Google+ – Wie tot ist eigentlich Googles Social Network?

Ist Google+ tod?In den letzten Wochen höre ich immer wieder und immer mehr die Stimmen, die sagen, dass Google+ tot ist, dass dort nichts läuft und dass man dort kaum Feedback erhält.
Dies erstaunt mich eigentlich, sind doch meine Erfahrungen genau entgegengesetzt.

„Ich hab es mir mal angeschaut, da läuft ja nichts!“  Genau dies ist der Spruch, den ich immer wieder von Branchenkollegen, Bloggern und Marketingleuten höre. Meine persönlichen Erfahrungen mit Google+ sind da genau entgegengesetzt.

Michael Gisiger auf G+

Michael Gisiger hat gestern in einem Google+ Post von seinen Erfahrungen berichtet . Da die Erfahrungen von ihm so ziemlich mit meinen übereinstimmen, habe ich  den Beitrag noch bei mir in Google+ verlinkt, zusätzlich einmal in Twitter und einmal in Facebook.  Ziemlich schnell gingen bei Michael Gisiger die Kommentare ein, die durchwegs Pro Google+ waren.  Zum Zeitpunkt, in dem ich den Artikel schreibe, sind es bereits 24 Kommentare, Neun +1en und  ein Reshare. In meinem verlinkten Beitrag haben sich auch noch ein paar +1en angesammelt . Anders bei Twitter. Hier bekam ich keine Reaktion.  Bei Facebook hat es immerhin noch für ein „Gefällt mir“ gereicht  (danke Stefan).

Ok, der Artikel zieht natürlich vor allem User von Google+ an. Dennoch staune ich, dass viele Leute einfach Google+ für tot erklären, nur weil sie sich nach einem kurzen Versuch entschieden haben, dass dort jegliches Leben fehlt. Von daher müsste ich mich nun schleunigst von Facebook abmelden.

Ich denke das grundlegende Problem ist der ständige Vergleich von Google+ mit Facebook.  Um es zum wiederholten Male zu predigen, Google+ ist was anderes. Man höre und staune, es funktioniert auch anders.
Wenn man einfach seine persönlichen Freunde anstupsen möchte ist Facebook ok.  Dort habe ich als Kontakte aber auch nur Leute drin, bei denen ich irgendwann mal zugestimmt habe, dass sie meine Postings lesen dürfen. Öffentlich sind keine Posts in Facebook von mir zu lesen. Das heisst, ich gebe mich dort mit einem geschlossenen Personenkreis ab.

Anders bei Google+.  Hier kann ich öffentlich posten und es ist auch wirklich öffentlich. D. h. jeder Post von mir (ich poste selten bis nie in geschlossene Kreise) kann von jedermann gelesen werden. So hat mein Post das Potenzial, jeden Internetuser zu erreichen. Nicht nur das. Es hat auch jeder User die Möglichkeit, bei mir zu kommentieren. Es geht also ähnlich vor sich, wie bei Twitter, nur mit den Vorteilen, dass die Posts von der Zeichenanzahl  fast nicht limitiert sind und die Diskussionen sauberer gegliedert werden.

Ich kann nachvollziehen, wenn jemandem Google+ nicht zusagt, ist auch bei Twitter oder Facebook der Fall. Wenn aber jemand sagt, dass Google+ tot sei und dort nichts läuft, dann glaubt das nicht. Dort läuft nur nichts, wenn man selber drauf wartet, bis was läuft. Ich kann auch nicht an eine Party, mich im Klo einschliessen und dann behaupten, es lief nichts auf der Party.

Wie seht ihr das. Bin ich da zu überheblich, hab ich selber eine verschobene Perspektive? Freue mich auf euer spannendes Feedback auf allen Kanälen.

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12 Kommentare

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  1. Sam Steiner | 21.05.2012 11:07

    In meinem privaten Freundeskreis – das sind Nicht-Twitterer, Nicht-Social-Media Geeks etc merke ich, wie eine Facebook-Müdigkeit aufkommt (zu viel Plunder, zu viel Zeitverschwendung, zu viel von Leuten, an denen man nicht interessiert ist) und sogar schon die ersten Abmeldungen in Richtung (schwach-aktive) Google+-Nutzung.

    Wenn eine solche Müdigkeit Wellen schlägt, kann ich mir heute durchaus einen rechten Knick für Facebook vorstellen. Ob Google+ davon profitieren wird ist dann aber eine zweite Frage.

    Vielleicht kommt man Weg von Netzwerken für Freunde – weil man die lieber offline trifft – und mehr in Richtung Netzwerke für Themen (wie Google+ und Twitter). Könnte das ein Trend werden nächstens?

