Neues Marketing durch CH-Firmen

Niemand wird abstreiten, dass neue Plattformen wie Facebook und Twitter die Möglichkeiten für Firmen, via Internet mit potentiellen Kunden zu kommunizieren massiv erweitert haben. Diese Möglichkeiten sind aber nicht einfacher geworden. Im Gegenteil.

Die Bannerwerbung-Overkill-Zeiten sind vorbei
Wir sind bannerblind geworden. Banner werden durch AdBlocker-Tools komplett ausgeblendet oder spätestens durch unsere soweit evolvierten Sehzentren. Es interessiert uns einfach nicht mehr, in einem für den Werber positiven Sinn, wer zurzeit gerade unsere Lieblings-News-Website mit Werbung verunstaltet. Es nervt eher.

Die Möglichkeiten im Internet sind enorm
Die Unwirksamkeit von klassischen Werbeformen wie Bannerwerbung unterstreicht aber genau die Möglichkeiten in der neuen, interaktiven Internet-Gesellschaft. Klassische Werbung – ob Banners im Internet oder TV-Spots – kommt nie so nah an die Leute ran, wie interaktives oder sogar „soziales“ Marketing. Ich kaufe viel eher ein Produkt, das mir von anderen empfohlen wurde.

Marketing muss neu gelernt werden
Ich nehme hier grosse Worte in den Mund aber diese Beobachtung mache ich immer wieder bei klassischen Marketeers: sie versuchen, ihre alten Methoden im Internet anzuwenden und rennen dabei gegen Wände. Social Marketing ist viel mehr als eine Facebook-Page zu starten, möglichst viele „Fans“ zum Registrieren zu bringen und sie nachher mit Werbetexten zu überfluten. Es geht nicht gut, wenn man einen Twitter-Account startet und darin nur Werbebotschaften verbreitet.

Das Erlernen dieser neuen Dynamiken ist interessant – man muss aber bereit sein, selbst einzutauchen und Dinge durch eigenes Erleben zu lernen. Die wenigsten Marketing-Lehrer werden heute schon erfahrene Social-Media-Profis sein. Meine Empfehlung ist nicht neu: Schweizerische Firmen sollten bereit werden für die neue Web-Generation, indem ihre Marketing-Leute diese neuen Plattformen jetzt anfangen einzusetzen.

An dieser Stelle hätte ich gerne 10 grössere schweizerische Firmen als Digitec und Brack aufgelistet, die sich auf geschickte Weise an die neuen Gegebenheiten im Internet herantrauen. Die Liste braucht wohl noch eine Weile. Wenn eine Firma wie Local.ch Angst vor Social Media hat, wie sollen dann von den gestandenen Firmen erwartet werden, dass sie sich trauen, Social Media Funktionen einzusetzen? Oder liegt es am Unwissen der Web-Agenturen in der Schweiz?

Mich würden nun eure Ideen für CH-Firmen interessieren. Wie könnten eine Migros, eine Coop, die SBB oder eine kleine Dorf-Bäckerei die neue, interaktive Kundennähe auf sinnvolle, aufwandmässig bezahlbare Weise einsetzen? Bin auf Vorschläge in den Kommentaren gespannt!

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16 Kommentare

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  1. Sam Steiner | 26.08.2009 08:38

    @Pascal – „Es könnte ja jemand etwas Böses gegen mein Produkt sagen? Und schon ist es für sie gestorben.“

    Diese Reaktion habe ich auch schon so erlebt. Und genau deshalb plädiere ich dafür, dass sich Marketing-Leute wirklich mit der Sache befassen, um in solchen SItuationen besser argumentieren zu können.

    @Stefan – „Die Entwicklung geht sehr schnell und Unternehmen, welche hier nicht nachziehen, werden es immer schwerer haben.“

    Ja, nicht alle Firmen werden Social Media brauchen – in einigen Branchen wird es aber wichtig werden und dann ist es dann herzlich spät, sich in dieser neuen Welt plötzlich einzuleben.

  2. Stefan H. | 25.08.2009 15:43

    Selbst im Familienkreis kenne ich erfolgreiche Unternehmer, welche selbst den Wert einer Webseite bis jetzt noch nicht erkannt haben und bis heute noch keine haben.

