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Google+ – Braucht es den Vergleich mit anderen Communities?

Google+, Google PlusGoogle Plus ist gerade mal ein Paar Tage im Beta Stadium gelaunched und schon werden wir überschwemmt mit Artikeln, die Googles neuestes Social Media Projekt gleich wieder mit Facebook und Twitter vergleichen. Ein schlechter Vergleich in meinen Augen.

Bekannterweise lassen sich Äpfel und Birnen nur schlecht miteinander vergleichen. Genauso kommt mir aber das Medien Feedback auf Googles neuesten Streich vor. Was Google+ Plus ist und wie es geht, hat Jenny Peier gestern hier erklärt. Heute will ich mal zuerst auf die Unterschiede zu Facebook eingehen.

  • Bei Facebook share ich alles grundsätzlich nur mit meinen Freunden. Wer also nicht mein Freund ist, kann auch meine publizierten Inhalte nicht anschauen. Anders bei Google+. Hier kann ich nur mit den Freunden sharen, den Freunden der Freunde oder öffentlich. Das heisst also, mit meinen Publikationen bei Facebook erreiche ich die Öffentlichkeit nur, wenn ich die Sicherheitseinstellungen entsprechend ändere, was aber nicht empfehlenswert ist.
  • Den Konzepten der Sozialen Plattformen liegen grundsätzlich verschiedene Philosophien zugrunde. Während Facebook vor allem auf den Hang zur Selbstdarstellung abzielt, ist Google mehr darauf ausgelegt, Informationen zu verbreiten. Wenn ich mich auf Facebook einlogge, interessiert es mich, was meine Freunde gerade machen. Auf Google interessiert es mich, mit was für Informationen sich meine Freunde gerade beschäftigen. Auf den ersten Blick ein kleiner Unterschied aber, wie ich finde ein sehr wichtiger.
  • Bei Facebook war zuerst die Plattform da, und erst danach hat man sich Gedanken gemacht, wie man denn Geld in die Kasse bekommt. Google verfügt dagegen schon bald seit ewig über ein Finanzierungsmodell, das sehr gut funktioniert und nahezu beliebig skalierbar ist.
  • Facebook muss für Neuerungen ständig auf dem alten aufbauen, während Google hier auf vieles, wie in einem Baukasten, zurückgreifen kann. Google+ ist jetzt mal gestartet und ich bin sicher, da wird noch vieles dazukommen. Facebook kam jetzt ja schon in Zugzwang und musste in aller Eile einen Videochat einbauen.

Dies mal die wichtigsten Unterschiede. Gibt sicherlich noch ein paar andere.

Was für mich aber der ausschlaggebende Punkt ist, ist der Umstand, das Google all die Daten aus Google+ auch zum Ausbau der anderen Dienste brauchen kann. Vor allem für die Suchmaschine.

Bisher hatte Google den Nachteil, dass sie die Daten aus Facebook nur beschränkt indexieren konnten. Im Extremfall kann sich in Facebook ein Riesenhype um ein Thema entwickeln und Google bekommt es nicht mit. Jetzt mit Google+ ist der Grundstein gelegt, dass dies nicht mehr passieren kann.

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, zeigt Google zum Beispiel die Tweets aus Twitter bereits nicht mehr in der aktuellen Suche an. Google hat den Vertrag mit Twitter bereits gekündigt, da sie es offenbar nicht mehr brauchen.

Bereits ist es auch jetzt schon so, dass man als eingeloggter User bei Google in den Suchergebnissen sieht, wenn einer der Freunde eine Seite mit +1 empfohlen hat.

Ich denke Facebook wird so einige Abstriche im Wachstum hinnehmen müssen, währen Google+ rapide wachsen wird, wobei genug Platz für beide in der Social Media Landschaft bleiben wird. Oder wie seht ihr das? Freu mich auf eure Kommentare und, vielleicht sogar, andere Sichtweisen.

PS: Linktipp, für die, die den Artikel noch nicht gelesen haben: “Wem Google+ wirklich Konkurrenz macht” auf Spiegel Online

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6 Kommentare

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  1. Norbert | 2.02.2012 17:05

    Solange ich auch Bilder oder Texte wieder entfernen kann, wenn sich die Lebenssituation oder auch nur die Freunde geänder haben, ist das alles kein Problem. Hirn einschalten und dann erst die Besoffski-Bilder von der letzten Weihnachtsfeier mit dem Gesicht im Dekolleté von Frau Suhrbier hochladen.

