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Are we community? Erfolgreich scheitern.

youmenet.logoEs geschah im Frühjahr 2007. Damals machte sich eine junge Crew von webbegeisterten Menschen auf, das Web zu revolutionieren. Sie setzten sich das Ziel, eine Schweizer Community-Plattform im Stile von (damals) MySpace oder Youtube aufzubauen. Die Community-Zentrale gabs nicht nur virtuell, sondern auch als mobilen Glaskubus, der immer mal wieder in einer anderen Stadt war.

Unterdessen sind drei Jahre vergangen und das swiss social network youme.net ist Geschichte. Die Plattform besteht zwar noch, wird aber nicht mehr genutzt.

Die Truppe hinter youme.net bestand aus ehrgeizigen Köpfen, die alle einen Traum hatten: Innert möglichst kurzer Zeit eine erfolgreiche crossmediale Plattform aufzubauen. Quasi eine virtuelle Spielwiese für all jene, die ihre Talente mit anderen teilen möchten. Die Macher investierten einige Liter an Herzblut, animierten Leute zum Mitmachen und produzierten wöchentlich eine schräge Web-TV-Show. Das Projekt wurde finanziell durch das Medienhaus Ringier unterstützt. Ringier schwebte vor, die Beiträge über verschiedene Kanäle wie Fernsehen oder Print zu streuen und den usergenerierten Inhalt zu verkaufen.

Doch anscheinend war dies den Schweizern zu progressiv. Auch die Nähe, die durch den mobilen Glaskubus entstehen sollte, brachte nicht viel. Die Passanten nahm es zwar Wunder, was dieses Glashäuschen sollte, sie meldeten sich dann aber nicht auf der Plattform an.

In der Community tummelten sich stehts die gleichen paar Nasen. Da den Usern nicht wirklich etwas Grossartiges geboten wurde und sie keinen eigenen Nutzen aus der Plattform ziehen konnten, liessen sie ihre Profile verwahrlosen. Im Herbst 2008 wurde dann definitv der Bettel hingeworfen und der Glaskubus wurde auf ebay versteigert.

youme.cube

Meines Erachtens viel zu früh. So ein Projekt braucht einfach seine Zeit bis es überhaupt einmal beachtet und verstanden wird. Das geht nicht einfach so von heute auf morgen.

Know-How, Kreativität und Geduld sind die Zutaten, die ein Projekt auf die Dauer geniessbar machen. Bei youme.net waren zwar alle drei Zutaten vorhanden doch hatte es von einem zu viel und vom anderen zu wenig. youme.net war seiner Zeit einfach voraus.

Das einzige was von dem Projekt übrig geblieben ist, ist die Web-Technologie. Die wird nun bei der Blick am Abend-Community oder bei news1.ch eingesetzt.

Woran ist eurer Meinung nach das Projekt gescheitert? Ist so ein crossmediales Projekt  in der Schweiz überhaupt möglich? War man einfach zu geblendet von den amerikanischen Projekten? Wäre der heutige Zeitpunkt realistischer für so ein Projekt?

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30 Kommentare

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  1. Christina Schmid | 27.10.2009 07:04

    @reto ist das eine Einladung? :-)

  2. Reto Hartinger | 27.10.2009 00:00

    dann wäre es natürlich noch besser wenn die macherin in bern auch dabei wäre – das gibt eine gute diskussion

    nach dem vortrag diskutieren wir unsere erfahrungen zum thema während einer stunde – da ist jeder akteur und nicht nur konsument

  3. Christina Schmid | 26.10.2009 23:46

    @reto hartinger
    die story hier wurde auch von einer Macherin geschrieben… ;-)

  4. Reto Hartinger | 24.10.2009 11:09

    wer die story von den machern hören möchte, kommt ans nächste Internet Briefing in Bern
    http://www.internet-briefing.ch/youme

    Der Macher youme Marcel Meier wird aus dem “Nähkästchen” des gescheiterten Mitmach-Web Projektes http://www.youme.net erzählen und selbstkritisch über seine Erfahrungen und die Learnings sprechen:

    - Emotionalisierung und Personalisierung
    - create relevance, oder wie man effizient durch das scheinbare Informations-Chaos navigiert
    - Die treibenden Motivatoren: Aufmerksamkeit und Anerkennung
    - Hirarchie und Glauwürdigkeit der Kommunikationskanäle bei den verschiedenen Zielgruppen
    - (R)evolution! Warum Entscheidungsträger fast immer falsch entscheiden, wenn es um SocialWeb Projekte geht
    - so scheitern SocialWeb Projekte
    - Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren für SocialWeb Projekte

  5. tetter | 24.10.2009 00:05

    Ich war eine ganze Zeit lang sehr aktiv au youme.net. Ich muss aber auch sagen, dass das Design der Seite nicht ganz einfach zu verstehen war. Der Grundgedanke einer Plattform für talentierte Menschen zu schaffen ist nach wie vor super! Leider war die Anzahl von aktiven User nicht so hoch was einem die Lust am teilhaben nahm.
    Ich bin mir zu 90% sicher, dass eine solche Plattform mit entsprechenden Partner, durchaus gute Chancen haben kann.

