„Erweiterte Realität“ für den Handy-Browser

Greenbooks Hotelbuchung Augmented RealityZwar ist „Augmented Reality“ (AR) nichts wirklich neues, denn bereits Ende der 90er Jahre wurde die Technik für technische Anwendungen, Medizin und auch Architektur verwendet. Das Konzept fand 1994 sogar in einem Roman des US-Autors William Gibson Verwendung. Mit der immer stärkeren Verbreitung von Smartphones könnte nun aber der Durchbruch von AR kurz bevorstehen.

Wenn uns technische Hilfsmittel mehr zeigen als die Natur hergibt, spricht man von „Augmented Reality“. Auch wenn uns der Begriff noch etwas schwerfällig über die Lippen kommt – technisch ist er mit modernen Handys relativ einfach umzusetzen, alles was es braucht, ist eine Kamera, ein GPS-Empfänger, ein Rechner und ein Bildschirm. Und funktionieren tut es bereits. Zum Beispiel mit der Applikation Layar, die derzeit nur für Googles Betriebssystem Android verfügbar ist. Layar legt über das von der Kamera aufgenomme Bild einen Layer, der weitere Infos zu den in der Kamera etwa sichtbaren Gebäude oder ähnlichem anzeigt.

Wikipedia, Wohnungen, Nationalparks
Wer mit seinem Handy und gestartetem Layar etwa durch die Stadt Zürich läuft, kriegt so etwa Informationen aus Wikipedia, flickr oder Brightkite auf dem Bildschirm angezeigt. In anderen Ländern ist man da schon bedeutend weiter und kann viele weitere, speziell auf den lokalen Markt angepasste Layer nutzen. So kann in den Niederlanden oder Deutschland etwa nach freien Wohnungen gesucht, in Spanien der Nationalpark Las Torunes erkundet oder in Japan nach Verkehrsverbindungen gesucht werden.

Für die Schweiz gibt es, und das erstaunt, bisher keinen einzigen Layer. Dabei wären auch hier die Möglichkeiten sehr vielfältig. Das meint auch Marteen Lens-Fitzgerald, Co-Founder von Layar auf meine Anfrage. Layar stellt dazu eine offene API zur Verfügung und würde sich über Developer aus der Schweiz freuen. Aber offensichtlich ist „Augmented Reality“ noch nicht in der Schweiz angekommen. Dabei gäbe es doch auch bei uns allerlei lokales zu erkunden, oder?

Und das iPhone?
Und wer sich nun wundert, warum iPhone-Benutzer für einmal das Nachsehen haben und auf offizielle „Augmented Reality“-Apps warten müssen: Schuld ist Apple. Der Konzern aus dem amerikanischen Cupertino hat es bisher nämlich noch nicht erlaubt, Applikationen zu verkaufen, die auf die Kameraschnittstelle zugreifen.

Trotzdem: Erste Programmierer haben es offenbar geschafft, via Update ihrer Applikation die Sperre von Apple zu umgehen. So gibt es seit kurzem etwa eine App der französischen Firma Presselite, die das Streckennetz der Londoner Busse und der Pariser Metro anzeigt und daneben Informationen über Sehenswürdigkeiten, Geschäfte und Restaurants einblendet. Und auch der amerikanische Empfehlungsdienst Yelp hat mittels eines Updates seiner App eine derartige Funktion in sein Programm geschmuggelt. Beide Anwendungen zeigen jedoch keine Daten für die Schweiz an.

Was haltet ihr vom Konzept der „Augmented Reality“ auf dem Handy? Mehrwert oder einfach nur Spielerei? Eure Meinungen sind gefragt!

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10 Kommentare

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  1. Dirk Worring | 1.09.2009 13:18

    Das Augmented Reality hierzulande noch nicht so klappt, liegt vielleicht auch daran, dass keiner „Erweiterte Wirklichkeit“ sagt. Und wenn, klingt es nach halluzinogenen Pilzen. Oder es liegt einfach daran, dass in der Schweiz hypes nicht so hype angenommen werden und man erstmal andere probieren lässt.

