XING, LinkedIn: Null Chance gegen Facebook?

Sie waren vor Facebook bekannt – die Business-Networking Plattformen XING und LinkedIn. Sind diese Portale in heutigen Facebook-Zeiten noch relevant? Werden sie längerfristig überleben?

Besucherzahlen steigen leicht
Wenn man die Besucherzahlen der beiden Networking-Portale XING und LinkedIn anschaut, merkt man: beide Websites haben steigende Zahlen – Benutzer wandern also noch nicht zu Facebook ab. Die folgende Grafik zeigt XING, LinkedIn und zum Vergleich auch die steilere Kurve von Twitter.

xing-linkedin

Im Vergleich zu Facebook: nichts
Setzt man statt Twitter Facebook als Vergleich in die Grafik, merkt man schnell, dass hier in unterschiedlichen Ligen gespielt wird:

xing-linkedin-facebook

Was heisst das wirklich?
So simpel funktioniert der Vergleich nicht. XING/LinkedIn werden oft zu salopp als „Social Networks“ bezeichnet. Facebook unterscheidet sich davon stark, indem es dort (bisher) nicht primär ums Networking mit Branchenleuten geht. Facebook dreht sich um schon bestehende Kontakte. Ausserdem schränken XING wie auch LinkedIn die Funktionalität für Nichtzahlende ein. Bei XING so stark, dass die Plattform für „Normalos“ unbrauchbar ist und die Profile brach herumliegen, um von Headhuntern abgegrast zu werden.

Chancen? Letzte sind noch da.
Facebook wird eine Rolle spielen in der Zukunft dieser beiden Plattformen. Man wird immer weniger bereit sein, fürs Besichtigen von toten XING-Profilen zu zahlen. Diese Plattformen müssen sich der heutigen Zeit anpassen und offener werden. Facebook hat alle Funktionalität eingebaut, um diese Websites auch im Business-Bereich abzulösen – nur hat man das noch nicht kapiert. XING & Co. müssen jetzt handeln.

Das schreibe ich als einer, der seine momentane Arbeitsstelle XING verdankt. Wie sind eure XING/LinkedIn-Erfahrungen? Seht ihr auch, dass Facebook immer mehr im Business-Bereich aufholt? Oder kann man Facebook wegen dem Sperr-Trend vergessen?

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20 Kommentare

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  1. EuropaDruck | 17.11.2010 07:49

    Wie schwer es ist, ein bestimmtes Image wieder los zu werden, wird FB sicherlich dann merken, wenn man den Versuch unternimmt, im Business Bereich „einzusteigen“. Mit einigen Funktionsänderungen, wird man die Geschäftsleute ganz sicher nicht im „Sturm erobern“. Viele betrachten FB einfach nur als „privaten Tummelplatz“ um es noch freundlich auszudrücken.

    „Dünkel“ gibt es ganz sicher auch oft zwischen den Nutzern von XING und LinkedIn, wobei letzteren, den „Global Players“, das deutsche Portal ganz einfach als zu „piefig“ empfinden. Also auch alles wieder eine Frage des Image?

  2. Stephan Koß | 30.01.2010 12:33

    Hallo,

    ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass Facebook im Businessumfeld LinkedIn ablösen wird. Zu stark ist die Nachfrage nach einer spezialisierten Plattform. Insbesondere Stichwort Privatsphäre hat LinkedIn einen anderen Focus als Facebook.

    http://linkedinsiders.wordpress.com/2010/01/25/privatsphare-linkedin/

    Insbesondere die Integration von LinkedIn, Facebook und Twitter mittels dem Open Standard lässte die verschiedenen Zielgruppen abgrenzen.

    Lokale und nationale Alleingänge gegen Facebook (wie in Deutschland Wer-Kennt-Wen, Lokalisten oder halt Xing) werden wohl langfristig kaum Chancen haben. Insbesondere interessant ist, dass sich Xing (durch den Einstieg vom burda) stark in den B2B Bereich diffundiert….und die Aktie in drei Monaten fast halbiert hat.

    Liebe Grüße
    Stephan Koß

  3. Rudolph | 11.04.2009 12:22

    Ich stehe dieser übertriebenen ständigen Erreichbarkeit auch kritisch gegenüber und nehme mir sehr oft die Freiheit, das Handy abzuschalten. Aber gleichzeitig finde ich das Networking und die Pflege von Kontakten in speziellen Communities sehr wichtig und arbeitserleichternd. Medienkompetenz gehört eben dazu.

  4. Sam Steiner | 23.03.2009 16:54

    Wo einer früher Bäcker war von 3:00 Uhr bis 17:00 Uhr, ist der andere heute auch in den Ferien erreichbar, hat Handy-Abo übers Geschäft, fährt im Firmenwagen rum und fühlt sich doppelt wichtig, wenn er am Grillfest einen dringenden Business-Anruf kriegt. Dass die Gesellschaft sich in diese schwammigere Richtig entwickelt ist meiner Meinung nach keine Geschmackssache (aber nicht zentrales Thema hier im Artikel). Postmoderne halt – und nicht alles daran ist schlecht.