  2. Yves Moret | 8.07.2011 18:05

    Danke für die ausführlichen Kommentare. Ich denke es geht gar nicht darum, wer Sieger wird. Es wird jeder “sein” Netzwerk finden, in dem es ihm am wohlsten ist. Viele werden auch in beiden aktiv sein.
    Klar hat Facebook 750 Mio Anwender, wenn man diejenigen abzieht, die dort nicht sonderlich aktiv sind, sind es mal ein Stück weniger. Google hat den Vorteil, das sich die Leute auch für X einen Dienst registrieren und dann auf den Geschmack kommen. Und hey, wenn ich eh gerade bei Google eingeloggt bin, brauch ich mich nicht woanders auch noch einloggen. ;-)
    Gerade die Pflege der Kontaktdaten finde ich bei Google praktischer. Immerhin habe ich die gleich beim Mail, auf dem Handy, im Chat und sonst auf allen Kanälen immer zu Verfügung, ohne speziellen Sync etc. Dies ist mir viel wert.

    Und eben, wie Robi sagt, marketingtechnisch ist Google viel interessanter und irgendwoher muss ja FB sein Geld auch hernehmen. Investoren sind nur da, wenn sie eine Perspektive haben.

  3. Robi Lack | 8.07.2011 12:02

    Facebook ist mit über 750 Mio. User sicher noch um Längen voraus. Aber wenn man sich Google+ etwas genauer betrachtet, so hat dieses Netzwerk sicher enormes Potential. Schon nur deshalb auch weil Google eine grosse Palette an Diensten (Gmail, Adwords, Analytics usw.) zur Verfügung hat, die sie nahtlos in Google+ integrieren können. Auch marketingtechnisch wird es interessant, da ja offenbar auch eine Art “Fanpages” geplant sind.

    Dass es junge User in Scharen von Facebook auf Google+ zieht, denke ich weniger. Für das ist Facebook für Junge zu hype . Ich könnte mir Google+ eher als ein erweitertes Businessnetzwerk vorstellen, angesiedelt so quasi zwischen Facebook und Xing.

  4. Manu | 8.07.2011 11:58

    Sehe ich ähnlich. FB ging,w ie mario Sixtus schon sagte, aus einem Bedürfnis hervor, was erst mal gar nichts mit dem Web zu tun hatte: dem Pflegen von sozialen Kontakten. G+ hingegen entwickelte sich direkt aus dem Web herraus und dient, wie du schon gesagt hast, mehr der Informationsverbreitung und -gewinnung. Man kann also sagen, bei Social Media ist FB das Social und G+ das Media. Ich denke, vor allem für Unternehmen wird G+ sehr interessant werden, da es im Vergleich zu FB doch einige Vorteile hat:
    – Ich kann (wirklich) öffentlich Beiträge schreiben, die auch in der Suchmaschine auftauchen, während FB eher eine geschlossene Blase ist, bei der jeder, der die Informationen erhalten will, ein Konto bei FB brauch.
    – G+ ist “asynchron”. D.h. ich kann Leuten wie bei Twitter folgen, ohne dass sie mit meinen, für sie unter Umständen uninteressanten Beiträge, vollgespamed werden.
    – Wie ich gelesen habe, wird G+ wohl auch noch um einige nette Features erweitert werden, wie Screencasts, Whiteboard etc
    Das sind mal nur die Punkte, die mir spontan in den Sinn kommen. Ich denke G+ wird haptsächlich Twitter oder Plattformen wie Xing starke Konkurenz machen. FB hingegen wird evtl nur die Leute verlieren, die es bis jetzt sowieso schon primär als Informationsquelle “missbraucht” haben, während Leute, die wirklich ihre Kontakte damit pflegen (was wohl der Großteil ist), langfristig wohl auch bei FB bleiben werden.

  5. Yves Moret | 8.07.2011 09:11

    Klar ist es bei Facebook Einstellungssache. Meiner Erfahrung nach, hat die Funktion der Listen kaum wer gebraucht, mich eingeschlossen.

  6. Andrin Regli | 8.07.2011 08:46

    Mit wem ich was share ist meiner Meinung nach bei beiden Einstellungssache. Grundsätzlich könnte man auch bei Facebook die Gruppen benützen. Dies hat sich jedoch nicht wirklich durchgesetzt. Mal schauen ob dies mit den Circles anders ist. Die Pflege ist auf jeden Fall schon mal einfacher.

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