Analphabetismus im 21. Jahrhundert

Wieder mehr Bücher lesenWas früher die Bücher gemacht haben, erledigt heute das Internet. So meinen wir jedenfalls. Der digitale Rausch ist mittlerweile (langweiliger) Alltag. Alleine in der Zeit von 1998 bis 2010 wuchs die Nutzung von TV und Internet um beinahe 50%. An diesem immensen Wachstum leidet natürlich wiederum das Buch. Höchste Zeit also, dass wir die Regale abstauben und wieder mehr lesen. Denn Bücher bleiben unersetzlich.

Wer mit offenen Augen durchs Leben geht und heute mit der Zeit vor 15 Jahren vergleicht, bemerkt diesen drastischen Wechsel sofort. Was das wohl mit sich gebracht hat?

Die Zahlen der Stitftung Lesen über den Anteil der Medien am täglichen Medienbudget in der Schweiz zeigen’s offen:

  • Die meiste Zeit fällt mit 32% auf das Fernsehen
  • Gefolgt von Internet und Radio (28%)
  • 5% entfällt auf die Tageszeitung
  • 4% auf Bücher

Auf welches Medium wollen wir in der Schweiz nicht verzichten?

  • Mit 31% entfallen die meisten Nennungen auf das Internet.
  • 25% wollen nicht auf Fernsehen verzichten.
  • 9% wollen am wenigsten auf Bücher verzichten.

Dieser Verlust ist tragisch. Der FAZ befasst sich im Artikel über Leseunlustige Jungen über die Problematik, muss es aber ratlos stehen lassen: „Ebenso unklar ist, wie es gelingen könnte, die wenig leselustigen und entsprechend leseunfähigen Jungen, die zwar im Internet stöbern, aber kaum Bücher anrühren, zum Lesen zu bringen. Unter Bildungsforschern wie unter den Teilnehmerländern scheint hierbei Ratlosigkeit zu herrschen.“

Der Fernseher ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…

Die Tatsache über TV sei hier auch noch erwähnt. In den Anfängen der Fernsehgeschichte – wir sprechen von den 50er Jahren – wurde das Fernsehen als ein „Gemeinschaftsspiel“ betrachtet. Heute sehen die Kinder meist alleine fern. Jeder hat sein eigenes Gerät im Zimmer. Vorbehaltlos saugen sie alles rein, was die Kiste raus spült. Aus solchen Kids werden wohl kaum Leser…

Lesen online oder offline – ist doch dasselbe, nicht?

Warum aber dieses Drama? Lesen tun wir ja schliesslich immer noch. Vielleicht nicht mehr Bücher, dafür aber im Internet. Tatsache ist, dass zwischen dem Surfen im Internet und dem Lesen eines Buches grobe Unterschiede liegen, welche entsprechend tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung ausüben. Wissenschaftler nennen u.a. folgende Gründe:

  • Während das Buchlesen linear geschieht, lesen wir im Internet sprunghaft.
  • Ein Buch zu lesen benötigt Zeit, im Internet aber kann man die Texte kurz überfliegen (Zeit sparen, nicht?).
  • Im Internet will man sich vorwiegend Informationen beschaffen, Bücher vermitteln aber ein globales Verständnis.
  • Durch das Buch kann der Autor seine Absicht auf den Leser einwirken lassen. Im Internet aber steht alleine der Leser im Vordergrund.

Das Kind nicht mit dem Bad ausschütten

Ich möchte das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Nur dazu animieren, dass wir vermehrt wieder Bücher lesen. Das Internet trägt definitiv starke Vorteile und bringt Nutzen, die wir nicht missen möchten. Doch sollten wir nicht die Balance verlieren. Das Internet kann das Buch nicht ersetzen.

Das Internet hilft uns zwar, schnell an Informationen zu gelangen, die wir für unser Tagesgeschäft benötigen. Doch es kann uns nicht bilden. (Auch Wikipedia nicht :)) Es ist das traditionelle Lesen eines Buches, das Zeit benötigt, unsere Fantasie fördert, das Denken schärft und unsere Urteilsfähigkeit entwickelt. Mehr dazu im nächsten Artikel.

Übrigens hat die INM auch ein Buch geschrieben. Nicht online, sondern offline. Unter anderem auch deshalb, damit man sich wieder einmal die Zeit nimmt, sich hinzusetzen und zu lesen. Neugierig?

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