Schweizer Verwaltungen mit müden Ausreden gegen Open Source

Der ignorierte Pinguin - wahrzeichen der öffentlichen Vergabepraxis

Gleich zwei grosse Aufträge aus dem Verwaltungsbereich beschäftigen die Open Source Gemeinde, Presse und Gerichte. Neben dem Auftrag des Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL)  in Höhe von 42 Millionen Franken, schob auch die Berner Kantonalsverwaltung einen 80 Millionen Franken Auftrag an Microsoft. Begründung sei, das fehlen von valablen Alternativen.

Gegen die Vergabepraxis des BBL gingen umgehend 18 Klägerparteien vor Gericht, einige zusammengeschlossen im Verein Swiss Open Systems. Blossgestellt sind die Ausreden der Vergabeverantwortlichen schnell, immerhin betreiben der Kanton Solothurn, die Stadt Zürich, das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT), das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum und andere Bundesämter Open-Source-Lösungen von Red Hat Linux.

Im Fall Bern hat EVP-Grossrat Marc Jost mit der parlamentarischen Gruppe digitale Nachhaltigkeit dringliche Interpellation eingereicht, um Klarheit darüber zu schaffen, warum zwar ausgeschrieben, aber ohne Zögern der Auftrag direkt an Microsoft vergeben wurde. Möglicherweise lag es schlicht an der „haben wir immer so gemacht“ Gewohnheitsproblematik, dass sich niemand vorstellen mochte, dass es auch mit anderen Systemen funktionieren kann. Vielleicht lag die Entscheidungsgrundlage auch ganz anders.

Steuergelder durch den Schornstein

Ob hierbei Villen am Genfer See den Besitzer gewechselt haben oder die Vergabeverantwortlichen mit den falschen (richtigen) Leuten Golf spielen bleibt sicher spekulativ – unzweifelhaft ist, dass Millionen von Steuergeldern eingespart werden könnten, wenn man statt teurer Monopolisten Lizenzen auf Open Source Lösungen zugreifen würde. Hier beschränken sich die Kosten auf Implementierung und Support. Als Teil der Klageschrift hätte man gleich aufnehmen sollen, dass die Bürger der entsprechenden Kantone aufgerufen werden, einen Monat Steuerzahlung auszusetzen, sollte man trotz valabler Alternativen dem Megakonzern Microsoft das Geld hinterher werfen.

Wie steht Ihr zu Open Source Lösungen im Enterprise Bereich? Und zur Vergabepraxis im Bereich Software durch die öffentliche Hand?

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3 Kommentare

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  1. Dirk Worring-Ramstoeck | 2.06.2009 13:12

    @Yves: Ferien am Lake Washingtong als Vergabekriterium, sollten mich dann auch berechtigen, von einbehaltenen Steuern Badeurlaub auf La Rèunion zu machen. Das die ganze Sache fischig riecht, wird jedem schnell klar, der sich ein bisschen Gedanken dazu macht.

  2. Yves | 2.06.2009 13:05

    Das der Staat den Monopolisten vertraut hat mehrere Gründe. Man schaue sich nur mal an, wer im Moment der Preisüberwacher ist. Stefan Meierhans, vormals Lead Corporate Affairs and Citizenship bei Microsoft. ( http://twurl.nl/cdoip5 )
    Da sind doch viele Fragen schon mal geklärt. Dazu kommt noch, dass man ja vielleicht gerne mal einen Ausflug nach Seatle macht, natürlich rein um sich über Software zu informieren. Das kann halt Open Source so nicht bieten. 😉

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