Auf gute Nachbarschaft

Social Media in der Nachbarschaft, SymbolbildGemeinschaften sind eine tolle Sache. Wenn eine Gruppe mit ähnlichen Interessen zusammenkommt, dann kann daraus etwas Tolles entstehen. Fanclubs, Bücherkreise oder Häkelkränzchen beispielsweise. Die Kreativität wächst mit dem Austausch und obwohl sich schlussendlich doch meist wenige für viele abrackern, entsteht für alle ein Mehrwert. Dieses Modell hat seit Jahren Bestand, besonders in der Schweiz ist man immer wieder stolz auf die Freiwilligenarbeit, das umschwärmte, sich aber leider im Rückgang befindliche, Milizsystem. Wir sind ein Land der Vereine und durchaus auch stolz darauf.

Schon einmal versucht 11 Freunde zu organisieren?

Wer sich schon einmal im Vorstand eines Vereins engagiert hat, weiss um die Mühen der Kommunikation. Alle die sich über die Jahrtausendwende hinaus einbrachten und die Geschicke von Gruppen mit lenkten, kennen auch den himmelweiten Unterschied zwischen den Kanälen damals und heute. E-Mail und später Doodle halfen plötzlich die privaten Gesprächskosten zu halbieren und die Übersicht zu verdoppeln. Trotzdem wollte es oftmals nicht gelingen alle Mitglieder rechtzeitig über die verschobene Spielstätte oder die angepasste Abfahrtszeit des Busses zu unterrichten. Dann kam Facebook. Mit einem Schlag wurde es nicht nur möglich auf dem Laufenden zu bleiben was die Geschicke des frisch geschlüpften Sohnemanns der Kindheitsliebe oder der Hausbau des ehemaligen Mitarbeiters so macht, nein nun gruppiert man sich einfach seinen ganzen Verein mit wenigen Klicks. Allenfalls bedarf es wegen 2-3 Separatisten auch noch einer Whatsapp-Gruppe, doch die Reichweite und Übersichtlichkeit nimmt dem Vorstand schon fast die gesamte lebensnotwendige Mühsal ab.

Firmen ziehen nach

Auch die Firmen und Abteilungen fangen an ihre Mailverteiler zu ersetzen und ganz unbewusst hält Social Media Einzug in den Alltag, schleichend gewöhnt man sich daran zu wissen, wenn jemand sein Sofa loswerden oder einen Hamster in die Urlaubsvertretung geben will. Kein verordneter Blog-Zwang oder die Aufforderung des Chefs seine Wochen-Ansprachen auf Facebook zu liken, hätten diese Identifikation jemals auslösen können. Ganz unbewusst machen sich die Mitglieder und -arbeiter Social Media im Alltag eigen, verbessern die Zusammenarbeit und verkürzen die Wege. Klar hätte der Verkauf lieber die Aktion im Shop geteilt gehabt, als man für viel Geld Facebook „hat machen lassen“ aber so funktioniert das nun einmal nicht. Social Media ist eine Philosophie in die manche Unternehmen noch hinein wachsen müssen, der einfachste Weg ist oft dort anzufangen wo bereits auf natürliche Weise Gemeinschaften und Netzwerke entstanden sind. Commitment und Loyalität, die Pfeiler dafür, dass sich jemand für sein Unternehmen einsetzt, werden durch Transparenz gestärkt. Daraus können gute, starke Netzwerke nach aussen wachsen. Plötzlich teilen die Mitarbeiter die Stelleninserate automatisch und tragen unaufgefordert Bilder des Grillabends als positive Social Signals nach aussen und damit die Anzahl die Likes und den (ausstrebenden) PTAT der Firmen-Page in die Höhe. Damit helfen sie dem Abverkauf doch noch, zum Erfolg.

Zurück zum Einstieg. Diese Woche habe ich mich gefragt wie ich wohl meine Nachbarn dazu bringe mit mir eine Community zu bilden. Wäre doch toll, wenn wir uns auf diese einfache Weise an die Kleidersammlung oder den Lärm der kommenden WG-Party im 4. Stock erinnern könnten? Wenn ich einfach in die Runde fragen könnte wer im Haus am Montag wäscht und ob ich nicht noch eine Maschine einlegen dürfte. Social Media würde helfen wieder eine persönlichere Beziehung in die Anonymität der Wohnblocks zu bringen. Wie früher, als man sich noch eine Tasse Zucker leihen konnte, ohne beim Klingeln direkt für einen unwillkommenen Verkäufer gehalten zu werden. Dafür muss man aber dann halt auch, während des Nachfragens, darauf verzichten den oben erwähnten Flyer mit zu verlinken. Auf meinen Tweet zum Thema meldete sich jedenfalls bereits jemand aus meinem Kollegenkreis der sowas betreibt. Ich bin neidisch und freue mich, dass er neuerdings ebenfalls in die Region Winterthur gezogen ist, auf gute Nachbarschaft.

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