Goodbye Compuserve

compuserve-fensterWer 1979 bereits eine Nutzerkennung in der Art 61438,3243 besass, war ein Vorreiter. Der wählte sich mit einem Akustikkoppler schon damals in eine Art Internet ein und war online. Lange bevor „die Welt“ online war. Nach 30 Jahren ist nun Schluss mit Compuserve Classic.

Wer vor 30 Jahren schon wusste, wovon er sprach, wenn er Begriffe wie E-Mail, Onlinechat in Echtzeit, Foren, Archive, oder Online-Shops benutzte, war wohl ein Freak – und womöglich einer der ersten Abonnenten von Compuserve. 1979 startete der Dienst in den USA für Privatkunden, 1980 wurde der CB-Simulator, ein Echtzeit-Chat, angeboten. Als ebenfalls 1980 eine Steuerberatungsfirma das noch junge Compuserve für 23 Millionen Dollar kaufte, war der Grundstein für die weltweite Expansion gelegt. Elektronik-Handelsketten nahmen das „Compuserve Starter Kit“ in ihr Sortiment auf und 1985 gab es bereits 260 Einwahlknoten in den USA. Mit dem Erreichen der 500’000-Mitglieder-Grenze begann 1989 dann die Expansion nach Europa.

Das machte sich vor allem mit der massenhaften Verteilung dieser „Starter Kits“ bemerkbar. Ob auf der Strasse, im Laden oder als Beilage in beinahe jeder Computerzeitschrift – an Compuserve (oder zumindest den Starter Kits mit den kostenlosen „Probierstunden“) kam keiner vorbei. Und der amerikanische Online-Dienst hatte es relativ einfach, denn etwa in der Schweiz und Deutschland hielten die staatlichen Telekommunikationskonzerne an heute so abenteuerlich klingenden Diensten wie Videotex oder BTX fest.

Compuserve-Werbung aus dem Jahr 1983

Die Idee eines geschlossenen Systems, quasi ein eigenes Internet zu betreiben, stiess jedoch an Grenzen, denn schon bald wollte kein Nutzer für ein paar Extradienste mehr die hohen Abogebühren von Compuserve bezahlen.  Da nutzte man schon lieber einen der immer zahlreicher werdenden Internet-Provider und bekam für kleineres Geld das ganze Internet zu sehen. Daran konnte auch die Übernahme durch AOL im Jahr 1998 nichts mehr ändern.

Und so hiess es am Anfangs Juli 2009 für den Wegbereiter der heutigen Internetverbreitung:  Stecker raus! Rest in peace, Compuserve Classic…

Habt ihr das Compuserve-Zeitalter noch miterlebt? Erinnert ihr euch an Akustikkoppler und Co.? Oder ist das alles nur altmodisches Zeugs für euch?

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18 Kommentare

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  1. Peach | 3.09.2009 10:25

    sorry, CompuServe bitte immer ohne R am schluss lesen.. ich bin es mir gewohnt 100x am Tag serveR zu schreiben… doofe Gewohnheitsfehler!

  2. Peach | 3.09.2009 10:23

    Mein Einstieg in die Onlinewelt via CompuServe war auch nur ein grosser Zufall (ich bin aber nicht traurig, das es so gekommen ist). Ich habe mir im Swisscom Shop eine VTX Software plus 2400er Modem (Portable!! mit 9V Batteriefach) gekauft.
    Ich habe es 14 Tage lang nicht geschaft, diese VTX Software zum laufen zu bringen… irgendwann erinnerte ich mich an eine Zeitschrift mit diesem CompuServe Testabo (20h).
    Das Chatten fand super 😉 da bin ich heute noch süchtig. Ich hatte zwar nichts mit Esotherik am Hut, doch in diesem Chat (Esotherik Ecke oder so) war ich immer anzutreffen 😉

    Das Geschrei meiner Mutter und die Einwählgeräusche meines Modems waren bei Ankunft der Telefonrechnung nicht mehr auseinander zu halten, hehehe.

