Soll Zuckerberg als Facebook-CEO zurücktreten?

Bryan Graf, 23.08.2012 2 Kommentare

Facebook Mark Zuckerberg - CEO Rücktritt?Lassen wir die Eingangsfrage mal so stehen. Denn nach dem Börsenkurs-Desaster werden langsam Stimmen von Investoren laut, die Mark Zuckerberg’s Rücktritt fordern. Sollte ein Gründer überhaupt die Zügel aus der Hand geben? Ja! Anhand von 3 Beispielen wird aufgezeigt, wieso dies vielleicht für die Zukunft beider / aller förderlich sein könnte.

Die Facebook Aktie fiel zuletzt auf unter 20 Dollar. Zur Erinnerung: Beim IPO wurden die Papiere noch zu 38 Dollar ausgegeben. In den letzten Monaten wurde Facebook zum Papier mit der miesesten Performance und lässt Klein- sowie Grossanleger bluten. Einzig die Facebook Alt-Aktionäre machen gewinn – so wie Peter Thiel, der seine Aktien letzte Woche abgestossen hat, damit aber noch mehr Ungemach fürs Unternehmen bringt. So geht der Ausstieg auch weiter, denn auch Mitbegründer Dustin Moskovitz stösst hunderttausende Anteile ab. Etwas muss also Geschehen – und zwar schnell. Soll Mark Zuckerberg als Facebook CEO zurücktreten, wie es nicht wenige bereits  fordern?

Um eines klar zu stellen:  Zuckerberg’s Position scheint nicht ein wackliger Stuhl zu sein. So hat dieser nach wie vor 57% der Stimmrechtsaktien am Unternehmen. Und die Gegenstimmen scheinen keinen klaren Anführer zu haben – auch fehlt es noch an einem geeigneten möglichen Nachfolge-Kandidaten. Die einzige Person, die ihn wegmanövrieren könnte, ist er selbst. Doch wieso sollte er das tun? Naja, er bringt mit seinen 28 Jahren nun mal nicht den Rucksack mit, ein Multimillionen- / ja gar Milliarden-Unternehmen zu führen. Das Unternehmen wächst derart rasant, hier braucht es gewaltige Kompetenz um das Schiff zu führen. Den CEO-Posten abzugeben um sich vielleicht Dingen seiner Fachkompetenz (bspw. Programmierung oder ähnlich) zu widmen wäre keine Schande, wie wir anhand anderer durchaus bekannten Technologie-Firmen kennen. Werfen wir doch mal einen Blick darauf:

Apple
Ein arroganter Jüngling der aus seinem eigenen Unternehmen rausmanövriert wurde; vielleicht ein Umstand der ihn so zu einem der grössten und erfolgreichsten Technologie Führungspersönlichkeiten gemacht hat. Steve Job’s Rauswurf bei Apple im Jahre 1985 und die triumphale Rückkehr. Beim Wiedereintritt im Jahr 1997 war Steve in den 40ern. Erfahrener, ruhiger und überlegter war er gar bereit seinen Hochmut wegzustecken und seinen alten Erzrivalen Bill Gates dazu zu überzeugen, mit einem Investment Apple am leben zu erhalten. Die zwischenzeitlich gegründete NeXT und deren Software bildete die Grundlage für das Mac OSX und seine kleine Animationsfirma Pixar wandelte sich zu einem der grössten Firmen im Film- / Animationsbereich. Was wäre mit Zuckerberg, wenn er heute Facebook verlassen würde? Was wäre sein NeXT und wie würde die Branche durch diesen Weggang davon profitieren? Er wäre von seiner jetzigen verantwortungsvollen Management-Position entbunden und könnte sich so wieder aufs Programmieren konzentrieren und seine Kreativität mehr entfalten.

Google
Viele Gründer sind bereit, freiwillig die CEO-Rolle jemand anderem zu überlassen. Als prominentestes Beispiel zählt hierbei sicherlich auch Google. Larry Page und Sergey Brin, beide in ihren Mittzwanzigern, waren ob ihrer Unerfahrenheit bewusst und engagierten so Google’s perfekten CEO: Mit Eric Schmidt fanden sie ihren idealen Mentor & Partner. Schmidt formte Google als ein erfolgsversprechender Suchmaschinen-Dienstleister zu einem global führenden Technologie-Machtzentrum. Schliesslich konnte Page im 2011 das Ruder als CEO mit all den Managern, Sales Teams und Vice Presidents wieder übernehmen und weiterführen, währenddessen Schmidt sich in den Vorstandvorsitz zurückzog. Was wäre wenn Zuckerberg und COO Sheryl Sandberg den idealen CEO für Facebook finden würden, der in die Facebook Hackerkultur passen würde? Sie würden nach wie vor die Kontrolle behalten, sollte irgendetwas passieren… und Zuckerberg könnte von einer etwas grösseren Distanz aus das Handwerk eines CEO’s besser erlernen und dem Google-Model folgen: Im Jahre 2022 könnte er im Alter von 38 Jahren wieder auf den Posten zurückkehren – älter, weiser und bereit, die Welt in Angriff zu nehmen.

