Schweinegrippe – der Kommunikationstod

Dank an Martin Felder fürs Bild

Ich sitze daheim, weil ich ne Grippe habe. Und es gibt neben den lieben Besserungswünschen nur noch eine Frage. Die Frage nach dem bösen „S“ Wort. Für mich ist das ganze ein reines Kommunikationsdisaster. Ein perfektes Beispiel dafür, wie in der vernetzten Welt ein Thema aus den Fugen geraten kann, und so mehr Schaden anrichtet als der Grund für die Hysterie selbst.

Weltweit sind zum 16. November 2009 genau 7051 Menschen an den Folgen der Infektion gestorben. Auch wenn jedes dieser Opfer zu bedauern ist, es sind 0,0001 % der Weltbevölkerung. Und doch ist jeder in Aufregung, Panikmache an allen Ecken und Enden. Soweit, dass der kleine niedergelassene Arzt vor lauter Telefonsupport nicht mehr in der Lage ist, seinen Praxisbetrieb aufrecht zu erhalten. Hier meine Gedanken:

Wie im Video bereits erwähnt: Es gab bis zum 16. November 2009 in der Schweiz 0 Todesfälle und 48 bestätigte Infektionen. Im Vergleich starben 357 Menschen auf schweizer Strassen in 2008. Ist die H1N1 Hysterie also einfach Wahnsinn, oder sollten wir eine unnatürliche Panik vor dem Strassenverkehr entwickeln, weil viel gefährlicher?
Die offiziellen Zahlen gibts übrigens tagesaktuell beim European Centre for Disease Prevention & Control

Wie ist Eure Meinung zur ganzen Kommunikation bei der Sache? Wie denkt ihr könnte man die Dynamik von Web 2.0 und Social Media nutzen, um die Leute richtig aufzuklären, statt die Angst noch weiter zu schüren?

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13 Kommentare

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  1. Dave | 22.11.2009 16:58

    Was ebenfalls interessant ist, dass ganze mit dieser Jane Bürgermeister. Ich habe bis jetzt nicht ganz herausgefunden, was wirklich dahinter steckt?! Sonderbare Sachen und unglaublich welche Macht gerade auch durch das Internet ausgeht!

  2. Patrick | 18.11.2009 11:41

    @Hutter: was veranlasst Sie zu behaupten, die grosse Welle komme noch im Januar/Februar? Genau wegen solchen Vermutungen von unqualifizierten Personen wurde diese Panik so erfolgreich. Ich sage nicht, dass das BAG da besser ist. Sie behaupteten ja auch schon im Sommer, dass die grosse Welle im September über das Land rollen würde – passiert ist nix.

    Ich sehe noch ein anderes Problem: Das Wort „Pandemie“ wird mit dieser ganzen Medienhysterie und Panikmache durch die Behörden und Medien immer mehr verharmlost. Wenn in einem halben Jahr diese aktuelle (Medien-)Pandemie vielleicht endlich mal vorbei ist (vor allem in den Köpfen der Panikmacher), und wahrscheinlich nichts passiert sein wird (ich weiss, auch eine unqualifizierte Behauptung, die Geschichte (Vogelgrippe, SARS) gibt mir jedoch recht), ja wer glaubt denn in ein paar Jahren noch, wenn uns die nächste Pandemie erreichen soll, an die Ernsthaftigkeit dieses Wortes?
    Schliesslich gewöhnt sich der Mensch an alles. Er gewöhnt sich an Krieg (Irak, Afghanistan, gähn…), an Hunger (Äthiopien, Somalia, gähn…), an Naturkatastrophen (Tsunamis, Hurrikane, gähn…) etc…

    Die Medien als Durchlauferhitzer spielen für die nächste Schlagzeile in dieser Hinsicht natürlich voll in die Hände der Industrie und der Behörden. Wer schreibt den heutzutage noch wohlrecherchierte Beiträge? Nicht mal die NZZ. Da werden unreflektiert PR- und Agentur-Meldungen abgedruckt und fertig ist die neue Schlagzeile. Wenn man dann morgens und abends schaut, welche Medien täglich von den Pendlerströmen konsumiert werden, wunderts einem nicht, wieso diese Leute den Wahnsinn noch weiter treiben.
    Die Gewinnler in diesem „Krieg“ sind ja bekannt.

  3. Dirk Worring | 17.11.2009 16:56

    @Oli: dabei ist das Sommerloch doch längst vorbei dieses Jahr…

  4. Oliver | 17.11.2009 16:09

    den medien passt es einfach nicht dass es seit jahrzehnten keine wirklichen kriege und katastrophen mehr gibt.

    da wird halt schon mal der irakkrieg (einigen tausend tote) mit dem vietnamkrieg (2 millionen tote) gleichgeschrieben und der schweinschnupfen wird zur tödlichen grippe pandemie.