    @Tom: Neuromancer ist von 1984! Ein Roman der mich immer noch begeistert, gerade weil er schon so alt ist – und gleichzeitig so visionär wie Huxleys Schöne neue Welt

    @Ralf: ein gutes Restaurant wird man auch mit Reiseführer und Smartphone in Bremen finden. Hab 7 Jahre dort gelebt. 🙂

  2. Ralf | 1.09.2009 12:41

    @Yves: Zum einen ist es natürlich eine Spielerei. Was man auch beachten sollte, sind die Roaming-Kosten für das Abrufen der Daten von den genannten Diensten wie Wikipedia, flickr oder Brightkite. Einen Reiseführer wird AR sicherlich nie ganz ersetzen aber diese „Spielerei“ kann aber auch sehr interessant sein. Stell Dir vor, Du bist in einer fremden Stadt – sagen wir mal Bremen – und suchst ein Restaurant ganz in der Nähe oder stehst vor einem Gebäude, dass dir sehr gefällt. Dumm, wenn Du keinen Reiseführer zur Hand hast (wer hat schon einen Reiseführer von Bremen?!). Gut, wenn Du ein Smartphone mit AR in der Tasche hast 🙂 Wie gesagt, AR kann und wird einen Reiseführer nicht ersetzen. Aber man hat auch nicht immer gleich einen Reiseführer in der Hand, oder?

  3. Oli | 1.09.2009 12:34

    Dies ist genau das, was ich seit längerem immer mal wieder vorhersagte: Die ultimative Chance für Mobile Marketing! Kombiniert mit einem in der App definierten Interessenprofil des Nutzers eröffnen sich damit sehr interessante Möglichkeiten sowohl für Anbieter als auch Nachfrager.
    Ich wage zu behaupten, dass wir innert ca. 5 Jahren AR fast täglich aktiv nutzen…

  4. Yves | 1.09.2009 11:27

    @Tom: Wenn ich Informationen zum „Reiseziel“ brauche, kann ich die ja immer noch vom Handy abrufen. Ausserdem ist der Reiseführer weniger von den Steckdosen abhängig.
    Im Ernst, ich finde man erfährt eine Stadt, Gegend, Landschaft etc. anders, als wenn man mit vorgefertigten Multimedia Elementen zugedröhnt wird. Ein Spaziergang mit Handy vor der Nase? Nichts für mich, aber wers braucht……

  5. Sam Steiner | 1.09.2009 11:21

    Ein Grund, einsnullig zu werden ist dieser: alle coolen Apps nützen nichts, wenn der Akku des Smartphones unterwegs leck schlägt. Solche Apps mit Echtzeit-BIlder und exzessiver Nutzung von GPS/Kompass/UMTS werden den Akku schnell leer saugen.

  6. Tom Bruehwiler | 1.09.2009 11:16

    @Yves: Allerdings hast Du das Handy eh immer dabei und musst so den Reiseführer nicht noch mitschleppen. Oder nimmt man im einsnulligen Alter auch vom Handy Abschied?

  7. Yves | 1.09.2009 11:12

    Ist in meinen Augen eine Spielerei für Geeks. GPS, Kamera, Rechner, Bildschirm und Kompass für etwas, dass sich auch in einem Reiseführer nachlesen lässt? Ist mir zu viel Aufwand. Aber vielleicht werde ich im Alter ja wieder eher einsnullig. Gehts nur mir so?

  8. Tom Bruehwiler | 1.09.2009 09:29

    Du hast natürlich recht, Sam. Ein Kompass gehört auch zur nötigen Ausrüstung. Noch besser gehts, wenn auch ein Beschleunigungssensor an Bord des Smartphones ist, allerdings wird das von Layar im Gegensatz zu anderen Apps (noch) nicht unterstützt.

  9. Sam Steiner | 1.09.2009 09:20

    Man muss doch auch noch einen Kompass-Chip im Smartphone haben – und zwar eines, das auch funktioniert, wenn man das Gerät vertikal hält (um per Cam die Umgebung zu sehen). GPS alleine kann ja nicht wissen, in welche RIchtung man sieht.

    Die Schweiz ist wohl schlichtweg zu klein für die coolen (kommerziellen) Dinge 🙂 Die paar Leute, die hier ein Android-Phone haben, lassen sich an wenigen Händen abzählen.

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