  6. Marcel | 23.10.2009 18:42

    Spannende Diskussion! …und wer noch mehr Insides über das Projekt youme.net möchte, resp. mehr über das Erfolgs- und Scheiterungspotential von SocialNetwork Projekten in der Schweiz erfahren möchte, der komme am 04.11.09 ans Internet Briefing nach Bern: http://www.internet-briefing.ch/youme

  7. Thomas Hutter | 23.10.2009 15:21

    @christina
    Ich denke niemand aus dem herkömmlichen Verlagsgeschäft. Evtl. ein Konzern mit Interesse am Aufbau einer Community für späteres Branding?

  8. Christina Schmid | 23.10.2009 14:49

    @thomas hutter
    Was wäre der ideale Sponsor für so ein Projekt?

  9. Thomas Hutter | 23.10.2009 14:29

    Eine Community kann nicht mit viel Hoffnung und einem kurzen Atem betrieben werden. Allenfalls war mit Ringier auch nicht der optimale Investor dahinter, ansonsten wäre das Projekt viel länger gepusht und finanziert worden.

    Die Software hinter youme.net (sieme) die von 4screen AG entwickelt wurde bietet allerdings enormes Potential für die Verwirklichung einer erfolgreichen Community. Mittlerweile ist auch die Gesundheitssprechstunde mit der gleichen Software gelauncht worden: http://www.gesundheitsprechstunde.ch/

  10. Pascal Burckhardt | 23.10.2009 13:23

    Eine Web-Gemeinschaft funktioniert wenn es eine gemeinsames Interesse vorhanden ist und der einzelne User das Gefühl hat das es für ihn von nutzen ist. Dann muss natürlich die Community eine gewisse Grösse erreichen so das sie Nutzer sich nicht gegenseitig langweilen und am wichtigsten für den Betreiber und so für eine gesicherte Zukunft muss die Finanzierung, resp. Re-Finanzierung gut überlegt sein. Rein mit Werbung sehe ich da keine Chance und Originalität alleine genügt leider auch nicht.

  11. Christina Schmid | 23.10.2009 13:19

    @dworni
    Jetzt ist die Plattform ja auch nicht mehr aktiv. Aber früher war da einiges klarer und es lief auch mehr.

  12. @dworni | 23.10.2009 13:10

    Interessant finde ich, dass der Erfolg solcher Projekte immer wieder von den Usern abhängig gemacht wird. Doch sobald die Idee grundsätzlich gut ist und z.B. das Ego der Teilnehmer gefördert wird, steht die Basis. Doch nebst diesen Parametern wurden bei obrigem Projekt folgende Komponenten schlecht umgesetzt: a) Design (das Logo spricht für sich), c) Usability (hä, um was gehts, wo gehts lang) und b) Werbung (mir war die Plattform bis heute nicht bekannt).

  13. sprain | 23.10.2009 11:28

    @Christina @Roger
    Nein, ich spreche nicht vom Blasen-Design, das kenne ich nicht. Es war sehr nahe an dem Design, wie es jetzt auf youme.net zu sehen ist.
    Das Design war (und ist) aus meiner Sicht so überladen und unverständlich, dass ich verloren ging darin und gar keine Lust hatte, herauszufinden, worum es genau ging.

  14. Christina Schmid | 23.10.2009 11:27

    @roger genau
    aber anfangs November 2007 musste ja auch erstmal geübt und geprobt werden.

  15. Roger | 23.10.2009 11:26

    Der Start 2007 war noch mit dem Beta-System, korrekt (Weiss-Orange/Braunes Design, wenn ich das richtig im Kopf habe). Dieses Design ging noch. Das oben Verlinkte war dann aber das Aus der Usability – meiner Meinung nach.

  16. Christina Schmid | 23.10.2009 11:21

    @roger
    Das war dann wohl in der Beta-Phase.

  17. Roger | 23.10.2009 11:17

    @Christina Schmid
    Ich denke Sprain meint das gleiche Design wie ich oben. Zwischen dem weissen und dem jetzigen Design war ein Layout da, welches, wenn ich mich recht entsinne, in “Blasen” oder Kreisen aufgebaut war. Sogar für mich war das alles sehr verwirrend.
    Wir hatten in der Firma (Medienunternehmen) geplant, YouMe als Plattform für Interaktivität mit dem Enduser zu nutzen.Das war etwa Ende 2007. Leider kam YouMe nie gross in Fahrt und deshalb sattelte man auf Facebook und YouTube um.

  18. Christina Schmid | 23.10.2009 11:12

    @sprain
    Hat dich nur das Design abgeschreckt? Oder hast du auch sonst nicht verstanden was es soll?

    @sebi good boy! vielleicht liegts aber auch einfach nur an der Schweiz?

