„Wenn Jesus heute leben würde, hätte er auch ein Facebook-Profil“

Ganz nach dem Motto „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt…“ hat sich die katholische Kirche etwas ganz Neues überlegt. Schon seit längerem scheint die Bevölkerung je länger je weniger gewillt, sich sonntags früh in Schale zu werfen und zur Kirche zu kommen. Pfarrer Dietmar Heeg scheint genau dafür nun die richtige Lösung gefunden zu haben und implementiert diese – no kidding – am 1. April 2012. 

Wir alle haben diese Woche wieder neue Schreckensmeldungen bezüglich Privatsphäreeinstellungen und Datenschutz auf Facebook gehört und haben uns zum 1000sten Mal gefragt, ob es nicht an der Zeit wäre, den Account zu schliessen. Doch wer hätte es gedacht – nun gibt uns die katholische Kirche einen Grund, dem Netzwerk treu zu belieben – oder versucht es zumindest.  Am Sonntag, 1. April 2012, 17.00 Uhr findet der erste Facebook Video-Live-Stream Gottesdienst aus der Kapelle des Kölner Tagungshauses Maternus statt. Die Übertragung wird auf den Facebook-Kanälen von katholisch.de, kirche.tv und domradio.de zu sehen sein.

Die Idee mach für jeden Social Media Manager eigentlich absolut Sinn: Die Gläubigen werden dazu aufgerufen, sich aktiv in die Predigt einzubringen, ein Wunschkonzert für Gebete und Fürbitten soll möglich sein, und jeder Zuschauer soll sich mit Kommentaren beteiligen. Denn, wie Pfarrer Heeg uns wissen lässt „der Heilige Geist weht auch im Internet“

Dass die Kirche sich dazu bewegt, auf die heutigen Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen ist lobenswert, doch ob dieser Approach dafür der richtige ist, um die Schäfchen zu vereinen, scheint mir äusserst fragwürdig, vor allem auch da die Ankündigung bereits zu zahlreichen sarkastischen Zeitungsartikeln geführt hat. Und auch ich kann mir nicht helfen, die Aktion erinnert zu stark an das Wahlvideo „Gäll du wählsch mi und willsch mi“ der FDP Reinach (siehe unten), ein misslungener Versuch, sich in Szene zu setzen, wie 20 Minuten damals schrieb. Und ob ein solcher Online-Auftritt der Kirche zu mehr Glaubwürdigkeit verhilft ist aus meiner Sicht fragwürdig.  Auch frage ich mich, ob am Sonntag im Pyjama auf der Couch mit dem Laptop der richtige Ort ist, um sich  mit grundlegenden religiösen Fragen zu beschäftigen….

Trotzdem, warten wir ab und halten wir fest, dass es zumindest ein mutiger Schritt von Pfarrer Heeb ist, sich dem Internet zu öffnen. Vielleicht landet er ja einen viralen Hit…? Ich werde mich bestimmt am 1. April einmal in die Übertragung klicken. Kein Scherz!

Was hältst du von Online-Gottesdiensten auf dem eigenen Sofa? Sinnlos, peinlich oder ein Schritt in die richtige Richtung? Könntest du dir vorstellen, dich so mit deiner Religion zu beschäftigen?

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