Rechte, Abzocke, Original ohne Fälschung – Teil 1

LawbooksDas Internet ist ein wundervoller Ort, doch durch sein schnelles Wachstum hatte es bei Zeiten den Hauch vom gesetzlosen Wilden Westen. Vor allem Privatleute und kleine Unternehmen ohne fundierte Erfahrung in Fragen des Copyrights und Nutzung von Inhalten auf der eigenen Webseite, tappen in die Rechtefalle – und  zweifelhafte Anwälte freuen sich.

In diesem mehrteiligen Artikel werde ich über die Grundlagen von Rechten, typische Abzocke, sowie das Phänomen von „Original ohne Fälschung“ in der Zeit des digitalen Schaffens reden.
(Das Bild stamm von umjanedoan)

Der Grundsatz des Urheberrechtes
Ganz pauschal muss man sagen, das grundsätzlich alles was jemand selbst erstellt und veröffentlicht rechtlicht geschützt ist. Dies ist festgelegt durch das sogenannte Urheberrecht. Was schlicht bedeutet, wenn Sie einen Text verfassen, ein Foto machen, ein Video drehen oder einen neue Melodie ersinnen, sind Sie der Urheber und besitzen ein zunächst uneingeschränktes Recht auf dieses Material. Dabei ist es unabhängig von welcher Qualität, künstlerischem oder monetärem Wert das „Werk“ ist. Auch das Foto von Ihrer Katze ist geschützt. Sie allein bestimmen ob, wer und in welcher Form andere diese von Ihnen geschaffenen Inhalte verwenden dürfen. Begrenzt ist das Urheberrecht auf 70 Jahre nach Ableben des Erschaffers, bei Software beträgt die Spanne 50 Jahre. Danach kann jeder das Material verwenden, nach seinem Gusto (So sind zum Beispiel die gesamte Musik von Bach und Wagner Allgemeingut).

Typische Fehler und Fallen
Was sicherlich am häufigsten passiert, ist das Kopieren und Verwenden -aus Unwissenheit oder Ignoranz- von Texten und Bildern auf der eigenen Website, die man „irgendwo“ gefunden hat. Eben weil es so leicht ist Inhalte zu finden, zu kopieren und weiterzuverwenden, machen sich viele Webseitenbetreiber keine Gedanken über die Rechtslage.

Zum anderen gibt es oft verwirrende Angaben. Auf Seiten von Foto Anbietern findet man Rights Managed und Royalty Free Fotos. Free klingt immer gut und kostenlos. Doch in diesem Beispiel bedeutet es nicht rechtefrei. Rights Managed bedeutet, dass man eine Lizenz erwirbt mit genau definierter und begrenzter Verwendung (welches Medium, welche Auflage / Verbreitung, für welchen Zeitraum), wohingegen Royalty Free eine Lizenz ist, welche es dem Lizenznehmer erlaubt das Material in jedem Medium, in jeder Auflage und zeitlich unbegrenzt zu Nutzen.

Was ist denn wirklich frei zur Nutzung?
In den letzten Jahren haben sich immer mehr Urheber entschieden, ihre Werke einfach frei zur Verfügung zu stellen. Dabei bleibt das Urheberrecht trotzdem beim Erschaffer, auch wenn er jedem erlaubt es zu nutzen. Dies bedeutet wiederum noch nicht, dass sie die Werke verändern dürfen, in ihre eigenen Werke einbauen, ohne Nennung des Urhebers verwenden dürfen, oder kommerziell einsetzen. Die Organisation Creative Commons hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Urhebern ein einfaches System zur Lizensierung zu geben. Diese Lizenz hat einfachverständliche Regelungen:

Attribution 1. Die Zuschreibung: Das Werk darf in jeder Form genutzt werden, verändert, in eigene Werke integriert, zusammengemixt und kommerziell genutzt werden. Nur der Urheber muss genannt werden.

CC Attribution Sharealike2. Zuschreibung und gleiche Lizensierung: Wie oben, nur verpflichte sich der Nutzer das Werk und/oder seine neue Kreation daraus unter den gleichen Bedingungen weiterzugeben wie der Urheber, der genannt werden muss.

CC no derivates3. Nutzung ohne Veränderung: Das Werk kann uneingeschränkt (auch kommerziell) genutzt werden, darf aber nicht verändert werden (auch Ausschnitte sind nicht erlaubt), der Urheber muss genannt werden.

Zu diesen drei Lizenzbedingungen gibt es jeweils noch die Variante, dass die Werke nicht kommerziell genutzt werden dürfen.

