Monopolisierung durch Kindle und PSP Go?

Yves Moret, 22.10.2009 6 Kommentare

Der Umstand, dass immer mehr digitale Produkte direkt über das Internet vertrieben werden, führt zu immer höherem Druck auf die Fachhändler mit Ladengeschäften. Gerade in den letzten Wochen wurde dies den Buchhändlern und den Vertreibern von elektronischen Games,  durch die Lancierung des Kindle und der neuen PSP Go,  vor Augen geführt.

Vorgemacht hat das ganze Vertriebsmodell Apple mit ihrem in iTunes eingebauten Store für Musik. Sie haben damit den Musikhandel gründlich aufgemischt und dafür gesorgt, dass die CD Händler nach den Umsatzeinbrüchen durch Raubkopierer nun auch zusehen mussten wie die „richtigen“ Kunden ihre Musik wo anders bezogen.

Kindle

kindleDie Buchhändler, die ohne hin schon mit dünnen Margen zu kämpfen haben, sehen ihre Felle durch den Kindle noch vermehrt davon schwimmen. Der Kindle ist ein Gerät, um elektronische Bücher zu lesen. Was ihn von der Konkurrenz abhebt, ist der Umstand, dass die EBooks die gekauft werden direkt über ein eingebautes UMTS Modem von Amazon auf das Gerät geladen werden. Der Preis für die Übertragung ist direkt im Preis für die Bücher enthalten, so dass für den Kunden keine zusätzlichen Kosten entstehen.
Immerhin können die Buchhändler noch hoffen, dass viele Kunden halt doch lieber noch ein richtiges Buch in den Fingern haben. Auch der Verkauf von Hardware für die EBooks könnte, bei den kleinen Margen der Geräte, den Buchhandel in der heutigen Form noch retten.

Sony PSP Go

sony-psp-goEin wenig anders, aber mit den gleichen Konsequenzen sieht es mit der Einführung der Sony PSP Go aus. Bis jetzt hatte der Fachhandel kaum eine Marge auf der Hardware für die verschiedenen Konsolen. Geld wurde mit den dazugehörigen Spielen verdient. Mit der Einführung der PSP Go setzt Sony nun auf den Onlinevertrieb für die Spiele.
Für die Händler bedeutet es nun, dass sie zwar die Hardware verkaufen dürfen, die gewinnträchtigen Spiele aber lieber von Sony selber vertrieben werden. Einige Händler haben sich schon entschlossen, die PSP Go zu boykottieren.
Sollte das Vertriebsmodell funktionieren, werden sich die Spielkonsolenhersteller wohl ziemlich schnell dazu entschliessen, auch für die anderen Konsolen die Software online zu verteilen. Zum Leidwesen der Fachhändler, die dann wohl ihre Läden dicht machen können.

Was haltet ihr von dieser Tendenz? Was mich an der ganzen Sache stört, ist der Umstand, dass mit diesen Vertriebsmodellen eine sehr grosse Monopolisierung mit ihren ganzen Nachteilen vorangetrieben wird. Ich denke nicht, dass dies im Interesse der Kunden liegt.

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6 Kommentare

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  1. Julian | 22.10.2009 15:24

    @Yves: Das stimmt, aber Franchise-Geschäfte unterstützen ja sogar diese Monopolstellung…

  2. Yves | 22.10.2009 13:08

    @Julian

    Wäre sicherlich eine Möglichkeit. Allerdings wird Amazon oder Sony natürlich ihr Monopol geniessen. Wieso teilen, wenn der Konsument das Spielchen mitmacht?

  3. Julian | 22.10.2009 13:04

    Als Bsp. will ich einmal Nokia ausführen. Nokia produziert Handys, Nokia verschleuderte Handys, und jetzt wo Nokia kein Geld mehr mit Vertragshandys machen kann, weil jeder irgendeine „nicht-subventionierende“ Flatrate besitzt, sprießen die Nokia-Stores aus dem Boden.

    Bedenke man dies einmal weiter, können die heutigen Händler ja einen Franchise-Store für die PSPgo oder den Kindle aufmachen!? Oder sehe ich das falsch?

  4. Andreas Von Gunten | 22.10.2009 09:22

    @Yves das finde ich natürlich alles auch #sheice, aber ich bin sicher, dass sich das bald lösen wird. Auf der einen Seite bin ich ziemlich sicher, dass sich DRM nicht durchsetzen wird und auf der anderen Seite müssen wir uns aber auch von der Idee des Besitzes des Inhaltes verabschieden. Bei solchen Devices wie einem Kindle oder PSP Go wirst Du für die Nutzung des Contents zahlen und nicht für den Besitz. Da bekommt dann auch das ausleihen eine andere Bedeutung. Genauso wie Du nicht mal eben Deinen GMail Account ausleihen kannst, wirst Du das auch nicht mehr mit Inhalten machen können. Bzw. Inhalt und Funktion sind viel stärker verzahnt im Angebot. Ich kaufe beim Kindle eben nicht einfach ein eBook, sondern ich kaufe die Möglichkeit einen Inhalt zu beziehen, zu lesen und weitere Funktionen des Kindle im Zusammenhang mit diesem Inhalt zu nutzen. Eventuell möchte ich diesen Inhalt zu anderen Zwecken auch auf anderen Devices nutzen, dass ist dann aber eine andere Frage. Es bleibt auf jeden Fall spannend 🙂

  5. Yves | 22.10.2009 09:16

    @Andreas von Gunten
    Ich gebe dir sicher Recht, dass man die Entwicklung nicht aufhalten kann. Es hat allerdings zu viele Faktoren, die mitschwingen und mich stören. Gegen den Online Vertrieb habe ich eigentlich nichts. Ich finde es erst stossend, wenn ich z. B. Bücher oder Games nicht mehr ausleihen kann. Wenn die Daten, DRM geschützt oder nicht, auf einem Medium sind, kann ich dieses Medium ohne schlechtes Gewissen weitergeben solange ich keine Kopie behalte.
    Um so schlimmer, wenn ich die Daten nur noch von einzelnen Quellen beziehen kann.

  6. Andreas Von Gunten | 22.10.2009 08:38

    well, jedes „Produkt“ dass „nur“ aus elektronischen Daten besteht, wird früher oder später vollständig über das internet vertrieben werden und dann braucht es den Händler logischerweise nicht mehr. Das war ja schon lange klar und alle die Spielehändler die es da gibt, werden das nicht überleben.

    Bei Büchern und den Buchhändlern mag das etwas länger gehen, aber die Spielehändler werden sehr bald Geschichte sein.

    Es macht ganz einfach keinen Sinn, Daten auf ein Medium zu speichern, dieses zu verpacken, in der ganzen Welt zu verteilen nur damit sie am Ende auf einem Device landen, auf welchem sie via Internet direkt hätten landen können.

    Ich wusste gar nichts von diesem PSP Go Boykott, das ist zwar herzig aber absolut sinnlos. So hart es ist, wer einen Spieleshop betreibt, macht den Laden lieber früher als später dicht.

    Die Monopolfrage ist eine wichtige, aber ich denke, da ist die Gefahr relativ klein. Daten lassen sich nicht zügeln, es wird verschiedene Devices geben und DRM wird immer geknackt werden. Solange der Gesetzgeber nicht damit beginnt veraltete Geschäftsmodelle zu schützen. Da liegt die eigentliche Gefahr, dass wir uns via Politik gegen den Wandel wehren und wir denken, dass es für uns als Gesellschaft besser wäre, wir würden dafür sorgen, dass die Buchhandlungen überleben.

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