Hat Facebook gegen WhatsApp eine Chance?

Whatsapp und Facebook, SymbolbildStatistiker und Experten überschlagen sich seit langem: Mit neusten Zahlen und Prognosen belegen sie, dass Whatsapp bei den technologisch tonangebenden, fürs Business aber oftmals gleichermassen unbedeutenden,  Jugendlichen Facebook der Rang abgelaufen hat. Forbes Online gibt vor zu wissen wohin die Teens sich wenden und trumpft mit Whatsapp auf. Diese Erkenntnis ist nicht neu, doch sie lässt sich immer wieder messen und besorgten Firmen präsentieren. Die grossen Anstrengungen von Google und Facebook den Usern Ihre Chats auf den Smartphones unterzujubeln bestätigen die Angst in der Branche. Die Anbieter wollen bereit sein, sobald Werbung auch im Posteingang etabliert ist. Natürlich gibt es auch zahlreiche Experten die andere Zahlen und Meinungen präsentieren.

http://www.macnotes.de/2013/11/21/whatsapp-fuehrt-vor-facebook-der-beliebtheitsskala/

Für mich hat Whatsapp das alte Facebook bereits ein- und überholt. Allerdings erkenne ich das nicht daran, dass meine Konversationen nur noch dort stattfinden oder meine Aktivität auf Facebook radikal zurückgegangen wäre: Nein, die lustigen Videos und Katzenbilder sind entscheidend. Mein Facebook-Account ist in den letzten Jahren auf wundersame Weise tatsächlich erwachsener geworden. Ob es daran liegt, dass Facebook Memes filtert oder ob mein Verhalten sich geändert hat kann ich nicht beurteilen, das müssten Aussenstehende machen. Klar ist aber, dass meine Spass-Likes für Nonsense und für Eigenmarketing (Knight Rider, Helge Schneider, Rosamunde Pilcher und Robocop) wesentlich zurückgegangen sind zugunsten beruflich orientierter Interessen (allfacebook, t3n, bloguerilla und Robocop). Ich bin diesbezüglich gesättigt. Facebook ist ein Organisations-Tool und hat gegen 90% meiner Newsletter und RSS  Abos abgelöst. Sportklubs und Hobbys sind in Gruppen angelegt (zu gleichen Teilen auch auf Google+, das ist aber nochmal ein anderes Thema). Jetzt merke ich immer mehr, dass die verblassenden Spass-Inhalte über Whatsapp-Chats und Gruppen in meinen Alltag eindringen. Das Erschütternde dabei ist, dass diese Erkenntnis just in mir keimt, weil ich grad eben selber so ein lustiges Bildchen verschickt habe. Wäre mir bei Facebook nie im Leben eingefallen. Dafür bin ich seit heute auf Facebook mit meinem Chef befreundet – was mir ebenfalls bis vor kurzem kaum eingefallen wäre.

Vom Mail, über Foren und Facebook in meinen mobilen Posteingang, so haben sich die Serienmails also verschoben. Zurück aus der Öffentlichkeit in einen etwas kontrollierbareren Raum, schon klar. Aber wenn ich dann dieselben viralen Hypes einfach in fünf Gruppenchats einstreiche macht es kaum mehr einen Unterschied, das Teilen erfolgt einfach über mehrere Schritte, erreicht aber eine ähnliche Wirkung. Sind die Jungen (und weniger Jungen?) also vielleicht einfach weitergezogen, weil Facebook zu fest filtert und die Inhalte „zu viel Qualität“ bekommen haben? Ich vermute das ist teilweise so, ausserdem siegt wohl die Einfachheit eines Chats über zu viel Funktionalität und Updates. Was auch immer: Mir gefällt die Entwicklung, nicht zuletzt auch, weil die grossen Social Media Plattformen dadurch vielleicht beim Einblenden von Werbung in den Mailboxen etwas gebremst werden. Was guter Kontext ist können wir ja dann gemeinsam entscheiden.

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