Trolle und hässliche Kommentare erwecken Google+

Google+ wird pflicht für YouTube, SymbolbildDass man mit acht Jahren schon grossartig pubertiert ist eher unwahrscheinlich. Trotzdem hat man nach einem Besuch beim (erst) 2005 gegründeten YouTube oftmals das Gefühl einen ganzen Schuh voller milchgesichtiger, verpickelter, hinter vorgehaltener Hand kichernder Vorstadt-Rebellen rausgezogen zu haben. Trolle, wie die Verfasser von nervigen Kommentaren umgangssprachlich genannt werden, haben die Kommentarspalten des Videoportals fest im Griff. Top-Kommentare unter Videos sind entweder wirklich lustig, oder einfach nur selten blöd. Viel liegt leider nicht dazwischen. Und trotzdem: Wer ein Video sucht, der kommt nicht um YouTube herum, sorry Vimeo und Konsorten. Der Dienst ist längst etabliert und unangefochten auf Platz eins seines Kerngeschäfts angekommen.

Anders sieht es auf Google+ aus. Geisterstadt und Nerd-Hochburg wird das technisch einwandfreie, alle Google-Dienste umspannende Netzwerk gerne geschimpft. Neben einem kaum bestrittenen Nutzen für SEO, geben viele Kritiker dem sozialen Netzwerk des Suchgiganten nur wenig Kredit. Das Verknüpfen von Gmail oder dem Android-Konto mit einem Profil verschaffte Google zwar einen besseren Überblick über die Aktivität seiner Schäfchen, doch ein Zugang alleine macht noch keine Interaktion. So stiegen wohl lange die Nutzerzahlen, die Masse blieb aber träge. Natürlich gibt es Aktivität in den Profilen, doch verglichen mit den Nutzerzahlen stehen sie in keinem Verhältnis.

Jetzt schickt der Gigant Youtube (und notabene auch Blogger) ins Rennen. Durch die Verknüpfung realer Profile mit ihren wiedererkennbaren Nutzern und schlägt Google zwei Klappen auf einmal. Für die Nutzer dürfte sich ein positiver Effekt einstellen wenn es um Ratings und Kommentare von Videos geht. Klar wird es weiterhin Fake-Profile geben, auch werden Hassparolen und Anfeindungen nicht plötzlich aussterben. Doch das ständige Wechseln des Benutzers, gerade an mobilen Devices, dürfte Trolle schneller ermüden als es bisher der Fall war. Alle Nutzer haben also etwas davon, wenn die Kommentarfunktion transparenter wird. Dieser Ansicht ist auch Josh Constine von Techcrunch in seinem lesenswerten Beitrag. Der Journalist geht übrigens noch wesentlich weiter. In seiner schematischen Darstellung verschiedener Google-Dienste bildet YouTube den ganzen Corso des Google-Körpers (weshalb er Maps an den „verlängerten Rücken“ verlegt soll an dieser Stelle sein Geheimnis bleiben).

Symbolbild Google-Dienste, by techcrunch.com

Der Nutzen dieses Schrittes für Google auf der anderen Seite liegt ebenfalls auf der Hand. Längst machen Musikvideos und Film-Trailer einen erheblichen Anteil am Video-Kuchen aus. Die Stars promoten und die Fans folgen. Mit passenderen Begriffen kann man den Social Media-Aspekt kaum hervorheben wie ich finde. Das Rauschen auf Google+ wird zunehmen. Die Platten- und Filmindustrie werden ihre Pferde auf Google+ loslassen müssen, um ihre Angebote promoten zu können. Es wäre das erste Mal, dass die Hörigen ihren Vorbildern nicht folgen. Kommen die Gespräche in Gang, kann Google eine grosse Lücke schliessen und sich zu einem geschickten Schachzug gratulieren.

Bleibt die Frage, ob all die Hauptdarsteller aus dem endlosen Fundus an Katzenvideos dann ebenfalls über kurz oder lang eigene Profile bekommen werden?

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5 Kommentare

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  1. Andi Gentsch | 27.09.2013 16:04

    Danke für dein Feedback. Mich persönlich haben die Kommentare auch nicht mehr gestört, als beispielsweise das sinnfreie Geplapper auf den Seiten von Tageszeitungen. Aber es wäre ja schön, wenn sie tatsächlich auch einen Mehrwert darstellen würden. 😉 Personalisiert und filterbar würde das System einem weiteren Schritt weg von der Foren- und hin zu angenehmer Dialog-Kultur gleichkommen.

    Natürlich ist das alles primär eine gute Verkaufsstrategie… machen wir uns nichts vor. Aber Google+ besser zu verkaufen ist schlussendlich auch in meinem persönlichen Sinn. i like

  2. Sam Steiner | 27.09.2013 15:45

    Interessanter Aspekt mit den ganzen YouTube-Trolls. Mich hatten sie nicht sonderlich gestört (man muss ja nicht alles lesen), aber es ist natürlich ein willkommenes Argument für die Umstellung auf Google+-Kommentare 🙂

    Bisher hört man eher: ach, wie böse, Google drückt mit ganzer Macht dazu, dass man Google+ verwenden MUSS. (Niemand muss)

  3. Yves | 27.09.2013 11:31

    Die beiden Netzwerke als Konkurrenten zu sehen bringt eh nichts. Verfolgen seit je her verschiedene Ziele. Googles Plan ist einfach, die User zu spüren, ohne das da viel in der Facebook Blase verschwindet.

  4. Andi Gentsch | 27.09.2013 10:14

    Danke für dein Feedback.

    Bin der selben Ansicht: Google geht die Sache durchdacht an und wird die Schlinge um die User konsequent enger ziehen. Dafür spricht auch das angekündigte Engagement rund um die SSL-Verschlüsselung. Persönlich bleibe ich der Meinung, dass Google keinen Facebook-Konkurrenten aufbauen will mit Google+, ihre Pläne gehen darüber hinaus.

  5. Yves | 27.09.2013 10:06

    Ich denke die Verbindung mit einem Google+ Account wird eher die Qualität der Kommentare heben und zur Folge haben, das weniger getrollt wird.
    Google wird alles daran setzen, ihre Dienste so zu verbinden, dass die Aktivitäten eines Users auf Google+ vereint werden. Die breite der Dienste ist der grosse Vorteil, den sich Google verschafft hat. Wenn Facebook seine User gut kennt, dann kennt es dennoch nur einen kleinen Teil des Verhaltens des Users. Anders bei Google.

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