Rechte, Abzocke, Original ohne Fälschung – Teil 2

abzockeWenn ich heute über Abzocke im Internet spreche, so ist dies nur ein kleiner Auszug. Eine komplette Liste betrügerischer und zweifelhafter Methoden, wäre sicherlich so umfangreich wie das Schweizer Strafgesetzbuch. Deshalb im folgenden nur zwei interessante Beispiele.

Die milde Variante: Lernen Sie, wie ich Millionär im Internet wurde. Ganz nebenbei.
„Ich habe mit Twitter schon 1,2 Millionen Dollar verdient. Ohne viel Aufwand. Auch Sie können das! Und ich freue mich dieses Wissen mit Ihnen zu teilen!“ Dann folgt oft ein tolles, auf der heimischen Couch gedrehtes Video (das nicht nach Millionär aussieht), ein erstes Kapitel ohne verwertbaren Inhalt. Und dann kann ich das Buch kaufen in dem alles erklärt wird. Nur frag ich mich, wer ein super Modell entwickelt hat, nebenbei Millionen zu verdienen, warum nimmt er sich, statt noch mehr Geld zu verdienen, lieber die Zeit ein Buch zu schreiben in dem er sofort sein Coca-Cola Geheimrezept verrät?

Was in solchen Büchern, die man für 17,99 runterladen kann steht, ist ein schlechter Lacher. Erstens findet man den Inhalt auch ohne Geld ausgeben im Web, man muss nur suchen. Und zum anderen sind die Inhalte i.d.R. veraltet, die angeblichen Erfolgskonzepte zu SEO, Börsenspekulationen oder Twittermillionen längst von Google, Twitter oder Finanzaufsicht geächtet und geblockt. Das wirklich Geheimnis hier ist nämlich ein anderes. Wenn man leicht eine Millionen verdienen will, schreibt man am besten ein Buch, in dem man dem Leser empfiehlt, ein Buch zu schreiben, dass seinen Lesern empfiehlt ein Buch zu schreiben wie man Millionär wird. Mit dem Prinzip Hoffnung spielen und der Sehnsucht nach Reichtum, funktioniert leider immer noch.

Die harte Variante: Versteckte AGB, Kosten, Nepp mit freien Inhalten
Seit geraumer Zeit grassieren dubiose Webseiten im Netz, die kostenlose Services anbieten. Lieschen Müller las in der Computerzeitung, dass Open Office von SUN eine tolle kostenlose Alternative sei. Im Netz findet sie dann eine Seite die verlüffend ähnlich klingt wie die echte Site. open-office-de.com statt openoffice.org. Dort wir angepriesen nach Registrierung kann man alles mögliche an nützlichen kostenlosen Programmen herunterladen. Frei und ohne Bezahlung. Diese Aussage ist so gesehen sogar richtig, in den AGB steht allerdings ein böser Hinweis. Downloads sind kostenlos, allerdings kostet die Registrierung 8,- EUR im Monat. Und kurz danach kommt eine Abmahnung vom Anwalt, man hätte nicht bezahlt und nun nochmal Gelegenheit dies zu tun. Inklusive der Anwaltsgebühren. Sonst werden gerichtliche Schritte eingeleitet. Seiten mit kostenlosen Services, die Verlangen dass man vollständigen Namen, Adresse, Telefonummern und Geburtsdaten angeben muss, riechen gleich fischig.

Was tun mit solchen Briefen?
Die klare Empfehlung der Verbraucherschutzorganisationen lautet: ingnorieren. Denn durch die versteckten Hinweise sind die geschlossenen „Verträge“ anfechtbar, die Abzocke klar. Weil die Beträge recht niedrig sind und vor allem rechtlich äusserst wackelig, hofft man mit Einschüchterung Gelder einzutreiben. Vor Gericht zieht damit niemand. Sollte tatsächlich ein gerichtlicher Manhbescheid ins Haus kommen, kann man einfach innerhalb 2 Wochen grundlos widersprechen. Spätestens dann wird es still, weil es sich nicht mehr lohnt für die Abzocker. Hilfe und Informationen findet man bei den Verbraucherschutz Verbänden.

