Ist die Gratiskultur noch zu stoppen?

Paywall, SymbolbildDie NZZ hat diesen Dienstag online eine aktuelle und sehr aufschlussreiche Übersicht über Geschäftsmodelle für den Online-Journalismus veröffentlicht. Es werden die unterschiedlichsten Wege und Modelle aufgezeigt. Zusammenfassend kann man sagen, dass grosse international erfolgreiche Publikationen bisher ziemlich erfolgreich mit „metered paywalls“ operieren. Diese als „poröse Bezahlschranken“ umschriebenen Modelle erlauben den Zugriff auf eine bestimmte Anzahl an Artikeln, bevor die Seite dicht macht und nur noch gegen Bezahlung mehr von sich offenbart. Ein glänzendes Beispiel dieser Technik ist die, in diesem Zusammenhang immer wieder, erwähnte New York Times. Allerdings ist zu sagen, dass dieses Blatt sich wie kein zweites mit den Methoden auseinander gesetzt hat.

C’est le ton qui fait…

Beispielhaft wurden online Umfragen gemacht, haarklein in den Communities recherchiert und die Leserschaft gleitend auf die Einführung dieser Schranke vorbereitet. Bei einem internationalen Publikum von 29 Millionen Nutzern dürfte das Paradebeispiel aber nicht so ohne weiteres adaptierbar sein für die hiesigen Journale. Wall Treet Journal und Financial Times kapseln sich im Vergleich deutlich heftiger ab, ohne Moos nix los gilt hier grundsätzlich. Auch diese Beispiele operieren anscheinend erfolgreich mit dieser Strategie.  Hochspezialisierte, qualitative Benchmark-Blätter sind aber wohl eben auch nicht für alle Nachahmer geeignete Beispiele. Lokale Nachrichten oder Presse-Meldungen zu Sport-Events findet der geneigte Leser im Zweifelsfall kostenlos auch andernorts. „Freemium“ scheint auch nicht immer der richtige Weg zu sein. Der Ansatz, den beispielsweise die Bild, bestimmt vom Blick gut beobachtet,  verfolgt, bietet dem Leser kostenlose Artikel an, verlangt aber für tiefere Analysen oder Meinungen ein Entgelt. Über den Erfolg dieser Strategie wir derzeit in der Schweiz vergleichsweise heftig diskutiert. Die wenigen veröffentlichten Zahlen der NZZ werden sehr unterschiedlich interpretiert und gewertet.

Einen für alle gibt es nicht

Dann gibt es noch die Idealisten, die zu freiwilligem Spenden aufrufen, oder Modelle, anscheinend insbesondere im Osten erfolgreich im Einsatz, bei welchen sich mehrere Blätter hinter einer Schranke zusammenschliessen. Auch das Kombinieren der Print-Ausgabe mit einem Code, der den Online-Zugriff erlaubt wird gleich mehrfach getestet. Den Blick auf die, teilweise absurden, zusätzlichen Kosten für Apps lassen wir an dieser Stelle einmal aussen vor, es verkompliziert die Thematik sonst exponentiell.

Die Musikbranche scheint sich mit Google Play Music und Spotify-Modellen langsam aber sicher in der modernen Welt angesiedelt zu haben. Ich bin mir sicher, auch die Zeitungen werden ihren Weg machen. Wichtig scheint mir die, anfangs erwähnte Strategie der New York Times im Kopf zu behalten: Fragt eure Leser und bleibt im Dialog. Social Media ist nämlich nicht nur ein Kanal auf dem ihr eure Inhalte angeteasert sehen wollt liebe Redaktoren, es eignet sich auch hervorragend um Meinungen zu machen, aber auch sie abzuholen. Wer bei einem Projekt involviert wird, das ist ein alter Projektleiter-Trick, der identifiziert sich eher damit und ist bereit zu Kompromissen. Im Rahmen des Möglichen muss man aber dann auch bereit sein Inputs ernst zu nehmen und negative Beschlüsse zumindest zu begründen.

Google darf das

Übrigens hat eben erst ein US-Gericht Google erlaubt sein 2002 als Mondlandung belächeltes Projekt zu vollstrecken. Der Suchgigant darf Bücher scannen und zum Durchsuchen freigeben. Solange geschützte Werke nicht komplett lesbar sind sieht das Gericht den Vorteil für die Allgemeinheit überwiegen. Vielleicht motiviert ein interessanter Auszug ja, zumindest im Sachbuch-Bereich, zum Kauf? Content ist alles, auch hier.

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