Das Wo-Wide-Web

Wo ist das Internet, BildausschnittDas Internet sorgt nicht nur für kürzere Wege, Katzenvideos und Aufklärung, es birgt auch immer wieder Potential für Wahrnehmungsverzerrungen. Gerade rund um Wahlen und Abstimmungen verzerrt sich das Bild gelegentlich gerne. Das liegt in meinen Augen zum einen daran, dass wir auch online dazu neigen unsere eigenen Kreise, wie einen Stammtisch, nur ungern zu verlassen und zum anderen daran, dass eben nicht alle Schichten und Ansichten repräsentativ vertreten sind. Es kann also durchaus gefährlich sein sich bei Einschätzungen der Realität auf die Virtualität zu verlassen. Ein Hype oder eine Welle im Bildschirm kann sich vor der Tür als laues Lüftchen entpuppen.

Das Oxford Internet Institut für geografische Information hält immer wieder spannende Karten für uns bereit. Einige kennen vielleicht die Darstellung der Weltkarte nach Reichtum oder Energieverschleiss. Die Daten dafür wurden in der Regel an diesem Institut erhoben und grafisch umgesetzt. Kürzlich wurde eine Darstellung publiziert, die unsere Perspektive einmal mehr etwas verrücken sollte. Unsere komfortable kleine Welt hält uns gefangen in der Vorstellung, das Internet sei wirklich das proklamierte World-Wide-Web. Mit Daten von 2011, die auf Angaben der Weltbank beruhen, zeigt eine Landkarte primär zwei Dinge: Die Länder werden im Verhältnis zu ihrer Internet-Population statt zur geografischen Grösse aufgeblasen oder verkleinert und die Färbung verrät wie hoch der prozentuale Anteil der Internetnutzer auf das Land bezogen ist.

Bewegung und Stillstand

Das Beispiel Chinas zeigt also ein Land, das im weltweiten Vergleich wohl viele Nutzer hat, bezüglich der Einwohnerzahl dagegen schlecht durchdrungen ist. Den Wachstum der einzelnen Länder sieht man dagegen leider nicht, wie Gizmodo in einem Beitrag zu den Karten richtigerweise festhält. Das Institut kommentiert aber immerhin, dass einzelne Afrikanische Länder ein beeindruckendes Wachstum aufweisen können seit den letzten Erhebungen 2008. Beinahe alle Nordafrikanischen Staaten haben ihre Internetpopulation verdoppelt und Länder wie Südafrika oder Nigeria scheinen den Anschluss an die Vernetzung ebenfalls immer schneller zu suchen.

Trotzdem bleibt die Erkenntnis, dass nur ein geschätzter Drittel der Weltbevölkerung das Internet darstellt. Wobei ich vermute, dass von diesem Drittel ein ungleich kleinerer Anteil das wirklich aktiv Internet repräsentiert. Eine Karte der tatsächlichen Online-Zeit wäre in diesem Zusammenhang eine spannende Sache.  Die Schweiz ist erwartungsgemäss dunkelrot eingefärbt, kaum ein Land ist besser vernetzt als unser Kleinstaat. Bezüglich der Population bringt das aber trotzdem kaum Grösse, wir bleiben selbst bei 100% Abdeckung ein kleiner Fisch im Pool der aufgeblasenen Westeuropäer. Ich würde diese Karte gerne einmal auf eine Darstellung der Verbreitung von Social Media legen. Könnte mir vorstellen, dass es da spannende Zusammenhänge gibt. Immerhin bietet die Seite des Instituts zahlreiche ähnliche Übersichten, beispielsweise zur Nutzung von Flickr.

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