Wie findet man solch lieznsierte Werke?
Creative Commons hat auf der eigenen Seite ein Suchmaschine zu Auffinden von Werken die unter der CC Lizenz veröffentlicht wurden. Und für Firefox Nutzer gibt es auch ein Plug In mit dem nach solchen Inhalten gesucht werden kann.

Wie sieht es bei Euch aus? Seit Ihr Euch im klaren über die Rechtslage, wurdet Ihr schon Opfer von „Werkeklau“ oder habt anwaltliche Abmahnungen bekommen? Und was haltet Ihr von Creative Commons?

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12 Kommentare

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  1. Andreas Von Gunten | 19.08.2009 15:27

    @Dirk, ich finde das ja auch richtig, was du schreibst, den in der Tat ist die Rechtslage so, ich wollte einfach darauf hinweisen, dass wir uns auch eine andere Welt vorstellen könnten. Ein anderer Aspekt zur Thematik, der vielleicht sogar etwas den Hang zum „off-topic“ hat, das gebe ich zu 🙂

    @Sam und @Dirk, nun, es gibt halt ganz einfach kein recht darauf, von digitalen Kopien seines Werkes leben zu können. Von dieser Vorstellung müssten wir uns verabschieden.
    Eine Band macht Konzerte und verkauft zusätzlich Material an die, die dafür bereit sind zu bezahlen. Genau so, wie das vor der Erfindung der Urheberrechte auch der Fall war. Der Kreativität sei hier freier Lauf gewährt 🙂

    Und auch hier sei nochmal erwähnt, dass 99% aller Bands eh nicht von Tonträgern leben können, und die paar CD’s die sie verkaufen, verkaufen sie an Konzerten an Leute, die diese Band durch den Kauf unterstützen wollen. Das würde auch weiterhin genau so funktionieren 🙂

    Um es ganz einfach und radikal zu sagen. Content und Ideenklau würde es in meiner Idealwelt gar nicht geben, weil diese eh frei sind und darum nicht geklaut werden können. Wenn dann jemand mit meiner Idee Geld verdient, so be it, deswegen entsteht ja bei mir kein Schaden 😉

  2. Sam Steiner | 19.08.2009 13:55

    Und ja, ich glaube, SUISA ist evil 🙂

  3. Sam Steiner | 19.08.2009 13:54

    @Andi – ich finde deine Gedanken zu Urheberrecht sehr interessant (auch am Twitterbier etc), kann sie nachvollziehen und unterstützen, sehe aber (wie vielleicht Dirk auch) den praktischen Ansatz noch nicht. Ich finde es zwar innovativ, wie gewisse fortschrittliche Bands mit dem Thema Downloads umgehen, sehe aber wenig Ansätze für generelle Lösungen. Wie lebt ein „Künstler“ von seinen Werken, wenn sie grundsätzlich nicht mehr geschützt sind?

  4. Dirk Worring-Ramstoeck | 19.08.2009 13:17

    @Andreas Ich habe ganz bewusst eine persönliche Wertung aus diesem Artikel rausgelassen, da es eine Hilfe und Orientierung für viele durch Anwälte gepeinigte Webseitenbetreiber sein soll. Daher keine Verwirrung stiften, sondern einfach an die derzeit gültigen Fakten halten.
    Dein Einwand bzgl Inspiration verstehe ich durchaus. Allerdings ist das schon wieder so wenig fassbar, dass man dazu keinerlei gesetzliche Regelung treffen kann. Ich persönlich freue mich auch über jede Zitierung, Verwendung und Weitergabe meines Schaffens. Ich mache nichts für mich, sondern für Alle.

    Problematisch wird es natürlich bei Menschen die von Ihren Werken leben (müssen). Sie müssen eine Möglichkeit haben einen Anspruch auf ihre Arbeit (oder die Neuschaffung / Erweiterung bestehender Ideen) geltend machen zu können.

    Dass sich Copyright und Urheberrecht, sowie die in Anspruchnahme dieser Rechte ändert, durch den Einfluss des Wildwuchses Internet treibt genauso viele schöne Blüten, wie schmerzhafte Stacheln. Janusköpfiges Theater. 😉

  5. Andreas Von Gunten | 19.08.2009 13:08

    Das mit dem sogenannten Urheberrecht ist halt so eine Sache, die man ganz grundsätzlich hinterfragen sollte.

    Mir ist klar, dass im Moment die internationale Rechtslage so ist, wie Du das hier beschreibst.

    Das Konzept des geistigen Eigentums ist aber m.E. grundfalsch.