    Was du bzgl Facebook ansprichst, stimmt einigermassen – bezieht sich aber auf den momentanten Zustand von Facebook. Es nervt mich auch, dass ich im ganzen Stream nur einzelne „Freunde“ komplett ausblenden kann und nicht auch einzelne Applikation-Benachrichtigungen.

    Ich glaube, mit den Freundeslisten (siehe Artikel https://www.inm.ch/blog/1809-datenschutz-bei-facebook/ ) fängt die Business-Nutzung „nach aussen“ schon mal an. Was fehlt sind Optionen für das Filtern „nach innen“. Ganz klar müsste Facebook in diesem Bereich noch einiges unternehmen.

  5. Wolfram Gagern | 23.03.2009 16:42

    Hallo Sam, hmm… als End-Dreißiger sehe ich „Old-School-Mentalität“ nicht mehr unbedingt als Vorwurf an 😉

    Ich bin nicht der Meinung, dass sich die Welt „hin zu einer Vermischung von Arbeit und Freizeit“ bewegt. Dass mag in Google-Büros und jungen Startups so sein, jedenfalls solange das Geschäft läuft oder die Geldgeber mitmachen (Und in solchen Fällen war das bisher in manchen „Old-Business-Unternehmen“ auch nicht unbedingt anders). Sobald das Geschäft aber nicht mehr so rund läuft und die Zahlen nicht mehr rosig aussehen, wird die Chefetage schon dafür sorgen, dass die Angestellten Arbeit und Freizeit nicht mehr verwechseln… ich kenne ein paar solcher Beispiele aus den letzten Jahren.

    Mit Work-Life-Balance ist m. E. eher gemeint, Beruf und Freizeit _nebeneinander_ besser in Einklang zu bringen, und nicht, beides zu vermischen.

    Ich habe mich bei Facebook nach einigen Monaten jedenfalls wieder abgemeldet. Mir war nicht klar, was es mir bringt, auf einer Plattform virtuelle Tierchen füttern, IQ-Test machen und Tetris spielen zu können. Noch weniger war mir klar, was es mir bringt zu sehen, dass andere den ganzen Tag anscheinend nichts anderes machen, als virtuelle Tierchen zu füttern, IQ-Test zu machen und Tetris zu spielen…

  6. Sam Steiner | 23.03.2009 13:55

    Danke, Wolfram, für deine Meinung.

    „am besten lässt man ihn auch gleich sein“ kann ich so nicht stehen lassen – das wäre zu simpel: Facebook hat definitiv eine Auswirkung auf Plattformen wie LinkedIn und XING. Die Frage ist ja, ob Facebook sich mehr in Richtung Business entwickeln will/soll. Da kann man durchaus darüber diskutieren.

    Wie man Facebook durchaus jetzt schon auch für geschäftliche Kontakte nutzen kann, darüber habe ich auch schon geschrieben:
    https://www.inm.ch/blog/1809-datenschutz-bei-facebook/

    Dann zu „Überall liegt komisches Spielzeug rum, das einen als Erwachsenen Menschen aber nicht gerade weiterbringt“ – da gibt’s etliche Leute, die dir wohl zurecht Old-School-Mentalität vorwerfen würden. Man schaue sich dazu zB die Google-„Büros“ an. Die Gesellschaft bewegt sich – ob man will oder sich dagegen stemmt – hin zu einer Vermischung von Arbeit und Freizeit. Das bringt ja auch die ganzen Work/Life-Balance-Themen hervor, die früher schlichtweg unnötig waren.

  7. Wolfram Gagern | 23.03.2009 13:20

    „So simpel funktioniert der Vergleich nicht.“ … am besten lässt man ihn auch gleich sein. Denn Xing und Facebook zu vergleichen ist wie Fahrräder und Autos zu vergleichen: Außer, dass man mit beiden fahren kann, haben Sie nicht viel miteinander gemein.

    Xing ist hauptsächlich für den B-to-B-Bereich da. Facebook für den C-to-C-Bereich, wird daneben zunehmend für den B-to-C-Bereich genutzt; sprich: Facebook verändert sich zunehmend zur Werbeplattform 2.0.

    Für den B-toB-Bereich sehe ich bei Facebook derzeit wenig Potenzial, wenn man mal von Branchen wie der Internetbranche selbst absieht. Ansonsten ist das, als ob man sich für ein Geschäftstreffen im Kindergarten treffen würde: Überall liegt komisches Spielzeug rum, das einen als Erwachsenen Menschen aber nicht gerade weiterbringt…

  8. Sam Steiner | 20.03.2009 16:10

    Danke für das Feedback. Wir treffen uns jede Woche, um über positive und negative Erfahrungen aus dem Blog-Alltag auszutauschen – da fliessen solche Dinge in konkrete Optimierungen mit rein.

    [INSIDER] Ich könnte ein E-Book schreiben über Experimente mit Twitter-Promotion – würde mir dafür also durchaus auch mal mehr als 7 Minuten Zeit nehmen diesmal… [/INSIDER]

  9. Christian Leu | 20.03.2009 15:59

    @sam
    Betr. Themen hat mir dieser Artikel aber auch die Geschichte mit den Facebook Ads sehr gefallen. Gerade konkrete Beispiele und Experimente finde ich sehr informativ. Das wird auch euren Kunden so gehen.