    Irgendwann Jahre später, als ich schon lange glücklicher TIC – The Internet Company Kunde war (ja… leider… TIC gibts nicht mehr…) bekam ich einen Anruf von einem CompuServe Agenten, der mich fragte ob ich die 48 Accounts noch benötige (habe immer die 20h durchgesurft und dann ein neues Testabo eröffnet, hehe). Auf mein Nein meinte er, das ich die alle noch zahlen müsse (da rutschte mir das Herz in die Hose) aber er glaube zu verstehen, dass dies eine „Jugensünde“ gewesen sei und er die Abos einfach löschen werde (uff!).

    Die Message, das CompuServer nicht mehr existiert habe ich erst heute (03.09.2009) mitbekommen. Obwohl ich jahrelang nicht mehr an CompuServer gedacht habe, ist das doch ein klitzekleiner Trauermoment für mich.

    Danke CompuServer für dieses erste Tor in die weite Netzwelt (für mich zumindest)

  3. MacMacken | 7.07.2009 22:56

    Die Dreamlist wurde damals von Cesar «Dreamrider» Keller betrieben, heute ist er anscheinend für die UBS tätig:

    http://warehouse.ch/keller/

    Seine «Warehouse BBS» war teilweise legendär, brachte ihm aber auch Ärger im Zusammenhang mit einigen, nun ja, kontroversen Inhalten. Tom könnte in dieser Hinsicht vermutlich auch noch so einiges erzählen, Stichwort «Piraten». Lustig, wie sich manche Dinge nie ändern, bloss das Protokoll, damals Terminal für BBS, heute BitTorrent via Suchmaschinen wie die Piratenbucht … 😉

  4. capo | 7.07.2009 13:35

    @Yves
    WAS?!?
    Das muss mann ändern!

    Da bin ich bei Tom. 10x mindestens

  5. Tom Bruehwiler | 7.07.2009 13:04

    @Yves: Wie? War Games noch nie gesehen? Ich glaub‘ ich hab den sicher schon 10x gesehen, kommen ja immer wieder mal Wiederholungen im Fernsehen. Jugenderinnerungen halt 😉

  6. Yves | 7.07.2009 13:01

    Peinlich, peinlich und schlecht für die Reputation. Ich habe War Games noch nie gesehen! Schlimm nicht? Dafür Tron 3x im Kino.

  7. avongunten | 7.07.2009 11:51

    @capo, tron genau, da hatte ich auch das game dazu:
    http://www.worldofspectrum.org/infoseekid.cgi?id=0005431

  8. capo | 7.07.2009 11:14

    Wargames und Tron waren es bei mir.

    Von einem ISDN Modem habe ich lange geträumt. Das Legendäre Elite 2864i sollte aber nie mein eigen sein.

    Ich habe damals auf einer Computerbörse meinem Kollegen ein 14’400 USRobotics Courier für 260.- weggeschnappt. So schnell war ich noch nie im Cyberspace unterwegs!

  9. avongunten | 7.07.2009 11:03

    @piscu nein nein ich war nicht der urheber, nur süchtiger nutzer 🙂

    @yves; wargames war für mich ein schlüsselfilm als 15 oder 16 jähriger, ich hatte damals gerade meinen 2. compi einen sinclair zx spectrum gekauft und war begeistert von david’s equipment, der hatte ja bereits sprachsynthese… ach ja und die jennifer war ja sooo hübsch 🙂

  10. Yves | 7.07.2009 10:56

    Eine kleine witzige Geschichte noch. Es gab mal einen Wettbewerb, bei dem der originellste Grund für den Einstieg ins Internet gesucht wurde. Gewonnen hatte eine Dame, die seit dem Film „War Games“ das Kreischen des Modems unglaublich sexy fand und so den Weg ins Internet fand.

  11. Piscu | 7.07.2009 10:55

    @avg ja, die dreamlist 😉 warst du der Urheber? Meine BBS war nie auf der Dreamlist, dafür auf anderen (was man halt so in seiner Jugend treibt) 😉

    Angefange hatte ich damals effektiv mit einem Akkustikkoppler – bis ich dann mal in den USA ein 2400er Modem kaufte und gleich wieder für ein 9600er eintauschte.

    Gerade in BBS Zeiten (noch vor ISDN) gab es diese schnellen Transferprotokolle (anstelle vom ZModem) HS-irgendwas – ich erinnere mich nicht mehr genau. Das machte aus den schnellem Zyxel Modems (19200er) noch Schnellere 😉

    Allerdings erinnere ich mich noch sehr gut an das Klicken der analogen Modems in der Nacht, als sich wieder ein Benutzer in die BBS einloggt.