  2. @miwendt | 18.05.2012 14:20

    Google+ ist noch nicht gestorben – zumindest im Marketing und IT-Umfeld. Aber in der Welt da draussen hat es gar noch nie angefangen zu leben. Das Ziel von Google+ ist es ja an die Menge der sozialen Daten zu kommen die Facebook hat. Google hat diese nicht, da im Netzwerk keine Aktivität herrscht (gemäss comscore 3 min. pro User im Monat; pro Beitrag sind es weniger als 1 Kommentar und weniger als ein +1).

    Um aktive User für sich zu gewinnen müssen sie nun umdenken. Meiner Meinung nach müssen sie versuchen Facebook und Twitter die User abzuwerben. Die Alltag-User haben einfach keine Zeit neben Facebook&Co. noch ein weiteres soziales Netzwerk wie G+ aktiv zu betreuen. Und wieso soll man überhaupt auf Google+ ein Konto eröffnen? Was kann man da, was man in einem anderen Netzwerk wie Facebook oder Twitter nicht kann? Viele Leute erzählen, dass G+ nicht das Gleiche ist wie FB ist. Ja das sehe ich. Aber ist das Bedürfniss, dass G+ abdeckt, überhaupt ausreichend vorhanden? Bzw. kann ich das auf Twitter oder Facebook in ählicher Form nicht auch? Google fehlt ganz einfach eine Geschäftsidee – ein einleuchtender Grund, um den FB-Nutzer (der ein Gewohnheitstier ist), davon zu überzeugen, auch einen G+-­Account einzurichten. In den Augen vieler Menschen hat FB keine schwerwiegenden Mängel oder fehlende Funktionen, die es rechtfertigen, ihm massenhaft den Rücken zu kehren. Die Bedürfnisse werden zurzeit alle gedeckt.

    Google+ hat durchaus grosses Potential und die besten Voraussetzungen um ein erfolgreiches Netzwerk aufzubauen. Aber dafür müssen sie noch einiges tun. Wir dürfen gespannt sein was da in Zukunft alles noch passiert.

    Hat Google+ evtl. eine Auge auf Pinterest geworfen? Die Google-Manager sind sehr angetan vom Newcomer und scheinen von einer Übernahme nicht abgeneigt zu sein. 😉

  3. Yves Moret | 16.05.2012 15:22

    Vorerst besten Dank euch allen. Ich sehe schon, meist liegt das Problem daran, dass man halt bei Google+ nicht mehr seinen gewohnten Freundeskreis vorfindet. Ich halte dies aber fuer eine Super Chance, sich wieder mal ueber die Grenzen seiner angestammten Netzwerke zu fokussieren. Auf alle Faelle freut es mich, dass dieses Thema doch bewegt. Finde es schoen was seit dem Post von Michael Gisiger von gestern alles abgegangen ist. Beweis fuer mich, dass Google+ noch nicht gestorben ist.

  4. Dennis | 16.05.2012 15:06

    „Öffentlich sind keine Posts in Facebook von mir zu lesen. Das heisst, ich gebe mich dort mit einem geschlossenen Personenkreis ab.

    Anders bei Google+. Hier kann ich öffentlich posten und es ist auch wirklich öffentlich. D. h. jeder Post von mir (ich poste selten bis nie in geschlossene Kreise) kann von jedermann gelesen werden.“

    Jein. Du kannst deine Posts und dein Profil in Facebook sehrwohl öffentlich machen, wenn du es einsprechend einstellst. Umgekehrt kannst du deinen Google+ Account privat einstellen wenn du es möchtest. Beides gilt übrigens auch für Twitter und ebenfalls gilt für alle Portale: Wer mitdiskutieren möchte, braucht einen entsprechenden Account beim Anbieter. So gesehen nehmen sich also alle drei Anbieter nichts. Das Problem von Google+ ist IMHO ganz einfach: Viele haben sich dort aus Neugier anmelden, doch was sie vorgefunden haben war gähnende Leere. Hier darf man nämlich keine Online-Marketer als Referenz heranziehen. Klar, dass die dort aktiv sind und sich wie wild vernetzen. Mit dem „normalen Nutzer“ dagegen hat dies nichts zutun. Der fühlte sich einfach bei Facebook Zuhause – ganz einfach weil dort eben alle sind. So einfach ist das. Von den aktuell ggf 150 Mio Google+ Nutzern sind IMHO viell. 10 Mio wirklich aktiv. Der Rest sind Karteileichen, so traurig es ist.

