Das NSA-Prinzip

Big Data am Beispiel des Nutzerverhaltens eines Besuchers von WikipediaDas NSA-Prinzip – oder wie Google und Facebook zu Multimilliardenunternehmen werden konnten. 

Wir erinnern uns, der Aufschrei war laut und hallte durch alle Medien: Facebook kauft WhatsApp. Was für viele User nur eines bedeuten konnte, dass es nun zum Daten-SuperGAU kommt. Die anfängliche Hysterie ist, wie immer, schnell verstummt. Aber wie geht es weiter, das Handling mit den Daten.

Zunächst muss man die Dimension der jüngsten technologischen Revolution verstehen. Ein Brief, der von Hand geschrieben und von A nach B transportiert wird, kann unterwegs abgefangen, geöffnet und kopiert werden. Das ist aufwendig, Handarbeit und braucht anschliessend noch mehr Kopfarbeit, soll sein Inhalt auf allenfalls wichtige Informationen überprüft werden. Ausserdem ist es (meistens) illegal, denn in zivilisierten Staaten gilt das Postgeheimnis.

Schon etwas besser für Überwacher sieht es aus, wenn der Brief nicht kopiert, sondern eingescannt und mit einem guten Suchprogramm beispielsweise auf gefährliche Wortpaare wie Präsident und Bombe gecheckt wird. Paradiesische Zustände brachen also aus, als sich die Kommunikation digitalisierte. Kein mühseliges Abfangen mehr, kein Öffnen unter Wasserdampf, kein Kopieren. Digitalisierte Kommunikation bedeutet: Alles ist offen, befugt oder unbefugt einsehbar. Völlig unbemerkt. Aber das Paradies hatte längere Zeit eine Schattenseite. Geheimdienste wie die NSA ertranken in Datenfluten, deren Speicherung zudem eher kostspielig war. Von einer sinnvollen Auswertung innert nützlicher Frist von Terabyte an Informationseinheiten ganz zu schweigen.

Inzwischen scheint überall im Paradies die Sonne. Speicherplatz ist spottbillig geworden, immer raffiniertere Algorithmen sieben blitzschnell 99,99 Prozent unerheblicher Informationen aus, übrig bleiben wie beim Goldschürfen aus Tonnen von Gestein einige wertvolle Nuggets. Aber für wen sind das eigentlich paradiesische Zustände?
Der Skandal, dass der US-Geheimdienst NSA sowie seine Schwestern und Brüder in anderen Ländern sämtliche E-Mails und Telefonate weltweit überprüfen, ist bei 99 Prozent aller Betroffenen nicht wirklich angekommen. Sie denken: Na und, ich habe doch sowieso nichts zu verbergen.
Die Naivität geht sogar noch weiter. Man benützt ungehemmt Clouds zur Lagerung von Informationen jeder Art. Ist doch gratis und praktisch, da überall abrufbar. Man benützt Suchmaschinen wie Google oder soziale Plattformen wie Facebook. Ist doch praktisch und gratis. Man wundert sich vielleicht leise, wie Google und Facebook zu Multimilliardenunternehmen werden konnten und erklärt es sich vielleicht damit, dass das irgendwie aus Werbeeinnahmen komme. Falsch, ganz falsch. In Wirklichkeit ist eine neue Währung entstanden, die inzwischen viel wichtiger als Dollar, Euro oder Franken ist. Sie heisst Information. Der Zahlungsvorgang geschieht unbemerkt, keine Geldnote verschwindet aus dem Portemonnaie, nichts wird von der Kreditkarte abgebucht. Aber mit jeder Suche, mit jedem Post auf Sozialen Plattformen gibt der Nutzer Informationen preis. Und diese Informationen können sich in Wissen, in Profile, in Macht verwandeln. Der Nutzer wird somit zu einem rasterbaren, digitalisierbaren Wesen, einen Avatar seiner selbst, wobei diese künstliche Person mehr Wissen über sich selbst als ihr reales Vorbild hat.

Wer, trotz aller möglichen Gefahren, sich bewusst für Big Data entscheidet, dem sollte nun klar sein, dass er bei jedem Kontakt mit dem Internet Informationen preis gibt, und das nicht nur bei Facebook.
Also überdenkt Euer eigenes Kommunikationsverhalten im Allgemeinen, vorallem aber vor jedem neuen Schritt im Internet. 

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1 Kommentar

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  1. Pfeisinger Markus | 19.06.2014 19:01

    Also wieder Briefe schreiben? Meiner Meinung nach haben die Kontrollmechanismen der Regierungen versagt.
    Unsere Politiker lassen uns Bürger ins offene Messer laufen…

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