  12. Tom Bruehwiler | 7.07.2009 10:51

    Au ja, die Dream List kannte ich auch noch. Hatte eine Zeit lang sogar noch eine eigene Mailbox betrieben. Die PTT verdiente damals auch an meinen „Daten-Telefonaten“ mit amerikanischen BBS ein Vermögen…

  13. avongunten | 7.07.2009 10:46

    ich glaube meine ID war 10013.2753. Und vor allem hatte ich das damals, neben dem SF DRS Forum, einzige Schweizer Forum auf Compuserve ins Leben gerufen und betrieben, InfoSuisse hiess das, wenn ich mir richtig erinnere. Während meiner Compuserve Zeit hatte ich allerdings bereits ein richtiges Modem 1200/75 oder sogar 9600, weiss ich auch nicht mehr so genau. DIe Akustikkoppler Zeit war vorher. An Telepac erinnere ich mich auch noch, NUI’s hiessen dort die Adressen doch, oder? Aber am meisten PTT Kohle verbraten habe ich zu dieser Zeit mit der Dream BBS List of Switzerland (Dreamlist).

  14. Oliver | 7.07.2009 10:17

    … die Zeit, in der Kanarienvögel gezüchtet wurden, die ein 9600 Baud Modem emulieren konnten… 🙂
    Das ist echt lange her! Filme wie War Games, Telnet und BBS, die ersten Online-Spiele (Textbasiert, allerhöchstens mal ne ASCII-Grafik… Hat sich alles ganz schön heftig entwickelt seit damals 🙂

  15. Yves | 7.07.2009 09:59

    Wusste gar nicht, dass es Compuserve immer noch gab. Der Beitrag weckt viele Erinnerungen an hohe Telefonrechnungen, Mosaik-Browser, 9600 Baud und das Kreischen des Modems. Akustikkoppler war noch vor meiner Zeit.
    Immerhin war Compuserve daran schuld, dass ich heute noch immer vom Internet angefressen bin und ich den Einstieg in diese faszinierende Welt fand.
    Lustig war auch, wenn man 1994 jemandem von dieser faszinierenden Welt erzählte und dieser einem nur noch fragend anschaute.

  16. capo | 7.07.2009 08:54

    Akustikkoppler sicher.
    Compuserve hatte ich zum glück nie.
    Meine Akustikkoppler erfahrung beschrenkte sich auf den C64 und lautes Geschrei von meiner Mutter, weil ich schonwieder den Telefonanschluss belegte.
    Ich war damals eher auf Mailboxen sogenannten BBS Boxen im Fidonet unterwegs. Internet ist dann erst irgendwann 1992 oder so dazugekommen.
    Erinnere mich aber genau an die Sendungen im Fernsehen bei der sie am schluss sagten: „Schreiben sie uns auf 3218397987213718321734682379@compuserve.com“ 🙂

  17. Thomas Hutter | 7.07.2009 08:51

    von 1994-96 war ich Kunde bei Compuserve, mit einem Schmunzeln denke ich an diese Zeit zurück. Einerseits war ich einer der ersten im Freundeskreis, der Zugang zur Welt hatte, andererseits war es immer mit einem gewissen Abenteuer verbunden, wusste man doch nicht mit Sicherheit, ob die Verbindung auch wirklich zu laufen kommt. Später folgte dann der Wechsel über Dataway zu Bluewin, bzw. der Wechsel von Analog mit max 5 KB zu ISDN mit der fortschrittlichen Möglichkeit der Kanalbündelung mit immerhin fast 12 KB. Kein Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten im 20 mbit Bereich (Swisscom Infinity).

  18. Piscu | 7.07.2009 08:34

    Ich erinnere mich gut daran. In der Schweiz nutzten wir Telepac als Einwähldienst zu Compuserve. Grundsätzlich war die ein sehr kostspieliges Unterfangen – aber trotzdem Fun (Im Gegensatz zum Videotex’en an der öffentlichen Terminals der damaligen PTT 😉 )

    Cheers
    Piscu

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