  10. Sam Steiner | 20.03.2009 15:54

    @Christian – „lustig“, was man mit einem solchen Marktanteil anstellen kann.

  11. Christian Leu | 20.03.2009 15:52

    Google Trends analyzes a portion of Google web searches to compute how many searches have been done for the terms you enter, relative to the total number of searches done on Google over time. We then show you a graph with the results – our Search Volume Index graph.

  12. Sam Steiner | 20.03.2009 15:42

    Netlog verliert in der Schweiz also mächtig an Facebook – war aber bis April 2008 noch vorne (und ich hatte noch kein Wort davon gehört):

    Vergleich: Netlog.com, facebook.com – Schweiz

    Schonoglatt, diese Statistiken.

  13. Sam Steiner | 20.03.2009 15:32

    @Christian – worauf bezieht sich die Grafik von Google? Woher haben die die Daten? Klicks in Suchmaschinen? Google Toolbar?

    Danke für das Kompliment. Wir lernen dazu 🙂 Freiwillige Bonusfrage: welche Themen haben dir denn gefallen?

  14. Christian Leu | 20.03.2009 15:25

    Interessante Darstellung der Dinge. Ich finde übrigens dass sich für solche Vergleiche der Datenbestand von Google viel besser eignet. Daher kann man sehr gut auf Google Trends für Websites zurückgreifen:

    Vergleich: Xing.com, Linkedin.com, Netlog.com, facebook.com

    Übrigens gefällt mir euer Blog immer besser. Gute und aussagekräftige Beiträge die ihr in letzter Zeit schreibt!

  15. Yves Moret | 19.03.2009 17:44

    @Sam: Deine Vorschläge für Facebook hören sich gut an. Ich denke aber, dass sich dies bei den Usern nicht durchsetzen liesse. Für das ist Facebook schon viel zu sehr „Freizeitplattform“. Es würde auch von den Usern verlangen, dass sie strikte Freunde und Kontakte trennen. Die wenigsten, die ich in Facebook kenne, würden dies auch durchziehen. Schwierig ist auch die Abgrenzung. Wer ist ein Freund und wer einfach „nur“ ein Kontakt. Ich müsste mich in der Menschheit schwer täuschen, wenn das funktionieren würde.

  16. Philipp Sauber | 19.03.2009 12:17

    Bin mit @amikaro nicht ganz einverstanden dh dein vergleich hinkt etwas, zumal du xing auf ein Adressbuch reduzierst. Denn dann verliert es seine Daseinsberechtigung. Hierfür gibt’s bessere Tools.
    Ich bin der Meinung, dass man sich schlussendlich auf eine Plattform fixiert und da mach meiner Meinung nach ganz klar Facebook das Rennen. U.a wegen der fehlenden Programmierschnittstelle, die Xing zu einer Insellösung macht.
    Zum Thema Verdienen von @Michel, denke Facebook hat da ne ideale Lösung gefunden und ist auf dem Weg, damit richtig Geld zu machen. Xing hingegen verliert laufend an zahlenden Usern und versucht dies nun mit Bannerwerbung zu kompensieren.

  17. amikaro | 19.03.2009 11:34

    der vergleich hinkt wirklich. wäre in etwa das selbe, wie wenn man ein freundebuch mit einer agenda vergleichen würde 😉

    wo du sicherlich recht hast, Xing muss Gas geben!

  18. Sam Steiner | 19.03.2009 10:26

    @Michel – es stimmt: Facebook müsste deutliche Schritte tun, um von den Mitgliedern als geschäftstauglich angesehen zu werden in Zukunft.

    Spontane Vorschläge (falls Facebook das liest):
    1) Unterscheidung „Freunde“ und „Kontakte“ (unabhängig von Freundeslisten)
    2) Möglichkeit, Infos für „Kontakte“ zu overriden (also auch separates Profilfoto sichtbar für „Kontakte“ etc)
    3) Usability von Freundeslisten verbessern
    4) Allgmein Privacy-Settings usabilitymässig stark verbessern
    5) Mehr Networking-Funktionen (Suche nach Schul-, Firmen-Kollegen verbessern)

  19. Michel | 19.03.2009 08:51

    Xing und Linkeding verfolgen andere Ziele als Facebook. Ich will nicht alle Geschäftspartner nicht zu meinen Freunden zählen und meine Freunde nicht alle als Geschäftspartner.

    Eine Trennung von Privat und Geschäftspartner ist in Facebook nur mühsam möglich, indem man Gruppen mit unterschiedlichen Berechtigungen erstellt. Und dennoch ist es nicht sauber: Denn nach wie vor wird eine Person, die man hinzufügt als „Freund“ bezeichnet und das ist bei einem reinen Geschäftspartner unpassend.

    Immerhin haben Xing und Linkeding ein funktionierendes Einkommensmodel. Ob Facebook das jemals schafft ohne Daten zu verkaufen ist höchst ungewiss…

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