Die Filterblase – Der Anfang vom Ende? Oder einfach nur normal?

FilterblaseIn den letzten Monaten kreuzte mich immer wieder der Begriff der Filterblase. Grund genug um sich mal ein wenig mit dem Begriff auseinander zu setzen. Ist dies ein modernes Phänomen an dem wir leiden? Oder mehr ein schon lange währender Normalzustand?

Der Begriff Filterblase wurde von Eli Pariser in seinem Buch „The Filter Bubble: What The Internet Is Hiding From You“ geprägt.  Es geht darum, dass wir zwar Zugang auf das ganze Spektrum des Wissens auf dem Internet haben, uns aber trotzdem nicht weiterentwickeln, weil uns zum Beispiel die Individualisierung der Suchmaschinenergebnisse oder unsere Freunde in den Social Networks daran hindern, andere Sichtweisen zu entwickeln.

Schauen wir das mal am Beispiel einer Recherche an. Ich möchte zu einem politischem Thema mehr wissen.  Ich gehe also auf die Suchmaschine meines Vertrauens,  gebe den wichtigsten Begriff ein und erhalte alle relevante Treffer auf meine Anfrage. So weit so gut. Vielleicht stehen dann sogar alle Informationen zu Verfügung.
Der Haken an der Sache ist aber der Umstand, wie die Suchergebnisse von den Suchmaschinen geordnet werden. Als Mensch zähle ich darauf, dass die ersten Treffer auch die für mich relevantesten Suchergebnisse enthalten. Weiter zähle ich drauf, dass die Wertung der Relevanz neutral ist. Genau hier setzt aber das Fehldenken ein. Mit zunehmender Wahrscheinlichkeit hat die Suchmaschine die Suchergebnisse auf meine Bedürfnisse zugeschnitten. D. h. sie hat meine Chronik durchwühlt, geschaut was meine Freunde (die Denken ja ähnlich wie ich) zu diesem Thema für Empfehlungen gegeben haben, meine Geo-Position gecheckt und vieles mehr. Anhand dieser Informationen bestimmt nun die Suchmaschine, was für mich am relevantesten ist.
Weiter ist für die Suchmaschine auch wichtig, wie die Informationen aufbereitet sind. Es kann nun also sein, dass die für mich wichtigen Informationen so tief im Web vergraben sind, dass sie mir die Suchmaschine erst auf der 126. Ergebnisseite bringt, einfach weil die Seite halt einen falschen Titel hat oder das Pech hatte, nie einen Backlink zu erhalten. Ich werde diese Seite also nie zu Gesicht bekommen, obwohl ich sie theoretisch zu Verfügung gehabt hätte.

In Social Networks verhält es sich ein wenig anders. Dort wird die Wissensvermittlung natürlich durch meine Freunde gesteuert. Da der Mensch dazu tendiert, sich mit gleich denkenden Artgenossen zu einer Herde zu formieren, ist es hier natürlich auch schwierig, sich ein wirklich neutrales Bild zu machen. Ausserdem lassen sich die meisten Menschen ja gerne die bestehende, eigene Meinung gerne von anderen bestätigen.

So ist es also! Sich eine neutrale Meinung unter der Berücksichtigung des ganzen Wissens des Internets zu bilden ist unmöglich. Jetzt frag ich euch? Ist das wirklich so schlimm? War das früher anders? Zeitungen, Bücher, TV, Stammtisch, Lagerfeuer? Sind dies Informationsquellen, die eine neutrale Sichtweise garantieren?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen. Schliesslich habt ihr es in der Hand, wie ich in dieser Sache weiterdenken werde. 😉

 

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2 Kommentare

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  1. Markus | 7.12.2011 11:11

    Öfter mal eine echte Zeitung oder ein älteres Buch lesen hilft. Ich habe auch noch einen 24-bändigen Brockhaus zu Hause. Es ist manchmal ganz witzig diesen mit den Informationen aus dem Internet zu vergleichen und zu sehen, wie sich die Wertigkeit von Begriffen verändert hat, oder manche Worte einfach nicht mehr verwendet werden. Neusprech lässt grüssen.

    Socialmedia ist in der Tat eine viel dynamischere Quelle für Informationen. Leider stört dabei dieses Grundrauschen sehr. Es wird auch sehr viel Blödsinn gepostet.

  2. Rolf Service | 7.12.2011 10:12

    Das ist eine wirklich interessante Frage. Stoff für Orwell, Huxley oder Postmann.
    Ich vermute, dass es nie wirklich anders gewesen ist, mit der kleinen, eigenen Welt. Auch vor hundert Jahren, in veschiedenen Klassen zuhause, unterhielt man sich im Gentlemans-Club, auf dem Feld, in der Feuerwehr, auf dem Markt, meist mit mehr oder weniger Gleichgesinnten, -informierten oder zumindest gleich -gepolten.
    Ob wir, vor der Kaffeemaschine, über ein 20 Minuten-, Blick- oder Tagi-Thema sprechen, an der Oberfläche des Internets kratzen oder womöglich sogar tief schürfende Gespräche führen, sofern im üblichen Rahmen, wird wahrscheinlich kein neuer Weg gefunden, sondern der vorhandene Pfad einfach tiefer.

    Was mich etwas nachdenklich stimmt, ist der Hang zur Gleichwerdung der Kulturen und Gesellschaften. Das Wegfallen von Meinungsvielfalt ist eine gedankliche Inzucht!

    Danke für den Artikel!

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