  5. Dirk Worring | 17.11.2009 15:54

    @cyrill: stimme ich vollkommen zu. Denken ist ne feine Sache, allerdings scheint sie zu kompliziert für die Massen, die sich lieber berieseln lassen. Daher kann sich die Hysterie auch schneller verbreiten als das agressievste Virus

    @Phil: Lxus ja, frage nur wer den Luxus verwaltet? Die Pharmaleute die sich nen neuen Lambo vor den Golfclub stellen? 😉

    @Oli: Danke für den Link. Genau das ist es was ich meine. Im Aufmacher Wort Nr. 2! Fehlkomminukation par excellence!

  6. Oliver | 17.11.2009 15:19

    genau das denke ich auch so.

    hiess es doch vor einigen monaten noch dass mind. 50% der angestellten im september ausfallen würden. das isch im fall kein witz!

    die prognosen erinnern irgendwie and frau leuthards „bei uns gibt es keine rezession“.

    und hier beachte man mal die wortwahl „tödlich“:
    http://www.20min.ch/news/dossier/schweinegrippe/story/10650139

    also gute besserung. der virus würde ja besser zur „websau“ passen als zu dir oder?

  7. Philipp Sauber | 17.11.2009 15:08

    Ich habe auf Flickr noch ne Graphik die die ersten 300 Tage der Schweinegrippe aufzeigen, ganz amüsant und im Vergleich zu anderen Grippen schon fast vernachlässigbar. Aber man weiss nie was noch kommt und davon leben die Medien und die Pharma. Drum ist die Schweinegrippe in meinen Augen ein reines Luxusproblem das wir uns hier in Europa leisten können.
    http://www.flickr.com/photos/25691974@N08/4075299376/

  8. Cyrill | 17.11.2009 13:20

    Ob Schweinegrippe oder was auch immer, für mich ist es eigentlich weniger ein Problem der Medien sondern eher das der Medien-Konsumenten. Wer sich ausschliesslich mit Junk-News von Blick, 20-Min und Co. zumüllt und sich den Rest dann noch mit dem Lesen der Leserbeiträge gibt, hat in der Wahrnehmung wohl tatsächlich ein Problem. Egal zu welchem Thema.

    Ist das nun das Problem der Medien, die ja „nur“ bedienen was gelesen sein will?

    Selbständig denken, sich auf Grund von Fakten ein eigenes Bild von einer Sache machen und für sich die Schlüsse ziehen, ist trotz (oder grad wegen ) Web2.0 und Co. (noch immer) möglich. Man muss wohl nur wollen, sich gezielt informieren und nicht jeden Blödsinn lesen. Was das Vorkommen von Blödsinn dann ganz automatisch selber reguliert. Und da sind wir wieder beim Konsumenten angelangt. Ja, und jetzt könnte man den Bogen wohl noch viel, viel weiter spannen 🙂

  9. Per Worring | 17.11.2009 12:26

    Meines Erachtens nach beruht diese Panik nur darauf, das die Medien all das, genährt durch die Sensationslust des Menschen, hochstillisieren. (Wer will schon eine grüne Wiese mit spielenden Kindern in den Nachrichten sehen) Der menschliche Körper ist eigentlich in der Lage auch ein Schweinegrippe zu überstehen. Ich werd mich jedenfalls nicht impfen lassen.

  10. Dirk Worring-Ramstoeck | 17.11.2009 11:36

    Meine Frau hat mir gestern Abend übrigens noch erzählt, dass das Schweizer Gesundheitsministerium 18 Millionen Dosen Impfstoff im Wert von 87 Millionen CHF gekauft hat. Die Zahlen stammen aus einem Ärzte Bulletin.

    Das bei solchen Zahlen die Hysterie nicht kleiner wird wundert kaum.