    Die Entwicklung geht sehr schnell und Unternehmen, welche hier nicht nachziehen, werden es immer schwerer haben. Es braucht nicht jedes kleine Unternehmen eine Facebook Seite, einen YouTube Account, ein Corporate Blog und in jedem Netzwerk ein Firmen-Profil, doch mit dem einen oder anderen sollte man sich (auch als Schweizer Unternehmen) schon befassen. Vor allem aber mit den generellen Veränderungen in der Kommunikation.

    Und hier liegt es auch an den Agenturen, nicht nur von Social Media & Co. zu sprechen, nur weil es gerade IN ist, sondern sich auch wirklich damit zu beschäftigen, um den Kunden die Erfahrungen weiterzugeben.

    Es braucht keine Agentur und kein Unternehmen von 0 auf 100 zu gehen. Schritt für Schritt die neuen Möglichkeiten zu erproben und später auszubauen macht einiges mehr Sinn und bringt auch nachhaltigen Erfolg.

  3. Pascal Burckhardt | 25.08.2009 14:50

    Hallo Zusammen

    Sicher ist das Schweizer Firmen mühe haben mit neuen Medien. Die meisten sehen im Internet noch immer eine moderne Art der Visitenkarte oder des Prospektes. Das mit Web 2.0 die Möglichkeit besteht mit dem Kunden/User/Interessierten in den interaktiven Kontakt zu treten sehen sie nicht oder macht ihnen wirklich Angst. Es könnte ja jemand etwas Böses gegen mein Produkt sagen? Und schon ist es für sie gestorben. Dann machen wir lieber ein lustiges online Spiel.

    Was ja eventuell genau den Effekt hat, wenn es gut gemacht und lustig ist wird sich das über Facebook schon verbreiten und eventuell waren sie so clever und haben auch eine Fanseite gemacht, aber meist vergessen sie das. Also es gibt noch viel zu tun.

    Lustig, witzig & Co sind immer noch die besten Marketing Motoren online, dies sieht man auch auf Youtube.

    Facebook ist sicher im Moment das Medium wo eine Firma sich clever bekannt machen kann. Im Partybereich ist so exterem das die ‚alten‘ Partyplattformen wie Ausgang.ch und Tilllate.com schwere bis sehr schwere Zeiten durch machen und zu fast allem bereit sind um ein paar User auf ihre Seiten zu locken.

  4. Adrian Iten | 25.08.2009 11:01

    Schreibfehler endteckt und ich nerv mich darüber! Ich „Schlufi“.

  5. Adrian Iten | 25.08.2009 10:59

    Social Media muss für die viele Firmen ein Thema sein, aber noch lange nicht für alle, wird es auch nie für alle Firmen sein müssen.

    Twitter wird massiv überbewertet und ist im Moment für 99% der Schweizer Firmen unbedeutend. Twitter Monitoring kommt für vielleicht 10% der Firmen in Frage.

    Facebook hat massig Reichweite und ist auch dementsprechend attraktiv. Unbestritten. Wie oben erwähnt, ist hier der richtige Mix und Inhaltspflege entscheidend. Nicht zu verachten ist meines Erachtens, dass Facebook im Moment einfach miserabel umgesetzt ist im Bezug auf Gruppenpflege.

    Fakt ist, dass dir im Moment (im Schweizer Markt) jede Agentur Social Media Honig um’s Maul schmiert und eigentlich keine Ahnung hat (klar, nicht alle, aber sehr viele), vergessen den Resultate versprechen kann. Man spricht von Twitter & Facebook, vergisst was sonst noch möglich ist und verwechselt oft Kanäle mit Instrumenten.

    Ich bin klar der Meinung, dass ein strikter Verzicht besser ist als unpassende, unüberlegte oder aufgezwungene Anwendung.

  6. Stefan H. | 22.08.2009 13:28

    Wie mike anspricht, so haben einzelne Netzwerke vielleicht für bestimmte (Schweizer-)Unternehmen, Marken oder Produkte noch eine (zu) geringe Anzahl an relevanter Nutzer. Hinzu kommt, dass sich viele User entweder im einen oder im anderen Netzwerk (Twitter, Facebook, Xing etc.) aufhalten, sich ihre Infos über Suchmaschinen oder Google News holen oder die unterschiedlichen Plattformen noch gar nicht nutzen.

    Kommunikationsinstrumente wie z.B. der Kurznachrichtendienst Twitter können aber trotzdem auch für kleine Unternehmen interessant sein (schnelles Feedback, Infos, Angebote, Diskussionen mit Kunden).

    Vielleicht kommen die User aber nicht alleine „von“ Twitter zum Unternehmen, sondern werden bewusst vom Unternehmen zur Twitter-Seite geführt.