Fazit
Geld verdienen funktioniert im Internet genauso wie in jedem anderen Zweig der Marktwirtschaft. Gute Produkte, gute Services und vor allem harte Arbeit und ehrliche Geschäfte. Wäre das Leben so einfach wie oben beschrieben, wären wir doch alle schon Millionäre. Anders mag es bei Geschäften aussehen, auf die in den meisten Ländern hohe Gefängnisstrafen stehen. Aber ein paar Jahre absitzen soll auch kein Zuckerschlecken sein hörte ich.

Seit ihr schon mal von Anwälten bedrängt worden, die internetbekannt als Abzocker sind und Aktenkundig bei Verbraucherschützern und Staatsanwälten? Oder habt ihr mal ein Buch über ein totsicheres Konzept runtergeladen und Euch dann schwarz geärgert?

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5 Kommentare

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  1. Michael Andreas | 1.09.2009 09:34

    @Dirk, ich meinte nicht, dass die Abzocker auf Platz 1 der Trefferliste erscheinen.
    Sondern das besonders perfide ist, die stehen als bezahlte Werbung oberhalb der
    eigentlichen Treffer (gelb unterlegt, klitzerkleiner Hinweis „Anzeige“). Man hält das für ein Suchergebnis oder sogar für eine „Empfehlung“ durch die Suchmaschine,
    dabei hat nur der Abzocker für diese Positionierung bezahlt.

  2. Dirk Worring | 25.08.2009 07:44

    @michael Was die Werbung bei Google betrifft gebe ich Dir recht, da müssten die schneller reagieren und am besten schon bei Schaltung der Anzeigen prüfen ob die Seite vertrauenswürdig ist.
    Was die Ergebnisse in Suchmaschinen betrifft, die werden durch einen automatisierten Algorythmus erzeugt. Da diese Seite oft reichlich Traffic haben, erst weil Leute danach suchen, dann weil es in den Focus der Verbraucherschützer gerät, sind die Positionierungen organic Listings. Das Google eine Weile braucht bis das ausgemerzt und blacklistet ist kann ich verstehen. Wenn auch unschön…

  3. Michael Andreas | 24.08.2009 14:14

    Die Spinne im Netz ist google. Die werben Tag für Tag für Tag für immer neue dieser Abzockerseiten und handeln extrem langsam oder gar nicht nach
    Beschwerden. Manche Abzocker auch noch auf Platz 1 der Trefferliste erscheinen
    zu lassen (gelb unterlegte Werbung) ist dann das Tüpfelchen auf dem i.
    Dass eine milliardenschwere Firma auf die Werbung mit Abzockern angewiesen
    scheint oder aber nicht die Mittel hat, das zu bereinigen, läst mich ihrem Börsenwert zweifeln.

  4. Dirk Worring | 24.08.2009 12:14

    @Roger Glücklicherweise gibt es die ersten rechtskräfitgen Urteile, der Verbraucherschutz fordert sogar einschlägigen Anwälten die Lizenz zu entziehen. Es steht also die Hoffnung das zumindest dieses Modell bald Geschichte ist. Bis dahin allerdings werden sicherlich noch viele darauf herein fallen. In Deutschland momentan jährlich eine viertel Millionen User. Traurige Bilanz…

  5. Roger | 24.08.2009 09:18

    Meine Freundin hatte leider das Vergnügen, auf eine der Abzockerseiten (open***load.de) reinzufallen – der AGB-Abo Trick mit dem Flash Player.
    Vor ein paar Monaten erhielt sie dann einen Brief einer Anwaltskanzlei (Name gerade vergessen, sorry). Wir haben den Brief schlicht ignoriert (wie die im Netz auch oft geraten wurde) und seit dem nichts mehr von den Heinis gehört 🙂

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