  11. Samuel Thomaset | 17.11.2009 10:47

    Der Wahnsinn beim Thema Schweinegrippe beginnt ja schon damit, dass man damit wieder einen neuen Begriff geschaffen hat (vor einem Jahr war es noch die „Vogelgrippe“), der Angst machen soll und Menschen veranlassen soll, zu den von der Pharmaindustrie aufgelegten Impfungen, Medikamenten und Schutzmasken greifen. Unterstützt wird das ganze von Medien, die entweder direkt von der Pharmaindustrie mit Informationen versorgt werden und von solchen, die solche Beiträge ohne sie zu hinterfragen, aufgreifen und „kopieren“. Das dieser Wahnsinn vor allem durchs Internet um ein Vielfaches verstärkt wird, ist die eine Seite. Andererseits bietet gerade das Internet auch die Möglichkeit sich schnell eine Zweit- oder Drittmeinung abzuholen, was wiederum der Panikmache auch entgegenwirken kann. Bei uns in Österreich sind meines Wissens bisher 3 Menschen gestorben. Jeder von ihnen hatte bereits eine schwere Vorerkrankung und eine Schwächung des Immunsystems. Wieviele dieses Jahr bereits an der normalen Grippe gestorben sind, weiß kein Mensch – aber es liegt die Vermutung nahe, dass es schon mehr sind. Aber DAMIT ließe sich ja kein Geschäft machen – weder von den Medien noch von der Pharmaindustrie. Denn die normale Grippe begleitet uns doch alle schon zeit unseres Lebens. In der Ukraine brach eine Grippeepidemie aus mit allen ihren Folgen (auch Todesopfern). Unser Konzern hat zB sofort mit einem Einreiseverbot in die Ukraine reagiert (rein betrieblich), das seit gestern aber wieder aufgehoben ist. Fakt ist, dass der Staat Österreich tausende Schutzmasken, die als Ladenhüter von der „Vogelgrippe“ übrig waren, jetzt an die Ukraine verkaufen konnte. Hätte man hierzulande solche Angst, hätte man diese wohl für die eigene Bevölkerung aufgespart! Hier in Österreich – vor allem im gesundheitsbewußten Westen – ist der Großteil der Bevölkerung GEGEN eine Impfung. Auch Mediziner und Politiker geben öffentlich an, ihre Familien NICHT IMPFEN zu lassen. Außerdem wurde schon von 22 Fällen berichtet, bei denen sich nach der Impfung Nebenwirkungen eingestellt haben. Und heute wurde in der regionalen Tageszeitung ein Artikel abgedruckt, dass gemäß einer Studie ohnehin ein großer Teil der Bevölkerung schon teilimmunisiert sei, da der Virus zu 49% komplett ident mit bisherigen Viren sei. Ich seh es wie Dirk … im Straßenverkehr sind in den letzten Wochen mehr Menschen gestorben und wahrscheinlich auch an allen anderen Krankheiten! Cool down!

  12. Dave | 17.11.2009 09:15

    Ja danke mal für diesen Post 🙂 ! Sicherlich ist Information gut und auch nötig, aber was momentan bezüglich Schweinegrippe abläuft ist doch nicht mehr normal?! Die Medien spielen da einfach ein falsches Spiel. Die Leute haben doch keine Ahnung mehr, was Sie denken und glauben sollen. Und wie es oft der Fall ist bei solchen Sachen, profitieren wieder viele davon.

    Die Angstmacherei ist nicht gerechtfertigt. Man sollte sein Hirn nicht ausschalten. Und wenn man noch all die Verschwörungstheorien beobachtet welche es da gibt. Das eine Vorbereitung stattfindet für die Zwangsimpfung, und das dieser Virus gezielt gezüchtet wurde, und wir demnächst einen Nanochip mit der Impfung erhalten werden und und und!

    Was soll das ganze eigentlich? Zumal ich es auch von der Medienwelt sehr unprofessionell finde, gewisse Sachen zu publizieren ohne eine gründliche Recherche zu betreiben.

    Die meisten sind einfach verunsichert und wissen gar nicht was sie schon glauben sollen. Tatsache ist nun mal, dass es sich hierbei lediglich um eine Grippe handelt. Sicherlich gibt es Risikogruppen, aber das gibt es auch schon seit Jahren bei der Saisonalen Grippe.

    Man sollte einfach ruhig bleiben und keine Hysterie verursachen. Das bringt keinem Menschen etwas und am Schluss sterben wirklich die meisten an der Angst :)!

  13. Thomas Hutter | 17.11.2009 09:02

    Ich denke, die Kommunikationmittel rund um die Schweinegrippe werden sehr wohl richtig eingesetzt. Problematisch sind meiner Meinung nach die Medien (insbesondere die Schreiblätter mit niedrigem Niveau wie Blick, 20min & Co), welche das Thema aufstacheln und eher desinformieren als informieren. Auch die Anzahl der Todesfälle (die zum Glück noch niedrig ist) sagt nichts über die Gefährlichkeit einer Pandemie aus. Grundsätzlich wurde früh informiert (vielleicht mit ein wenig zuviel Panikmache), was gut ist und sich die Bevölkerung (und Firmen) darauf vorbereiten kann – die Hauptwelle der Schweinegrippe wird wahrscheinlich erst im Januar/Februar uns wirklich erreichen.

    Social Media oder Web 2.0 können Transportkanäle für die Weiterverbreitung von Informationen sein, die Zweiwegkommunikation müsste aber in diesem gezielten Fall auf einem geringen Niveau gehalten werden um Desinformation durch Falschmeldungen oder ungeschickte Fragen in Foren, etc. zu vermeiden.

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