    @allan auf welchem Planeten lebst du? ;-)

    @dirk ja damals war auch Ringier stark geblendet. Mit ohne Sonnenbrille lässt sich in diesem Business kaum Geld verdienen…

  19. Dirk Worring | 23.10.2009 10:41

    Und natürlich scheiterte es woh auch an der Idee der Geldgeber Ringier. Innerhalb kürzester Zeit Kohle zu verdienen (mit Bannern z.B. haha). Das funktioniert mit Social Media nicht. Das ist kein Geheimnis, hätte man einfach mal einen Blick darauf geworfen wieviel Jahre andere Projekte wie myspace, openBC oder Facebook verbrennen, wieviel Millionen Dollares Business Angels da rein pumpen über einen langen Zeitraum. Die Chancen stehen gut, dass das Projekt von Ringier aus nie gestartet worden wäre.

  20. Yves | 23.10.2009 09:58

    @Sebi
    Das wird sich in nächster Zeit nicht gross ändern. Facebook als Sammelpool, der die User auf den Geschmack bringt und Nischencommunitys die ihre Nische besetzen und darin auch mehr als Facebook zu bieten haben. Ich schätzte mal, das die Nischen den Zulauf vor allem aus den grossen Communities beziehen.

  21. Allan | 23.10.2009 09:46

    Ich würde mal sagen es ist an der Bekanntheit gescheitert. Denn bis heute habe ich von youme.net noch nie etwas gehört und das geht ja wohl nicht nur mir so. :-)

  22. Sebi | 23.10.2009 09:40

    Ich stimme dir zu: Know-How, Kreativität und Geduld brauchts für solche Webprojekte in grosser Menge. Klar ist, dass das Jahr 2007 ganz im Namen von Facebook stand und die grosse Masse dort hin geht, wo bereits viele andere sind.

    Ein anderes gutes Bespiel ist Restorm, die Schweizer Musiker-Plattform. Diese ging auch im 2007 live und muss noch immer im Schatten von Facebook kämpfen. Obschon Communities wie Youme und Restorm ihre Nichenzielgruppe haben (sollten), gibt Facebook die Möglichkeit jede einzelne Niche anzugehen. Eben, “the front and the long tail.”

    Trotz allem gibt es ja sehr nischige Plattformen, wie Triiibes (design- und marketingorientiert) oder Ukulele Underground (der Name ist Programm), die viel lebhafter als jede Facebookgruppe sind. Vielleicht liegts am Tipping Point, vielleicht an der Betreuung. Meiner Meinung nach, gibts einfach Themen, die geeigneter als andere sind, um in einer Community besprochen zu werden und Freunde zu verbreiten.

  23. sprain | 23.10.2009 09:27

    Ich kann mich noch erinnern, wie ich damals youme.net auscheckte – und komplett überfordert war von dem verwirrenden, überladenen Design, wie es heute auch noch erscheint, wenn man auf den Link klickt.
    Wer auf Facebook surft, sieht eine einfache Anmeldemaske – ist man mal drin, versteht man sehr rasch, wie es grundsätzlich funktioniert. Bei youme.net musste man sich zuerst lange orientieren – zu lange, und die Benutzer verschwanden ohne Nutzung der Site auf Nimmerwiedersehen. So war’s auf jeden Fall bei mir.

  24. Christina Schmid | 23.10.2009 09:23

    @yves Dann ist es an der Zeit den Leuten mal kräftig in den Hintern zu treten. Denn das wird unsere Zukunft sein.

  25. Yves | 23.10.2009 09:20

    Sorry, ich kannte halt youme.net nicht.

    Die Frage ist auch, ob die Croud bereit ist, die virtuelle Welt mit dem Reallife zu verbinden. Ich denke da ist die Mehrheit noch nicht so weit.

  26. Christina Schmid | 23.10.2009 09:08

    @yves
    Und wie es heute mehr Erfolg hätte. Es würde aber nicht im Schatten von Facebook stehen, da es ja etwas völlig anderes ist. Bei youme.net würdest du als User direktes Feedback von den Machern bekommen, was du bei Facebook ja nicht hast…und: die virutelle Welt trifft auf die reale Welt. :-)

  27. Yves | 23.10.2009 09:03

    Definitiv war die Zeit für den Einstieg ungünstig. Im Frühjahr 2007 wurde Facebook auf deutsch übersetzt und begann somit die Schweizer zu interessieren. Vorher waren solche Sachen für die Schweizer einfach zu Geeky.
    Ich denke das Projekt könnte heute mehr Erfolg haben, würde aber vermutlich im Schatten von Facebook stehen.

  28. Christina Schmid | 23.10.2009 08:37

    @roger Was für Blasen? Als es noch Beta war? Was war denn das für ein Projekt von eurer Seite aus?

  29. Roger | 23.10.2009 08:27

    Das Design jetzt geht ja wieder. Vor einige Zeit aber war da etwas in so “Blasen” etc, das normale User so stark verwirrte, dass sie nicht ein Mal wussten was sie da eigentlich vor sich hatten. Die weiss ich aus der Erfahrung, die ich sammeln konnte, als ich in einer Firma gearbeitet habe, die mit YouMe zusammen zu arbeiten versuchte. Das Projekt wurde nach kurzem beerdigt.

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