SSL verschlüsselte Suche bei Google verwässert Keywordanalysen

Yves Moret, 11.04.2012 5 Kommentare

Seit rund vier Wochen wird die Suche für eingeloggte Google-User nun auch auf Google.ch und den anderen Länderspezifischen Suchmaschinen verschlüsselt. Dies bleibt nicht ohne Folgen für die Nutzer von Webanalysetools wie Google Analytics, Webtrends, SiteCatalyst und anderen.

Wie letzten Herbst auf Google.com hat Google nun auch die Sites in den jeweiligen Ländern auf SSL-Verschlüsselung für die registrierten User umgestellt. Das heisst, wenn man bei Google eingeloggt ist und einen Suchbegriff in den Suchschlitz eingibt, wird die Anfrage an Google nun verschlüsselt. Erkennbar ist dies an der URL die nun nicht mehr mit http:// beginnt, sondern mit https://

Dieses zusätzliche S tönt zwar noch nicht sehr dramatisch, hat aber weitereichende Folgen für die Sitebetreiber, die Auswertungen über die Besuche auf ihrer Site erstellen. Das wird im Online Marketing gern genutzt, da es mehr Möglichkeiten zur Auswertung gibt als im klassischen Marketing.
Einer der grossen Vorteile war bisher, dass man in den statistischen Daten der Besuche sehr genau ablesen konnte, mit welchen Suchbegriffen der User über Google auf der eigenen Site gelandet ist. Gerade wenn man seine Seite für die Suchmaschinen optimieren will, ist dieser Wert natürlich essenziell.
Nun, mit dieser Änderung von Google auf SSL-Verschlüsselung werden die Keywordanalysen ziemlich verwässert, da nur noch die Suchwörter der nicht eingeloggten User übertragen werden. Bei den eingeloggten Usern geht diese Information bei der Verschlüsselung verloren. Google könnte diese Daten doch noch erheben, da sie ja „wissen“ welcher User mit welchem Stichwort sucht und auf welchen Link in den Ergebnissen er klickt. Genau dies können Webanalyse Programme von anderen Anbietern nicht.

Obwohl es möglich wäre, dass Google Analytics diese Suchbegriffe weiterhin zu Verfügung stellen könnte, werden die Suchvorgänge nur noch als (not provided) ausgewiesen. Das bedeutet nun bei der Analyse der Suchvorgänge, dass ich zwar weiss, wie die nicht eingeloggten User zu mir gefunden haben. Die Suchbegriffe der eingeloggten User bleiben aber ein schwarzes Loch, über das nur spekuliert werden kann.
Die anderen Analyse Tools stehen hier noch mehr im Abseits. Die wissen nicht mal, wieviele eingeloggte User sich im schwarzen Loch befinden. Diese werden nicht gezählt, da durch die Verschlüsselung des Referers in der URL nicht erkennbar ist, dass diese Besucher von Google her kommen.

Google wird sich auf den Standpunkt stellen, dass das Ganze für den User aus Datenschutzsicht sehr sinnvoll ist. Ich denk aber, dass dies vor allem für Google sehr sinnvoll ist. Immerhin haben sie sich hier ein schönes Monopolgärtchen eingerichtet, das einem niemand so schnell streitig machen kann. Ein nächster Schritt könnte ja sein, dass man die Google Suche nur noch angemeldet nutzen kann?

Was meint ihr zu dieser Sache? Freue mich auf jegliches Feedback in allen Kanälen. Egal ob aus User Sicht oder Sitebetreiber Sicht.

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5 Kommentare

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  1. Yves Moret | 11.04.2012 12:03

    @Marin

    Auch diese Anmerkung ist richtig, Danke. Wäre noch spannend, wenn ich als Adwords Inserent nicht erfahren dürfte, mit welchem Begriff der Klick zustande kam, den ich dann bezahlen darf. 😉

  2. Martin | 11.04.2012 11:55

    @Yves

    Danke für das Feedback. Übrigens, die Suchwortzensurierung gilt aktuell nur für die organischen Suchen, bei den bezahlten Suchresultaten werden die Suchbegriffe noch übermittelt.

  3. Alex | 11.04.2012 11:37

    Auch Clicky User bekommen die Aenderung zu spüren. Die „Secure Search“ Begriffe halten sich aber noch mit 2-10% in Grenzen.

  4. Yves Moret | 11.04.2012 11:31

    @Martin

    Vielen Dank für deine Anmerkungen. Wieviel Keywords so verloren gehen, wird vom Zielpublikum abhängen. Wenn das aus dem IT- oder Web-Bereich ist, kann es gut auch mehr sein. Wir haben auf unserer INM Site auch ca. 10%.
    Das lässt sich von Google natürlich auch steuern. Wenn sie mehr Dienste haben, an denen sich die User anmelden, wird die Zahl der angemeldeten User auch ansteigen.
    Egal wieviele Prozent. Die Statistiken werden so oder so verzerrt. Je nach Thematik kann man da tüchtig auf einen falschen Kurs kommen.

    Danke auch für deine Korrektur. Natürlich hast du Recht. Habe es bisher noch nicht selber gesehen, da wir bei uns Analytics einsetzen.

  5. Martin | 11.04.2012 10:51

    Wir haben festgestellt, dass seit der Umstellung der länderspezifischen Suchseiten ca. 10% der Keywords verloren gehen.

    Die Aussage im zweitletzten Absatz ist nicht ganz korrekt. Auch die anderen Analyse Tools erhalten den Referrer von Google, jedoch auch ohne Suchbegriff. Wenn man auf ein Suchresultat klickt, wird man über eine nichtverschlüsselte Google Seite auf die Zielseite geführt. Je nach Tool werden diese Zugriffe anders dargestellt, in Webtrends z.B. als ‚Suchausdruck nicht gefunden‘.

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