Hat Google ein soziales Netzwerk?

Symbolbild Google+ und Social MediaVor einem guten Monat hat Social Media Stratege Augie Ray auf Socialmedia today einen Vergleich zwischen Facebook und Google+ angestellt. Zugegeben, kaum mehr jemanden dürfte die blosse Existenz einer solchen Gegenüberstellung in Ekstase versetzen. Der Autor selber eröffnet den Beitrag mit einem Hinweis darauf, dass derzeit kaum eine Debatte häufiger und kontroverser geführt werde. Was er uns allerdings liefert sind akribisch zusammengetragene, aktuelle Zahlen in wohldosierten Mengen.

Er stellt in seinem Post wiederkehrende Behauptungen in Frage, wonach Google+ Grössen wie Twitter überholt habe. Wie viele andere vor ihm, verweist auch er auf ein erschreckend inaktives Userverhalten auf G+. Im Gegensatz zu vorangegangenen Kritikern greift er dabei allerdings auf sehr aktuelle Zahlen zurück. Ray gestattet sich basierend darauf den kleinen Seitenhieb, dass selbst der angestaubte Community-Saurier MySpace Google+ in Sachen Nutzer- Aktivität ausstechen würde.

Schwache oder keine Zahlen

In der bemerkenswerten, mit dem Newcomer Tool infogr.am gestalteten, Grafik  zeigt er beispielsweise Zahlen zum 2. Quartal 2013 der Plattform Gigya. Die Statistiken des amerikanischen Portals degradieren Google in einem Overall-Vergleich „Where consumers share“ zu einem Zwerg. Die Gigya-Zahlen lassen Nutzer, die sich mit ihrem Google-Konto zu Diensten von Drittanbietern einloggen, in gewissen Bereichen als Exoten dastehen. Facebook Login, als praktischer Türöffner für Dritt-Applikationen, verzeichnet gemäss dieser Erhebungen bis zum achtfachen Anteil an Nutzern im zweiten Quartal 2013.

Spannend wird ein Blick auf die Untersuchung des PEW Research Center. Und zwar findet sich der interessanteste Teil in meinen Augen eben ausdrücklich nicht in dem Report. Vor keiner der Zahlen zum Social Media Gebrauch findet sich der Name Google. Selbst nach der vorgängigen quasi Demontage des Internetriesen überrascht diese Tatsache. Pew begründet den Verzicht auf Google+ Zahlen damit, dass die User zu verwirrt wären, die verschiedenen Dienste Googles von deren Community mit dem mathematischen Operator zu trennen. Gmail und Youtube spielen somit bei dieser Erhebung zu Social Networking keine Rolle. Meiner Meinung nach ist das ein riskanter Entscheid.

Auch eine Frage des Blickwinkels

Augie Ray hält fest, dass es durchaus sinnvolle Einsatzgebiete für Google+ gibt und geben wird. Er betont auch, dass er niemanden überzeugen wolle G+ zu meiden, oder gar zu ignorieren. Er stützt des weiteren Kommentare, die auf dessen möglichen Einfluss im SEO-Bereich hinweisen. So ist es denn ebenso wenig mein Ansinnen an den Kernaussagen seines Beitrags oder gar an den Zahlen zu zweifeln. Vielleicht müssen aber einige SoMe-Analysten ihren Fokus bald schon etwas erweitern, wollen sie Social Media künftig in Zahlen fassen.

Ich gehe mit den Autoren einig, dass Google+ noch immer grösser gemacht wird als es derzeit ist. Selbst Rays Ansicht, dass die Agenturen und Berater aus einer gewissen Verzweiflung und Facebook-Sättigung heraus versuchen ihre Kunden für neue Dienste zu begeistern würde ich über weite Strecken unterschreiben. Doch für mich gehören Zagat-Kritiken und gespeicherte Routen auf Google Maps längst genauso zur Google+ Welt, wie es auch Kommentare auf Youtube oder mein persönlicher Mailverkehr tun. In meinem Posteingang sehe ich Details zu meinen Kontakten, wie sie nur aus einem komplex hinterlegten Beziehungs-Geflecht stammen können – und zwar sowohl in den Mails meiner Familienmitglieder, als auch in Newslettern. Das finde ich eindrücklich, praktisch und zuweilen erschreckend zugleich. Was gibt es sozialeres als das direkte Gespräch mit dem eigenen Nezwerk, über Themen die einem direkt betreffen? Google hat kein soziales Netzwerk, es ist eines.

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