Microsoft 
Im Jahr 2000 überlässt Bill Gates als Gründer seinem alten Freund Steve Ballmer den CEO-Posten. Gates wurde Chief Software Architect und konzentrierte sich fortan wieder auf das was er am liebsten machte. Klar die Performance von Ballmer lässt zu wünschen übrig und vielleicht hätte Gates sich einen besseren Nachfolger suchen müssen – für Gates allerdings, war dieser Schritt perfekt. Quasi über Nacht wurde der Mann, der bekannt dafür war mit seinen Mitarbeitern nicht gerade zimperlich umzugehen, zum weltenbummelnden Philanthropen, der uns gar vom Coverbild der Times mit Bono zulächelt. Zuckerberg könnte sich somit auch überlegen, sich wieder vermehrt aktiv der Weiterentwicklung Facebook’s zu widmen und falls ihm dies alles zu viel wird, in Frühpension zu gehen.

Drei Beispiele die aufzeigen, dass ein Gründer & CEO, nicht zwingend CEO bleiben muss. Der Druck der Börsianer wird weiterhin zunehmen und es sieht momentan nicht danach aus, als ob Zuckerberg das Ruder alleine rumreissen kann. Denn trotz steigender Nutzerzahlen, fallen die Aktien.

Was meint ihr? Soll Mark Zuckerberg den CEO-Posten bei Facebook räumen? 

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2 Kommentare

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  1. Bryan Graf | 23.08.2012 15:19

    Danke für deinen Beitrag!

    Naja, diese Spekulanten sind nun halt Mitinhaber des Unternehmens und ich glaube sowohl sie als auch Zuckerberg wünschen wohl kaum eine schlechte Performance. Wieso geht ein Unternehmen überhaupt an die Börse? Weil es Geld verdienen will. Mit diesem Schritt hat er sich leider Gottes nun auch neue Stakeholder geschaffen – die Aktionäre…

    Ich verzichte ebenfalls mal gerne auf die Krawatte, allerdings gehe ich zu Kunden auch nicht im Hoodie oder auch bei den momentanen sommerlichen Temperaturen erscheine ich trotzdem mit Hose anstatt kurzer Shorts. Bei seiner Hochzeit war er sich auch nicht zu schade im Smoking zu erscheinen 😉 Ich stimme mit dir überein, dass ein einfach besser gekleideter CEO nichts nützt – allerdings stellt sich für mich seit dem Börsengang vermehrt auch die Frage: Quo Vadis Facebook? Ein Unternehmen braucht Perspektive, langfristige Ziele, die er den Aktionären und der Community allgemein aufzeigen kann. Dem Unternehmen täte es gut mehr zu kommunizieren anstelle zu schweigen. Zuckerberg als CEO sollte zudem auch Sicherheit vermitteln – genau wegen diesen Spekulanten. Er muss eine Strategie haben – und die fehlt scheinbar. Wieso auch – er hat ja gar nicht die Erfahrung einen derartigen Konzern zu steuern. Google hat es schlau gemacht und wir sehen wo die jetzt stehen… die hatten auch ein „älteres Semester“ als CEO und der hat das Unternehmen durchaus vorwärts gebracht oder nicht? Facebook war für mich bisher immer fun und kostenlos – was wäre wenn wir mehr und mehr mit Ads bombardiert werden, unsere Daten weiterverkauft oder der Dienst kostenpflichtig wird? Wo wären die USP’s Facebook’s um dies den Usern schmackhaft zu machen?

    Zudem geht es nicht nur um Zuckerberg und die Spekulanten, Arbeitsplätze sind wenn es so weiter geht, ebenfalls in Gefahr. Vorallem kämpfen sie nun mittlerweile an allen Fronten: Börse, Zensur, Privatsphäre, etc. Naja, mal schauen in welche Richtung sich die ganze Sache entwickelt…

  2. Sam Steiner | 23.08.2012 11:43

    Das einzige Problem haben die Spekulanten, die meinten, sie würden innert Tagen das grosse Geld machen mit Facebook-Aktien. Die schreien jetzt auf, kriegen aber maximal ein „Jöö“ von mir.

    Ich bin kein Facebook-Fan – schon gar nicht Zuckerberg-Fan. Aber eines muss man ihm (neben Richard Branson von Virgin) lassen: er kümmert sich wenig um Kravatten. Und wenn nun Börsen-Spekulanten ein Problem damit haben, dass er Hoodies trägt, dann sollen sie doch ein Problem damit haben. Fachlich macht das doch keinen Unterschied.

    Einen neuen CEO, nur um diese Fashion-Schnittstelle zu optimieren ist wenig sinnvoll. Auch versteht ein älteres Semester tendenziell zu wenig (wirklich im Blut drin) die Veränderungen im Web, um fachlich eine grosse Hilfe zu sein.

    Das Problem ist hauptsächlich: ein börsenkotiertes Unternehmen muss kurzfristig Geld machen, wo Facebook vorher langfristig aufbauen konnte. Langfristig hat sich nicht viel verschlechtert am Potential von Facebook – sie werden das Mobile-Problem genug früh in den Griff kriegen (da müssen sie aber auch einfach warten – warten, dass die Gesellschaft anfängt, am Smartphone einzukaufen, das wird sicherlich geschehen).

    In dem Sinn habe ich wenig Mitleid für Spekulanten und ich glaube, dieses Mitleid hält sich bei Mark Zuckerberg wohl auch in Grenzen (was solche Forderungen nochmals verstärkt).

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