Google’s Knol als Wikipedia – Killer?

Yves Moret, 25.07.2008 8 Kommentare

Seit geraumer Zeit wird der neue Dienst von Google, namens Knol, als neue Konkurrenz für Wikipedia gehandelt. Auf den ersten Blick mag dies vielleicht zutreffen. Wenn man Knol aber einer tieferen Betrachtung unterzieht, merkt man, das er sich deutlich von Wikipedia unterscheidet. Während Wikipedia auf dem Prinzip gemeinschaftlicher Arbeit beruht, setzt Knol auf die Profilierung von einzelnen Autoren. Die Autoren der einzelnen Artikel werden mit Namen genannt und verfügen über die alleinigen Rechte an den Beiträgen. Artikel zu den Themen können gleichzeitig von mehreren Autoren verfasst werden und das Rating der Leser bestimmt dann die Reihenfolge, wie die Artikel in den Suchergebnissen von Knol gelistet werden.

Dieses Grundprinzip wird verhindern, dass Knol zu einer ernstzunehmenden Enzyklopädie werden wird und die Reputation von Wikipedia gefährden kann. In Wikipedia gibt es zu einem Thema ein Artikel und durch das gemeinschaftliche Element werden diese Artikel fortlaufend durch verschiedene Autoren redigiert und so qualitativ auf ein ziemlich hohes Niveau gebracht. Bei Knol wird dieser Mechanismus nicht spielen. Ziemlich schnell werden mehrere Artikel zum gleichen Thema entstehen, in denen sich die persönlichen Meinungen der Autoren wiederspiegeln werden.

Ich sehe es ähnlich wie Frank Patalong in seinem Artikel auf Spiegel Online. Knol wird zu einer Konkurrenz für Fachzeitschriften und Foren, die sich mit bestimmten Themen auseinandersetzen. Für manchen Wissenschaftler wird dies eine gute Plattform sein, um seine Studien der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dies ist hier einfacher als wenn man seine Arbeit erst von Redaktoren der Fachjournale absegnen lassen muss. Die Frage ist natürlich auch, was das Veröffentlichen auf Knol für die  Reputation der Autoren in ihrer jeweiligen Fachwelt bringen wird. Ich denke mal nur wegen der Einnahmen aus Adsense-Anzeigen wird kaum jemand was für Knol schreiben.

Eine andere Gefahr für Knol wird sich auch aus der Tatsache ergeben, das nur Artikel über wissenschaftlich relevanten Stoff geschrieben wird. So wird nie eine vollständige Enzyklopädie entstehen. Dies zeigt sich jetzt schon. Während Knol bereits einen Artikel bei Wikipedia hat, hat noch niemand was über Wikipedia in Knol geschrieben. Dies zeigt also heute schon, wie sich Knol in Zukunft entwickeln wird.

Wird Knoll also zu einem Flop oder einem Hit für Google?

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8 Kommentare

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  1. Michael | 5.01.2009 19:58

    Knol hat sich zwar die letzten Monate massvoll entwickelt, aber der finale Brüller ist es bisher noch nicht. In den Kommentaren innerhalb Knol gab es besorgte Fragen, wie mehr Knol-Autoren gewonnen werden könnten, die mehr Views produzieren könnnen (ich bin ein kleiner Knoller mit >1.000 Views). Möglicherweise wird die Entwicklung von knol nicht fortgeführt, da Google scheinbar auch das Geld ausgeht. Vielleicht einfach Obama anfunken und den Rettungsschirm für knol anfordern…

  2. webi | 29.07.2008 09:09

    Hallo Yves
    Ich möchte kurz darauf eingehen ob die Leute vielleicht auch NUR für das Geld die Artikel schreiben würden: Die Frage ist eigentlich eine andere. Wie weit oben Rankt Google die Knol Artikel.
    Bei meinem Beispiel nehme ich an Knol steht leicht besser als der Wiki Beitrag in den Suchergebnissen:

    KW: Naruto (Ist eine Zeichentrickfigur)
    Wikipedia Artikelaufrufe im Februar 08: 960‘209
    Durchschnittliche Adsense Klickrate 5%
    Durchschnittlicher Adsense Klickpreis 10 Cent
    —————————-
    4‘800 Dollar im Februar 08 verdient, so und jetzt schreibe ich einen Artikel über Kredit 😉
    Klar sind das alles wage Annahmen aber unrealistisch sind sie nicht. Wie viel Traffic die die Wiki Artikel einbringen kann man hier sehr schön sehen: http://stats.grok.se/
    Gruss webi

