Zeitungsverleger sperrt Google aus – Sinn oder Unsinn?

Yves Moret, 12.11.2009 4 Kommentare

zei-tungDer Medienmogul Rupert Murdoch liess in den letzten Tagen verlauten, er wolle seine Nachrichtenseiten aus dem Google Index entfernen lassen. Zu seinem Imperium gehören zum Beispiel das „Wall Street Journal“, das Boulevardblatt „Sun“ sowie der Fernsehsender „Fox“.

Aktuell bekommen die Newsseiten ihre Besucher zu einem grossen Teil von Google zugeführt. In unseren Breitengraden macht dies zwischen 30 bis 50 Prozent aus. Im Beispiel des „Wall Street Journal“ sind es ca. ein Viertel der Besucher, die von Google vermittelt werden. Rupert Murdoch ist schon seit längerem der Meinung, dass Google seine Inhalte zu Unrecht im Internet verbreitet. In einem Interview auf dem eigenen Sender „Sky News“ verkündete er:  „Wir haben dann vielleicht weniger Leute, die auf unsere Seite kommen, die zahlen aber dafür.“

Murdochs Ideen versetzen die Webgemeinde natürlich nicht gerade in Jubelrufe. Im Zeitalter, wo News ihre Leser über Links in Blogs, auf Facebook oder über Twitter finden, stellt sich natürlich die Frage, ob sich da die Presselandschaft ihre eigene Grube gräbt. Klar ist es so, dass eine Zeitung, die ihre Inhalte auf dem Web frei verfügbar macht an Abonnenten verlieren wird. Aber könnte es auf der anderen Seite nicht auch sein, dass sich mit der freien Verfügbarkeit des Newsangebotes andere Einnahmequellen erschliessen lassen, die erst noch rentabler sind?

Die Zukunft wird zeigen, mit welchen Modellen die Medien Geld verdienen werden. Wie seht ihr die Zukunft? Schiesst sich Murdoch ins eigene Knie? In welche Richtung wird sich der Newsmarkt bewegen? Habt ihr noch andere, interessante Ideen?

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4 Kommentare

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  1. Markus Pfeisinger | 12.11.2009 17:54

    Die Zeitungen haben derzeit das selbe Problem wie die Filmindustrie. Sie haben sich Jahrzehnte nicht bewegt und jetzt haben sie Probleme mit dem neuen Medium Internet und dessen Platzhirschen.

    Dabei sollten sich die Zeitungen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und ihre Vorteile betonen, anstatt sich auf das ‚Internet-Niveau‘ herabzubegeben.

    Vielleicht ein Ansatz:
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/132/345970/text/

    Die Vorteile der guten, alten Zeitung waren mir gar nicht so bewusst:
    http://www.youtube.com/watch?v=9Eq3rS-SxbE

  2. Yves | 12.11.2009 16:21

    Dank an euch beide für die Kommentare. Es freut mich, dass ich nicht der einzige bin, der der Meinung ist, dass sich was ändern muss. Ich denke die Richtung von Murdoch ist grundsätzlich falsch. Wie ihr, denke ich auch, dass da neue Ansätze her müssen.

  3. Thomas | 12.11.2009 16:02

    Das Experiment ist sicherlich gewagt. Die Qualität der Bezahl-News müsst um einiges höher sein als kostenlose Inhalte. Aber was bedeutet im Newsbereich höhere Qualität. Ich decke mein Bedarf an Nachrichten zu 98% aus dem Web – und das kostenlos. Wenn ich nun für eine Seite plötzlich bezahlen müsste, würde ich diese aus meinen Favoriten löschen und die restlichen Quellen berücksichtigen.
    Das Model funktioniert meiner Meinung nach nur, wenn alle Newsinhalte kostenpflichtig werden.

    Da ich einige Mandate im Medienumfeld betreue, frage ich mich immer wieder, wie die Verlage die senkenden Einnahmen der Abonnenten im Internet gut machen können. Bannerwerbung alleine bringt bekanntlich nicht den gewünschten Erfolg und ist somit als Zukunfsmodel nur bedingt tauglich. die personalisierte Zeitung wird wohl wegen den hohen Druckkosten auch nie ein erfolg. So gibt es seit neustem die personalisierte Zeitung niiu.de, welche sich mehrheitlich an die jüngere Generation wendet, da diese eher Internetaffin ist. Aber genau das ist meiner Meinung nach der Fehler dieses Produkts. Die junge Generation kennt sich im Internet aus, ist Mitglied verschiedener Internet-Communitys und weiss, wo welche Inhalte zu finden sind. Weshalb braucht gerade diese Zielgruppe eine personalisierte Zeitung, welche die Inhalte vom Vortag anzeigt?
    Okey, ich bin vom Thema abgeschweift – sorry!

    Zurück zum Thema. Ein ausschluss von Google ist völliger Unsinn, da Google ein sehr grosser Anteil der Leser bringt und somit auch die Traffic um mehr als 25% erhöht. Diese Traffic hilft den Verlagen, die möglichen Werbeeinnahmen zu steigern, analog den WEMF Leserschaftserhebung. Was es jetzt braucht sind neuartige Werbeformen im Internet, welche eine hohe Akzeptanz bei den Usern haben.
    Welche das sind, weiss ich bis heute auch noch nicht. Ich bin jedoch überzeugt, dass diese schon bald realität werden.
    In diesem Sinne bin ich gespannt, wie das Experiment ausgeht und vorallem, ob weitere Verlage nachziehen.

  4. Sam | 12.11.2009 11:25

    Es ist auf jeden Fall ein interessantes Experiment, das er da durchführt. Damit man dafür bezahlt, muss er deutlich bessere Qualität liefern als die kostenlos verfügbaren Newssites – wenn er das schafft, kann es gehen. Er hat schon Recht: etwas muss sich im Journalismus ändern, so wird es nicht weiter gehen. Ob seine Idee funktionieren wird, wage ich zu bezweifeln. Hut ab vor dem Mut.

    (ist diese Geschichte nicht schon Monate alt?)

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