    Oder die Tweets werden auf der eigenen Webseite eingebunden und bringen damit auch Mehrwert für Nicht-Follower.

    Eine spannende Möglichkeit, Social Media über mehrere Seiten sinnvoll zu nutzen, sind z.B. Corporate Quellen (http://live.mediaquell.com). Hier schafft das Unternehmen eine eigene Plattform, bindet eigene Inhalte wie Fotos von Flickr, Videos von YouTube, Live Updates von Twitter, Facebook und Feeds etc. ein, publiziert aktuelle News und Nachrichten und verweist gleichzeitig auf andere Präsenzen im Web (Webseite, Shop, Blog, Slideshare etc.). Die Zielgruppe wird so von verschiedenen Stellen aggregiert, erhält die Möglichkeit zur Kommunikation auf der Unternehmensplattform selbst oder in einem der angeschlossenen Netzwerke. Je nach Vorlieben des einzelnen Users.

  7. mike | 21.08.2009 18:56

    @sam

    was bedeutet für dich social media marketing?

    ob sie taub werden hängt vom account besitzer ab, ob er einen mehrwert bietet, unterhaltsam ist oder einfach nur ein account um zu spamen hat.

    twitter ist für den schweizermarkt zu klein momentan mit 9000 usern. facebook ist eine ideale spielwiese mit 1,4 millionen usern. eine mischung aus klassischem marketing (offline), facebook werbung, facebook fanpage, youtube videos und dem addthis button kann schon einiges bewirken auch mit einem kleinen werbebudget.

  8. Sam Steiner | 21.08.2009 17:03

    @mike „dann hast du doch schon eine grosse reichweite“

    Du denkst in die klassische Richtung. Die ist nicht grundsätzlich falsch. Dazu muss man aber nichts von Social Media Marketing verstehen – und man verpasst dabei viele Möglichkeiten. In dieser grossen Reichweite werden die Leute irgendwann „taub“ werden, weil man so immer noch nach alten Methoden einfach nur Werbebotschaften rausposaunt.

  9. mike | 21.08.2009 16:58

    da bin ich nicht ganz deiner meinung… kleine anregung wenn du es schaffst mit verschiedenen fanpages auf facebook ca. 200’000 fans zu haben, dann hast du doch schon eine grosse reichweite um deine seite, fanpage oder produkte zu bewerben.

    brack ist für mich ein beispiel wie man es besser machen könnte. erstens das gewinnspiel hat sicher viel geld gekostet, da gibt es eine app mit der es fasst gratis ist….

  10. Dirk Worring | 21.08.2009 13:23

    Als erstes muss ich mal eine Lanze brechen – sowoh für die Unternehmen, wie auch für die Werber aus der Klassik – sprich Agenturen die Marken führen. Das eine Webagentur wie unsere solche Kommunikationskanäle sofort aufgreift, versteht und in Kundenkonzepte umsetzen kann, das wird von uns erwartet.
    Das die Werber nicht auf gleicher Höhe mithalten können wenn es um brandneue Sachen geht ist nicht zu verübeln. Und das Etatdirektoren auf Agenturseite / Marketingleiter und ihre Vorgesetzten nicht von heute auf morgen umkrempeln ist auch verständlich.
    Und das gerade vor dem Hintergrund, dass sich die Art zu Kommunizieren und zu Werben durch Social Communities zu extrem und rasch verändert hat.

    Die leidige Frage: „Was bringt uns das?“, erinnert natürlich an den legendären Satz von Henry Ford: „Ich weiss, die Hälfte meiner Ausgaben für Werbung sind rausgeschmissen, ich weiss nur nicht welche.“.

    Das die Konsumenten angefangen haben (bzw. endlich eine „globale“ Möglichkeit haben, ein althergebrachtes Muster wieder aufzugreifen), Fremden mehr zu vertrauen als Fachmagazinen und Werbung ist ein Trend, auf den die Unternehmen reagieren müssen. Aber das kann man nicht mit der Brechstange machen.

    Was einem Präsenz und Kommunikation im Social Media Bereich bringt, ist leicht beantwortet: Soviel wie das persönliche Gespräch auf dem Golfplatz oder der After Work Party.