    Wer kann denn schon behaupten, seine Arbeit, egal wie kreativ er oder sie war, sei auf seinem Mist gewachsen.

    Alles was wir an Inhalten produzieren, ist letztendlich inspiriert durch das, was schon da war. Wir setzten im besten Fall etwas neues dazu, oder kombinieren neu. Aber wir müssen immer auf bestehendem Aufbauen können.

    Die Idee der immateriellen Güter mag zwar dem einen oder anderen ein Businessmodell sichern, ist aber gesellschaftlich gesehen, schlecht, denn es schränkt den freien Austausch der Ideen viel zu stark ein.

    Kommt übrigens dazu, dass es für die meisten von uns, die irgenwelche Inhalte produzieren, wohl eher ein Segen als ein Fluch wäre, das Zeugs würde kopiert und benutzt und weiterentwickelt usw.

    Natürlich bin auch ich der Meinung, dass wir, dort wo wir die Inspirationsquelle kennen, verpflichtet sind, diese zu nennen. Aber oft, kennen wir sie halt nicht, oder wissen es nicht mehr, woher etwas in unseren ach so genialen Kreativkopf hereingekommen ist, nicht wahr?

    Deine Äusserung mögen juristisch korrekt sein, aber nicht alles was Gesetz ist, ist auch gut 🙂

  6. marcel bernet | 19.08.2009 12:52

    nach einschlägiger abmahnerfahrung haben wir endlich gelernt, keine fotos von irgendwo im blog zu verwenden. wird alles bei istockphoto gekauft oder wir verwenden problemlose sachen wie logos von events oder so. unsere eigenen inhalte haben wir auch mit creative commons geschützt, siehe http://www.bernetblog.ch/impressum. danke für die gute zusammenfassung.

  7. Chris | 19.08.2009 12:34

    Wie ist die Sache eigentlich bei Blogs? Wenn ich was aus einem anderen Blog übernehme, dann formuliere ich es im Stil von „Wie XYZ schreibt“. Gibt es da Regeln wieviele Zeilen man kopieren darf? Klar, nachfragen ist immer am besten.

    Ich blogge manchmal Forenbeiträge von anderen Usern im Blog. Hier frage ich aber immer nach.

    Zum Glück hatte ich bis jetzt keine Probleme, aber so gross ist mein Blog ja auch nicht 🙂

  8. Dirk Worring-Ramstoeck | 19.08.2009 12:02

    @Thomas: Das ist in der Tat eine sehr bedenkliche Entwicklung die mir auch schon aufgefallen ist. Es scheint, dass man neben der rechtswidrigen, aber kostensparenden Verwendung von Inhalten aus ökonomischen Grüden, wohl auch die Mentalität aus dem Hausgebrauch mit ins Unternehmen nimmt. Namentlich die Manier, es gibt doch alles umsonst zu „klaufen“, warum soll ich für irgendwas bezahlen. Oder auch nur Urheber und Quellen nennen (was im Übrigen ja auch kein Geld kostet). Sad but True

  9. Thomas Hutter | 19.08.2009 11:50

    Das mit dem Urheberrecht ist so eine Sache… jedenfalls nehmen es nicht alle mit dem Urheberrecht so genau, bzw. ist das Recht an einem Werk ziemlich dehnbar. Siehe dazu auch: http://www.courantnormal.ch/blog/newsnetz-und-copyright

  10. Dirk Worring-Ramstoeck | 19.08.2009 09:53

    @Sam: Stimmt, den Urheber namentlich zu nennen ist oft nicht möglich, da nicht verfügbar. Beim Bild oben habe ich die flickr Profilseite als Quelle angegeben, weil kein Name da. Und was man daran auch erkennen kann, viele legen gar nicht den Wert auf ihr Urheberrecht und wollen unbedingt erwähnt werden. Sie fügen die CC Lizenz hinzu um einfach klar zu machen, dass man es verwenden darf. Weil Sie sich als Urheber aber gar nicht rechtsverbindlich zu erkennen geben, kann / muss man das auch nicht hinzufügen.

  11. Sam Steiner | 19.08.2009 09:43

    Ich finde das „BY“ ist oft recht einfach hinzugefügt (zB in Flickr). Und sucht man dann die Angabe des Urhebers, den man erwähnen sollte, findet man weit und breit keinen verwendbaren Namen (in Flickr sind oft die echten Namen nicht angezeigt).

    Meiner Meinung nach werden noch zu viele Bilder einfach in Blogbeiträgen verwendet, ohne die Lizenz einzuhalten (und ich muss leider sagen, ich muss mich da selbst an der Nase nehmen).

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