Twitter kapselt sich immer mehr ein

Yves Moret, 18.09.2012 6 Kommentare

In den letzten Wochen mehren sich die Meldungen, dass sich der erfolgreiche Microblogging Dienst Twitter zunehmend einmauert. Nach und nach werden immer mehr Drittanbieter von Tools und Zusatzdiensten von Twitter teilweise bis ganz eingeschränkt.

Schon vor rund einem Monat ging ein Raunen durch Twitter Gemeinde. Twitter gab bekannt, dass sie den Zugriff auf API massiv einschränken wollen. So soll die Twitter-API von einem Client nur noch 60 Mal pro Stunde aufgerufen werden können, statt wie vorher 350 Mal. Auch werden die Anzahl Nutzer pro App/Client limitiert. Die Grenze liegt bei 100’000 Usern die einen Dienst ohne spezielle Erlaubnis durch Twitter nutzen dürfen. Ausgenommen sind Dienste, die bereits schon mehr User haben. Diese sollen bis zu 200 Prozent der heutigen Userzahl wachsen.

Man sieht also, nicht genug, dass die Entwickler von Dritt-Software mit den Nutzungseinschränkungen zurecht kommen müssen, nein, man gestaltet es noch so kompliziert, dass dies auch kaum einzuhalten îst. Was soll zum Beispiel mit einer App gemacht werden, die das User Limit erreicht? Aus dem App Shop nehmen, bis einige User ihre Apps nicht mehr nutzen?

Ansprüche an die Darstellung der Tweets

Auch bei der Darstgellung der Tweets meldet Twitter Ansprüche bei den Entwicklern von alternativer Software. So soll die Möglichkeit zum Antworten, Retweeten und Favorisieren jederzeit gegeben sein. Dafür dürfen soziale Tätigkeiten wie das sharen von Tweets in Dritt-Software nicht möglich sein. Wie das von Twitter umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Sollte Twitter auf diese Regel bestehen, wird dies wohl so einigen Unmut hervorrufen. 

Keine alternative Fotodienste mehr aus den Apps

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg von Twitter war der Umstand, dass man problemlos gerade mit dem Smartphone geschossene Bilder auf Twitter publizieren konnte. Dies war lange nur mit Hilfe von externen Diensten wie zum Beispiel TwittPic, Yfrog, Instagramm, Picplz etc. möglich. Erst seit ungefähr einem Jahr ist es möglich, die Bilder direkt auf Twitter zu laden.
Nun gut, der Mohr hat seinen Dienst getan, er kann nun gehen. Ab den nächsten Versionen der Twitter Apps wird nur noch der Twitter eigene Bilder Dienst zu benutzen sein. All die Dienste, die Twitter so weit brachten, wo es heute steht, können dann selber schauen, wo sie bleiben. 

Warum das Ganze?

Lange braucht man hier ja nicht über den Sinn von solchen Massnahmen zu brüten. Es geht einzig und alleine darum, dass Twitter die User auf seinen Diensten behalten will, wo sie mit den Usern auch mit ihrer Werbung Geld verdienen können.
In Europa ist dies nicht ganz leicht nach zu vollziehen, da die Werbeaktivitäten von Twitter hier noch ziemlich spärlich ausfallen. Twitter verdienst sein Geld (noch) vorwiegend in den USA.
Wie der Werbeumsatz in den letzten Jahren aussah und wie er sich entwickeln könnte, zeigt folgende Infografik (Quelle: eMarketer

Globaler Umsatz Twitter

Es geht also wieder mal um viel Geld. Ich persönlich finde es schade, dass Twitter sich genau von jenen Diensten trennen, die Twitter gross gemacht haben. Es wird spannend werden, wie dies die ganze Twitter Community goutiert.

Seht ihr das auch so? Findet ihr die „Facebookisierung“ gar nicht so schlimm. Oder ist der Dienst für euch gestorben, wenn diese Änderungen kommen? Wie immer bin ich auf euer Feedback gespannt. Hier, auf Facebook, Google+ oder sogar auf Twitter.

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6 Kommentare

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  1. Yves Moret | 19.09.2012 17:07

    @Renato

    Ich weiss genau was du meinst. Ich für mich selber scheue mich eigentlich vor zu geschlossenen Netzwerken. Genau das schätze ich (noch) an Twitter und genau das kommt mir immer wieder bei Facebook schräg rein. Aber eben, jeder ist seines Glückes Schmied. Fast überall bringst du ein gutes Netzwerk zustande. Mühsam ist es einfach, wenn du über Jahre was aufbaust und das dann nach mehr und mehr in eine Richtung entwickelt, mit der du dich nicht identifizieren kannst. Daher möchte ich meine Energien nicht immer in ein neues Netzwerk konzentrieren.

  2. Renato | 19.09.2012 15:17

    @Yves: Ist halt die Frage was man will… Ich kann gut verzichten meine ganzen Kontakte von einem Netzwerk ins andere migrieren zu wollen. Jeder darf sich da aufhalten wo er sich wohl fühlt. Dafür geniesse ich es bei App.Net neue Kontakte zu finden. Qualitative Kontakte. Man darf ich nicht vergessen, dass App.Net keine neue Plattform ist, sondern eine offene Schnittstelle, welche natürlich immer noch in der Entwicklungsphase ist. Aber darüber gibt es bald mehr zu lesen…

  3. Yves Moret | 19.09.2012 14:20

    @Renato

    Mit App.net habe ich mich offengestanden noch nicht beschäftigt. Zwar genau aus den Gründen, wieso ich für diesen Dienst ein wenig schwarz sehe. Zum einen kostet er mich was, was nicht das Problem ist, aber ich weiss nicht, was mich dort für eine Community erwartet. Werden die Kontakte aus Twitter auch dort zu finden sein, oder bleiben sie wo sie sind?
    Google+ ist gratis, ich kanns ausprobieren und kann schauen, ob meine Freunde dort sind oder nicht. Ich sehe ob es lebt und kann wieder gehen, ohne das es mich was gekostet hat. Dennoch hat Google+ das gleiche Problem, wie es App.net voraussichtlich haben wird. Für Google+ kann ich teils Leute noch motivieren, weils nichts kostet. Die gleichen Leute könnte ich voraussichtlich für 50$ nur schlecht für diesen Versuch motivieren.

  4. Renato | 19.09.2012 14:03

    Twitter gibt mit jeder vollzogenen Einschränkungen einen Steilpass an App.Net. Eine offene Schnittstelle welche bewusst von Dritt-Applikationen leben soll. Und dabei geht es um weit mehr als „nur“ die Kommunikation. App.Net hat ein spannendes Potential. Zusätzlich wird es ein bisschen geschützt vor Spammer und Fake-Profilen durch das es ein kostenpflichtiger Dienst ist…

  5. Yves Moret | 19.09.2012 13:10

    @Lukas

    Ich tippe mal auf Zweiteres. Sehr wahrscheinlich nicht die Mehrheit, aber genau jene, die geholfen haben Twitter populär zu machen und diesen Dienst auch intensiv nutzen. Sind auch genau jene, die gerne ein wenig was bezahlen würden, um den Dienst ohne Einschränkungen zu nutzen. Bin überzeugt davon.

  6. Lukas | 19.09.2012 10:32

    Ich bin gespannt ob die Strategie für Twitter auch aufgeht oder ob sie ihre Mitglieder vergraulen.

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