  11. mike | 21.08.2009 13:17

    @sam steiner

    was sind für dich 10 grössere firmen? könnt ihr erfolge ausweisen mit social-community z. b. aps, fanpage, facebook werbung, wettbewerbe etc.?

    leider konnte ich bislang von euch keine erfolge lesen, deshalb bin ich skeptisch…

  12. Sam Steiner | 21.08.2009 12:45

    @Marc – ich lasse mich sehr gerne überraschen 🙂

    Gerade weil der Artikel schon so alt ist und ich immer noch keine Auswahl-Hilfen (zB Ratings) sehe, welches Restaurant ich nun in Rapperswil nehmen soll, dünkt mich, da muss bald etwas gehen. Mittlerweile habe ich aber praktisch alle Restaurants in Rappi selbst getestet.

  13. Marc Isler | 21.08.2009 12:41

    @ Sam: Der von Dir zitierte Artikel stammt vom Mai 2008, also in der Internet-Zeit sozusagen uralt. Denn: Wir schlafen nicht, lass Dich überraschen :-).

  14. Yves | 21.08.2009 11:22

    Aus meiner Sicht ist das Problem bei der Offenheit der Werbenden zu suchen. Man gibt sich zwar gerne mutig und kreativ, wenn es aber ans Umsetzen geht, liegt doch immer irgendwo ein Hemmschuh und man setzt wieder auf die alten, ausgelutschten Werbemethoden. Was hätte man zu verlieren, wenn man mal was anderes ausprobiert? Gerade Social Media ist ohne grosse Investitionen möglich. Aber man muss es halt ausprobieren und es gibt keine Garantien für den Erfolg. Aber hey, wo gibts das schon? Dies ist wohl der Grund, wieso lieber auf herkömmliche Methoden gesetzt wird. Diese erlauben es viel besser, einen geringen Erfolg zu verschweigen, da ja eh nichts messbar ist.

    Der andere Grund ist böse Ausgedrückt die Arroganz der Werber. Es wird viel zu wenig darauf gehört, was der Konsument eigentlich will. Statt einen George Clooney im Fernsehen sähe ich vielleicht lieber eine App auf dem IPhone, die mir erlaubt, meine Kapseln auf der Heimfahrt schnell zu bestellen. Aber eben, die Werber schreien immer Kunde, Kunde, Kunde, in Wirklichkeit wollen sie aber besser wissen, was der Kunde mag.

    Die Zeiten waren nie so einfach, um herauszufinden, was der Kunde wirklich will. Der Schlüssel dazu sind aber nicht Banners oder Plakate.

  15. Sam Steiner | 21.08.2009 09:11

    @Marc – so spannend ist dieser Abschnitt nicht, die Gründe für diese Aussage hatte ich im verlinkten Artikel erwähnt. Sehr kurz gefasst: Social Media funktioniert mit Empfehlungen etc. Wenn ich in local.ch noch über ein Jahr nach dem oben erwähnten Artikel bei einer Suche nach Restaurant Rapperswil immer noch eine statische Liste von 40 Restaurants kriege, hilft mir das nicht, mich wie jemanden zu fühlen, der sich dort auskennt. Eine Google-Suche ist da viel besser, da kriegt man Ratings.

    Die Antwort von Local zu dieser Sache steht ja auch in dem Beitrag und ist krass eins-nullig:

    […] Man muss aber auch beachten, dass bei einem negativen Feedback der Adressinhaber und vielleicht sogar Kunde nicht gerade erfreut darüber wäre. […]

    In der Zwischenzeit hatte ich auch mit einem früheren Mitarbeiter von Local gesprochen, der mir – vor allem auf höheren Führungsstufen (eher: Geldgeber) – eine Angst vor dem Verlust von Kundengebühren bei einer Lancierung von fortschrittlichen Features bestätigt hat. Ich kenne ein paar Local-Mitarbeiter und weiss, sie denken der Zeit voraus. Trotzdem macht Local halt das, was die Geldgeber fordern (bzw das nicht, was die Geldgeber nicht wollen).

  16. Marc Isler | 21.08.2009 08:26

    Spannend, vor allem der Abschnitt „Wenn eine Firma wie Local.ch Angst vor Social Media hat“. Nun: Wir sind vorne mitdabei mit Twitter (www.twitter.com/localch), Facebook-Gruppe (http://is.gd/2rjzJ) und seit Jahrem einem Firmenblog (blog.local.ch). Neue Features auf der Plattform sind in Planung (siehe http://is.gd/2rjGG) und folgen bald, wir freuen uns auf Ideen und Kommentare direkt in unserem Blog (http://is.gd/2rjGG).

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