  3. Claudio | 29.07.2008 08:58

    Interessant ist das Experiment – wie der grösste Teil aller Experimente – allemal. Zum Fachjournal reicht es aber nicht, denn gerade diese zeichnen sich durch Selektion der Artikel aus, die sie publizieren.
    Es ist ausserdem fraglich, ob sich tatsächlich Wissenschafter und Wissenschafterinnen um die Artikel bei Knol bemühen werden, denn gerade laufen auch unzählige Open Access-Initiativen der Universitäten, wo Forschende dazu verpflichtet werden, ihre Veröffentlichungen auch frei zugänglich auf Universitätsservern abzulegen, die elektronische Bibliothek wird also mehr und mehr zur Wirklichkeit.
    Dass man bei Knol oder Wikipedia keinen akademischen Ruhm einheimsen kann, liegt wohl auch daran, dass die Daten – zumindest bei Wikipedia – keine lange Haltbarkeit haben. Will man in einer wissenschaftlichen Arbeit einen Artikel zitieren, so will man sicher sein, dass er immer noch in der gleichen Form lesbar ist wie zu der Zeit, als der Autor ihn konsultiert hat. Zur Recherche werden diese Instrumente klar gebraucht, aber bloss als Ausgangspunkt, um sich zu einem Thema eine Idee zu machen.
    Für Geisteswissenschafter ist Knol wahrscheinlich auch nicht gedacht, tippt man da die einfachsten Stilfiguren wie Chiasmus oder Oxymoron ein, wird man gebeten, einen Artikel darüber zu schreiben. Dass ein Erstsemester da schon mehr weiss als die Enzyklopädie ist natürlich kein Qualitätsmerkmal ;-).

  4. Ladina | 28.07.2008 15:19

    Dass Knol wie auch Wikipedia keine Orte sind, um Ruhm einzuheimsen wird wohl so machen potentiellen Autor vom aktiven Berichten abhalten. Wer jedoch trotzdem Zeit und Wissen in das Allgemeinwohl investiert, wird mit seinen Beiträgen bestimmt auch die richtige Zielgruppe erreichen. Dass die Autoren weitgehend frei sind in der Gestaltung und der Form ihres Artikels kann sich sehr positiv auf die Kreativität auswirken. Und dass man für die Richtigkeit der Inhalte mit seinem Namen steht, finde ich auch ganz gut. Für mich ist entscheiden, dass über die Qualität der Beiträge weiterhin die Leser wachen.

    Ich bin sehr gespannt, wie sich das Google-Nachschlagewerk entwickeln wird. Für mich stellt Knol auf alle Fälle vielmehr eine Ergänzung zur Wikipedia dar, als eine Konkurrenz.

  5. fiL | 27.07.2008 15:44

    @John, eine Chance gebe ich Knol schon aber das wird nichts nützen. Für solche Geschichten muss es ein breites, sehr breites Publikum geben und das schaut im Moment bei Wikipedia rein. Dafür sind wir User zu träge, wechseln wird meiner Meinung nach nicht funktionieren und ein Wiki reicht.

  6. John | 26.07.2008 09:32

    @ fiL
    Gib Knol Zeit. Wikipedia fing auch mal klein an. Ich persönlich würde Knol noch nicht zum Scheitern verurteilen.

  7. fiL | 25.07.2008 21:36

    Don’t like empty search results? Know something? Write a Knol.
    Dies das Resultat wenn ich nach Web 2.0 suche. Habe auch noch ein paar andere Keywords eingegeben, alle mit dem selben Output.
    Für mich ist das ein weiterer, verzweifelter Versuch von Google, sich am neuen Web zu beteiligen. Die tanzen auf zu vielen Bühnen und ahmen zu träge nach.

    Google soll schauen, dass sie mit AdWords ihr Geld auch noch in 5 Jahren verdienen, was für mich noch lange nicht selbstverständlich ist.
    Mein Statement: Knol ist ein ganz klarer Flop!

  8. John | 25.07.2008 16:42

    Hallo Yves
    Top oder Flop? Ich vermute Top. Die Idee hat Potenzial. Doch ob die Idee genug Fleisch am Knochen hat wird sich noch zeigen. Ich sehe sehr gute Ansätze, doch auch Gefahren. Du bist selbst schon darauf eingegangen. Auf jeden Fall ist es ein interessantes Produkt aus dem Hause Google. Über das Wochenende werde ich mich vertieft damit befassen.

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