  5. Pascal | 16.05.2012 14:17

    Google+ ist ein tooles Werkzeug, das aber nicht von vielen benutzt wird. Mein Verhältnis von FB zu Google ist 270/2 welche nicht im Webumfeld arbeiten. Google hat es trotz tollen Ideen noch nicht geschaft die Google Search User auf Google+ zu bringen.

  6. Oli | 16.05.2012 13:51

    Bei Google+ hat es halt vor allem Nerds aus dem IT Bereich, welche es mit übermässigen Statusmeldungen oft übertreiben. Gleiches auch bei Twitter. Die normalen Leute sind eher auf Facebook zu finden.

  7. vinz | 16.05.2012 12:21

    Ich denke nicht, dass G+ in die selbe Lücke, wie Facebook stößt. Auf den ersten Blick (Freunde, folgen, Seiten, Spiele) vielleicht. Aber das grundlegende Konzept – auch wie die Leute es nutzen – sehe ich deutlich anders.
    Eher wie ein thematisch nicht festgelegtes Forum, in dem ich dynamisch einen Hauptthread zusammenstellen und diesen in einzelne Themen verästeln kann.

  8. Chris Beyeler | 16.05.2012 11:41

    Ich konnte bei Google+ noch keinen Nutzen zu meinen RSS-Feeds oder Twitter finden. Denn das brauche ich vor allem, um Infos einzuholen. Ich muss aber ehrlich gestehen, dass ich bis jetzt meist nur langweiligen Inhalt gefunden habe. Was teilweise spannend ist, sind die Diskussionen die entstehen.

  9. Sam Steiner | 16.05.2012 11:33

    Nur schon wegen Hangouts bin ich froh, gibt es Google+. Das ist vielleicht ein anderer Aspekt (weil die Nutzung solcher Dienste nicht gross sichtbar wird im Stream).

    Ich habe mehrere Hangouts pro Woche – zB entstand ein grosser Teil von http://www.shareville.ch via Hangouts: 3 Parteien sparten etliche Stunden Weg und kiloweise CO2. Bei SOMEXCLOUD setzen wir in Meetings regelmässig Google Hangouts ein – Hangouts on Air eröffnen nun ganz neue Möglichkeiten zB für Coaching oder „Themensendungen“. Für Google Apps Users ist das eine ideale Ergänzung – aber eben nicht vergleichbar mit der Nutzung von Twitter oder Facebook. Vielleicht sind solche „geschäftliche Nutzungen“ von Google+ der Grund, weshalb ich froh bin, wenn nicht zu viel Katzencontent in G+ daher kommt.

    Tools: ja. Es kommt auf User draufan: ja. Clone von Facebook: nein (wie der Artikel, der von Roger verlinkt wurde versucht zu zeigen). Meine Meinung – andere Meinungen sind durchaus willkommen 😉

  10. Roger | 16.05.2012 11:04

    Das Thema war beim Sam auch mal sehr aktuell (siehe: http://webwirksam.ch/google-vs-facebook–1403/), meine Meinung hat sich noch nicht geändert… Google+ ist, wie du es selbst ja auch beschreibst, ein erweitertes Twitter (wenn man so will). Da ich und mein Umfeld jedoch noch gar nie ein Bedürfnis nach so etwas hatten, bin ich bei Google+ unterdessen nicht mehr aktiv.

  11. Yves | 16.05.2012 10:11

    Vielen Dank David für deine Meinung (und die Korrektur). Ich weiss deine Meinung zu schätzen, weil ich annehme, dass du sie dir auch selber gebildet hast. Ist leider selten der Fall, wenn es um dieses Thema geht.
    Du hast recht, Google+ ist nur ein Werkzeug. Ich denke aber nicht, dass es Facebook ersetzen soll. Es hat nebenher noch vieles Platz. Als Handwerker benutze ich auch das Werkzeug, das mir besser in der Hand liegt. Deswegen erkläre ich das Werkzeug des Kollegen auch nicht für untauglich, ohne das ich es mal eingehend geprüft habe. Auch dann kann ich höchstens sagen, dass es für mich nicht taugt. Vielleicht stimmen ja auch meine Erwartungen nicht? Vielleicht habe ich es falsch angewendet?

  12. @dworni | 16.05.2012 08:53

    Meine Meinung kennst du ja. Google+ ist für mich vielleicht nicht tot (»tot« ist ein Adjektiv; »Tod« ein Substantiv) aber wird sich nicht gleich etablieren wie Facebook und Twitter. Schlussendlich sind diese Netzwerke nur Werkzeuge, die User geben den Ton an. Google+ versucht eine Lücke zu füllen, welche mit Facebook schon gefüllt wurde. Meine Meinung.

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