifen ansehen, nur online) eine Identität, die sich festigt. Dass die dann in den meisten Fällen online mit der Offline-Identität übereinstimmt, halte ich nur für logisch. Ich bin mittlerweile im Netz sehr stark so, wie ich bin. Wobei mir das Web und seine Besonderheiten mir auch geholfen haben, so zu werden wie ich bin. So habe ich sicher auch durch das Netz gelernt, direkter zu Menschen zu sein und meine Standpunkte deutlicher zu vertreten. Marx hat ja bekanntlich gesagt: Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Heute könnte man es erweitern in: Das Online-Sein bestimmt das Bewusstsein.

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